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Unternehmen sehen Demokratie unter Druck – und halten klar zu ihr

Die Demokratie ist für Unternehmen in Deutschland weit mehr als eine Staatsform: Sie schafft Rechtsstaatlichkeit, offene Diskurse, Planungssicherheit, unternehmerische Freiheit und Schutz vor Willkür. Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung, des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Universität St. Gallen zeigt: Die große Mehrheit der Unternehmen steht fest hinter der Demokratie – und sieht sie zugleich erheblich unter Druck. Viele Unternehmen engagieren sich bereits für demokratische Werte – bislang allerdings vor allem intern und in vertrauten Strukturen.

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Dr. Dominik Hierlemann
Senior Advisor
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Rebekka Vollmer
Project Manager

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Unternehmen in Deutschland agieren derzeit in einer doppelten Krise: wirtschaftlich unter Druck und zugleich in einem politischen Umfeld, in dem die liberale Demokratie an Stabilität verliert. Vor diesem Hintergrund rücken Unternehmen stärker in den Fokus: als Arbeitgeber, als gesellschaftliche Akteure und als Orte, an denen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und politischen Haltungen täglich zusammenkommen.

Die neue Studie „Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert“ untersucht, wie Unternehmen den Zustand der Demokratie wahrnehmen, welches demokratiebezogene Selbstverständnis sie entwickeln und in welcher Form sie sich bereits engagieren. Sie basiert auf einer Unternehmensbefragung im IW-Zukunftspanel, qualitativen Tiefeninterviews sowie Fallstudien zu konkreten Beispielen unternehmerischen Demokratieengagements.

Demokratie ist klarer Standortvorteil – und steht unter Druck

Für die große Mehrheit der Unternehmen ist Demokratie eine zentrale Voraussetzung erfolgreichen Wirtschaftens. Sie steht aus Sicht der Befragten für verlässliche Rahmenbedingungen, offene Diskurse, Rechtsstaatlichkeit und Schutz vor willkürlichen Eingriffen. Gleichzeitig ist die Sorge um ihren Zustand groß. Besonders schwer wiegt der Vertrauensverlust in demokratische Institutionen. Mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen sehen darin eine Gefahr. Auch Polarisierung, wirtschaftliche Schwäche, Desinformation und die Verrohung politischer Debatten werden als Risiken benannt. 

 

Gesellschaftliche Spannungen machen vor Werkstoren nicht halt. Doch die große Mehrheit der Unternehmen kann damit gut umgehen. Sie stabilisieren die Demokratie.

Dominik Hierlemann, Senior Advisor, Bertelsmann Stiftung

Engagement aus Überzeugung, aber oft nach innen gerichtet

Die Befunde zeigen: Viele Unternehmen sehen sich nicht nur als wirtschaftliche Akteure, sondern auch als Teil einer demokratischen Ordnung, für die sie Verantwortung tragen. Mehr als 60 Prozent der befragten Geschäftsleiter:innen sind der Auffassung, Unternehmen sollten eine starke Rolle bei der Stabilisierung der Demokratie übernehmen. Fast sechs von zehn befürworten ein Engagement für Demokratie sogar dann, wenn es mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden sein sollte. 

Diese Haltung schlägt sich im konkreten Engagement nieder. Rund 80 Prozent der Unternehmen geben an, sich in den vergangenen drei Jahren in mindestens einer Form für die Demokratie engagiert zu haben. Am häufigsten geschieht dies jedoch nach innen oder in kollektiven Strukturen: durch demokratische Werte im Unternehmensleitbild, interne Statements für die Demokratie oder über Verbände, Kammern und Unternehmensnetzwerke. Öffentlich sichtbare Positionierungen sind deutlich seltener. 

Damit macht die Studie eine Lücke sichtbar: Die Zustimmung zur Demokratie und zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen ist hoch. Das praktische Engagement bleibt jedoch häufig punktuell, intern und noch wenig strategisch verankert.

Was Unternehmen bremst

Dass Unternehmen nicht noch mehr tun, liegt vor allem an praktischen Hürden. Zwar kann die Sorge um Konflikte mit Kund:innen, Lieferant:innen oder der eigenen Belegschaft eine Rolle spielen, vor allem für kleinere Unternehmen. Insgesamt wiegen jedoch andere Hemmnisse schwerer: 61 Prozent der befragten Unternehmen geben an, nicht über genügend Ressourcen für mehr Engagement zu verfügen.

Hinzu kommt Unsicherheit darüber, welche Formen demokratischen Engagements tatsächlich wirken. Knapp jedes zweite Unternehmen, das sich bereits engagiert hat, weiß nicht, welche Wirkungen dieses Engagement auf Arbeitgebermarke oder öffentliches Ansehen hat.

Mehr Tempo, nicht weniger Demokratie

Unternehmen benennen klar, wo sie Defizite demokratischer Praxis sehen. Mehr als neun von zehn Befragten finden, demokratische Entscheidungsprozesse dauerten oft zu lange. Die Kritik richtet sich jedoch nicht gegen demokratische Grundprinzipien: Fast ebenso viele befürworten, dass Regierungshandeln durch Opposition und Medien kritisch hinterfragt wird. Rund sieben von zehn halten eine breite Beteiligung gesellschaftlicher Gruppen an politischen Entscheidungen für wichtig. Unternehmen wünschen sich damit mehr Geschwindigkeit, weniger Bürokratie und mehr Umsetzungskraft – aber nicht den Abbau demokratischer Kontrolle, Beteiligung und Aushandlung.

Unternehmen stehen deutlich hinter demokratischen Prinzipien. Sie erwarten aber eine Demokratie, die die Herausforderungen unserer Zeit sichtbar bearbeitet.

Rebekka Vollmer, Project Manager, Bertelsmann Stiftung

Weniger Appell, mehr Infrastruktur

Entscheidend sind künftig bessere Voraussetzungen, die demokratisches Engagement möglich und wirksam machen.

Für die Politik bedeutet das: Staatliche Handlungsfähigkeit ist selbst eine demokratiepolitische Aufgabe. Reformfähigkeit, Verwaltungsmodernisierung, Bürokratieabbau und sichtbare Problemlösungskompetenz stärken Vertrauen in demokratische Institutionen. Zugleich braucht es bessere Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Demokratieengagement ermöglichen und absichern.

Für Unternehmen bedeutet es: Demokratische Verantwortung beginnt im eigenen Einflussbereich. Größere Unternehmen sollten ihr Demokratieengagement strategisch verankern. Kleinere Unternehmen brauchen vor allem praktikable Formate und Orientierung.

Für die Zivilgesellschaft bedeutet es: Unternehmen sollten stärker als Zielgruppe und Partner zur Stärkung der Demokratie angesprochen werden. Beispiele guter Praxis, Workshopformate oder regionale Unterstützungsnetzwerke können Unternehmen helfen, besser ins Handeln zu kommen.

Die Studie macht deutlich: Demokratie wird nicht durch einen Akteur allein stabilisiert. Sie wird dort widerstandsfähiger, wo Verantwortung geteilt, Vertrauen aufgebaut und konkrete Handlungsfähigkeit gestärkt wird.

 

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