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„Wir haben vielleicht noch 5 Jahre, um die Globalisierung zu gestalten.“

Am Montag, den 13. Mai 2019 veranstaltete Global Economic Dynamics gemeinsam mit dem Zentrum Liberale Moderne ein Fachgespräch zu den Herausforderungen der Globalisierung in Berlin.

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Andreas Esche
Director

In der Folge der Finanzkrise von 2008 hat der Ruf der Globalisierung stark gelitten. Obwohl die zunehmende Vernetzung von Menschen, Märkten und Ideen in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Industriestaaten zu großen Wohlstandszuwächsen geführt hat, wird Globalisierung gerade dort immer stärker auch als Kontrollverlust und zunehmende Instabilität wahrgenommen. Diese Stimmung zeigt sich in unserer Umfrage über die Einstellung zur Globalisierung. Während es immer noch ein vages Gefühl gibt, dass die Globalisierung ihre guten Seiten hat, fürchten die Befragten ihre negativen Auswirkungen auf Einkommenswachstum, Arbeitsplatzsicherheit und sozialen Zusammenhalt.

De-Globalisierung kann jedoch keine Lösung sein. Sie macht die Welt nicht zu einem sichereren, gerechteren oder wohlhabenderen Ort. Im Gegenteil: Schritte zur nationalen Abschottung gehen mit enormen politischen und wirtschaftlichen Kosten einher. Darum sind das aktuelle „Zoll-Säbelrasseln“ zwischen den USA und China oder auch die zunehmende Unterstützung für protektionistische Maßnahmen besonders bedenklich. Stattdessen müssen wir Fehlentwicklungen oder Risiken der Globalisierung fundiert analysieren und unsere politischen und wirtschaftlichen Systeme reformieren und Menschen besser befähigen, mit dem globalen Wandel umzugehen.

Um grundsätzliche Einschätzungen und Anregungen dazu zu sammeln, veranstaltete Global Economic Dynamics (GED) gemeinsam mit dem Zentrum Liberale Moderne am Montag, den 13. Mai, ein Fachgespräch unter dem Titel „Globalisierung kaputt? Kann man das reparieren oder muss das weg?“ in Berlin. Inhaltliche Impulse steuerten Prof. Dr. Marcel Fratzscher (Präsident des DIW Berlin) und Prof. Dr. Karen Horn (Publizistin und Dozentin für Wirtschaftsjournalismus) sowie die drei Bundestagabgeordneten Dr. Danyal Bayaz (Bündnis90/Die Grünen), Dr. Andreas Nick (CDU) und Michael Theurer (FDP) bei. Die Teilnehmenden kamen vor allem aus Ministerien, Verbänden, der Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Bei der Beschreibung von Fehlentwicklungen standen insbesondere die ungleiche Verteilung von Globalisierungsgewinnen sowie die nicht ausreichende Anpassung von nationalen und internationalen politischen Institutionen an die Anforderungen der Globalisierung im Mittelpunkt. Angesichts der überwiegend durch die Digitalisierung zu erwartenden Umwälzungen und des relativen Bedeutungsverlustes Europas in der internationalen Politik und Wirtschaft, kann die Erarbeitung konstruktiver Gestaltungsvorschläge keinesfalls auf die lange Bank geschoben werden, wenn Europa auch in Zukunft seine sozialen und rechtlichen Standards erhalten möchte.

Die Diskussion über Handlungsoptionen machte hauptsächlich verschiedene Dilemmata oder Spannungsfelder deutlich, deren Austarieren zu den wichtigsten, aber auch schwierigsten Aufgaben einer erfolgreichen Globalisierungspolitik gehört. Zum Beispiel: Wo muss Deutschland einzelstaatliche Souveränität auf die europäische oder internationale Ebene abgeben, um künftig weiterhin möglichst viel gesellschaftlichen Gestaltungseinfluss zu bewahren? Im weiteren Verlauf des Jahres 2019 planen das Zentrum Liberale Moderne und Global Economic Dynamics noch zwei weitere Veranstaltungen in Berlin, um solche und ähnliche Fragestellungen fokussierter zu behandeln.