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Reichweite und Deliberation verbinden: Was wir aus dem „Forum gegen Fakes“ lernen

Wie lassen sich Hunderttausende Menschen an einer gesellschaftlichen Debatte beteiligen und zugleich fundierte Empfehlungen erarbeiten? Das „Forum gegen Fakes“ hat dafür eine breite Online-Beteiligung mit einem Bürgerrat verzahnt. Unser neuer Bericht „Reichweite und Deliberation verbinden“ bündelt die Erfahrungen aus dem Projekt und zeigt, welche Chancen, Voraussetzungen und Grenzen mit diesem Ansatz verbunden sind.

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Foto Christian Huesmann
Dr. Christian Huesmann
Senior Project Manager
Foto Angela Jain
Dr. Angela Jain
Senior Project Manager

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Mehr als 400.000 Menschen beteiligten sich über eine Online-Plattform, während 120 Bürger:innen im Bürger:innenrat intensiv über den Umgang mit Desinformation diskutierten. Gemeinsam entstanden 15 Empfehlungen mit 28 konkreten Maßnahmen, die im September 2024 der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser übergeben wurden. Das „Forum gegen Fakes – Gemeinsam für eine starke Demokratie“ hat damit gezeigt, wie sich große Reichweite und vertiefte Diskussion miteinander verbinden lassen.

Mit dem neuen Bericht ziehen wir Bilanz aus der praktischen Umsetzung: Wie greifen die Beteiligungsformate ineinander? Was braucht es, um unterschiedliche Menschen zu erreichen? Und unter welchen Bedingungen können die Ergebnisse in Politik und Gesellschaft Wirkung entfalten?

Breite Beteiligung und vertiefte Diskussion stärken sich gegenseitig

Im Zentrum des Projekts stand die integrierte Beteiligung: Online-Verfahren und Bürgerrat waren über mehrere Phasen inhaltlich miteinander verbunden. Online-Teilnehmende brachten zunächst ihre Themen und Ideen ein, gaben anschließend Rückmeldungen zu den Vorschlägen des Bürgerrats und bewerteten schließlich die fertigen Maßnahmen. Der Bürgerrat griff diese Impulse auf und entwickelte daraus mithilfe fachlicher Expertise seine Empfehlungen.

Dieses Zusammenspiel erwies sich als Gewinn. Die Rückmeldungen aus der Online-Beteiligung eröffneten dem Bürgerrat zusätzliche Perspektiven und wurden überwiegend als Bereicherung wahrgenommen. Zugleich erhielten die online eingebrachten Beiträge einen klaren Weg in die vertiefte Beratung. Für künftige Verfahren bleibt die Aufgabe, diesen Einfluss noch sichtbarer zu machen und die Rollen beider Gruppen transparent zu gestalten.

Kommunikation ist eine Voraussetzung für Beteiligung

Wer viele und unterschiedliche Menschen erreichen möchte, muss Beteiligung dort ermöglichen, wo sie sich im Alltag informieren. Mehr als 80 Prozent der Online-Beteiligung erfolgten über ein direkt in Nachrichtenartikel eingebundenes Beteiligungsangebot. Medienpartnerschaften, zielgruppenspezifische Ansprache und kontinuierliche Kommunikationsarbeit waren damit wesentliche Bestandteile des Verfahrens.

Die Erfahrungen zeigen zugleich: Hohe Beteiligungszahlen führen nicht automatisch zu einer breiten öffentlichen Debatte. Besonders die Veröffentlichung und Übergabe der Empfehlungen schufen neue Aufmerksamkeit – und brachten auch kritische und zugespitzte Reaktionen mit sich. Künftige Projekte sollten deshalb die öffentliche Vermittlung der Ergebnisse ebenso frühzeitig planen wie die Vorbereitung und Unterstützung der beteiligten Bürger:innen.

Politische Wirkung braucht frühzeitige Einbindung und verlässliche Rückmeldung

Bereits während des Projekts wurden Akteure aus Politik, Verwaltung, Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einbezogen. Dies half, die Empfehlungen an praktische Fragen und Zuständigkeiten anzuschließen. Ihr tatsächlicher Einfluss auf spätere Entscheidungen lässt sich dennoch nur begrenzt eindeutig nachweisen: Politische Prozesse verändern sich, Verantwortlichkeiten sind verteilt und Vorschläge werden häufig von mehreren Akteuren eingebracht.

Umso wichtiger ist ein transparenter Folgeprozess. Bürger:innen müssen nachvollziehen können, wie mit ihren Empfehlungen weitergearbeitet wird. Dafür braucht es verwaltungsseitig die Offenheit dafür, feste Ansprechpersonen, eine Dokumentation relevanter Entwicklungen und regelmäßige Rückmeldungen. Diese wichtigen Schritte wurden im Projekt gegangen.

Ein Ansatz mit Potenzial für die Weiterentwicklung demokratischer Beteiligung

Der Bericht versteht integrierte Beteiligung als einen lernenden Ansatz, der insbesondere bei komplexen und kontroversen Themen neue Möglichkeiten eröffnet. Er macht zugleich deutlich, welche Fragen weiterbearbeitet werden müssen: Wie gelingt gesellschaftliche Vielfalt? Und wie lassen sich Ergebnisse so vermitteln, dass sie öffentliche und mediale Debatten bereichern sowie politische Entscheidungen unterstützen?

„Reichweite und Deliberation verbinden“ richtet sich an alle, die Beteiligungsverfahren gestalten, begleiten oder politisch verantworten. Die Publikation bietet praktische Erfahrungen, benennt Herausforderungen und gibt Denkanstöße für die nächste Generation integrierter Bürgerbeteiligung.

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