Reinhard Mohn sitzt am Tisch und hält einen Stift in der Hand, den er in Richtung Kamera richtet

Reinhard Mohn: Ein bahnbrechendes Lebensmotto – mit 16 Jahren

In diesen Tagen wäre Reinhard Mohn 100 Jahre alt geworden. Seine Überlegungen, seine Ziele und seine Erkenntnisse sind weiter allgegenwärtig in der Bertelsmann Stiftung, die der Visionär vor mehr als 40 Jahren errichtet hat. Warum Reinhard Mohn zum Stifter geworden ist, wie die Stiftung an und mit ihren Aufgaben gewachsen ist und wo die Stiftung heute steht, beleuchten wir in drei kurzen Essays.

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Jochen Arntz
Vice President Media Relations

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Reinhard Mohn ist gerade einmal 16 Jahre alt, er geht aufs Evangelisch-Stiftische Gymnasium in Gütersloh – und soll in einem Aufsatz "Gedanken bei der Wahl des Berufes" zu Papier bringen. Was schreibt er? Dass er Ingenieur werden will? Buchhändler? Rechtsanwalt? Nichts davon. Reinhard Mohn, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, schreibt gar nicht, welchen Beruf er ergreifen will. Stattdessen wird er grundsätzlich: "Ich will so viel leisten, wie nur irgend in meinen Kräften steht", schreibt er. Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft will er übernehmen, angetrieben "vom Wunsch nach innerer Freiheit" und einem mit Sinn erfüllten Leben.   

Ein Lebensmotto – und das mit 16 Jahren. Seinen Lehrer hat er zutiefst beeindruckt. Die Note, die er unter den Aufsatz schrieb, war – natürlich – ein "sehr gut". Er zweifle nicht daran, dass Reinhard Mohn später im Leben seine "Aufgaben genauso ernst nehmen" werde wie die Aufgabenstellung zum Aufsatz. Wie recht der Lehrer hatte. 

Und das, obwohl das Leben Reinhard Mohn in eine ganz andere Richtung drängt, als er sich das ein paar Jahre nach dem Schulaufsatz vorgestellt hatte. Zwar muss er tatsächlich "leisten, was in seinen Kräften steht". Aber eben nicht als Ingenieur, was er zwischenzeitlich als Wunschberuf erkoren hatte, sondern als Retter des in Trümmern liegenden Familienunternehmens. 1947 übernimmt Mohn von seinem Vater die Führung der Verlage "C. Bertelsmann" und "Der Rufer". Das ist der Beginn. Dies ist die Nachkriegs-Geburtsstunde von Bertelsmann, dem Medienkonzern von Weltruf. Und hier betritt auch zum ersten Mal der Visionär, der charismatische Unternehmer, der spätere großzügige Stifter die Bühne – die allerdings 1947 nur ein von Schutt umgebenes Rednerpult ist.  

Der Aufstieg des Unternehmens ist beeindruckend. Druckereien, Buchclub, Schallplatten-Label, Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsender. In Deutschland, in Europa, in Amerika. Von Gütersloh aus formt Reinhard Mohn einen Konzern, der zwischenzeitlich das größte Medienunternehmen der Welt ist. Reinhard Mohn ist überaus erfolgreich als Unternehmer – aber natürlich ist er viel mehr. "Der eine trinkt gerne ein Bier, der andere liegt gerne in der Sonne. Ich denke gern", sagt er einmal.  

Und woran denkt er? Daran, dass er Kontinuität und Fortbestand des Unternehmens Bertelsmann sicherstellen will. Natürlich. Aber auch daran, dass er der Gesellschaft etwas zurückzugeben will. Er fühlt die "Selbstverpflichtung, sich je nach Vermögen an der Ausgestaltung und Weiterentwicklung des demokratischen Staates zu beteiligen." So schreibt er es in seinem letzten Buch "Von der Welt lernen". Aus dem überaus erfolgreichen Unternehmer wird ein ebenso erfolgreicher und hochgeachteter Stifter. 1977 errichtet Reinhard Mohn die Bertelsmann Stiftung. Er will die "Demokratie effizienter" und "den Kapitalismus menschlicher" machen. Eine weitere Erfolgsgeschichte beginnt.

Autor: Stefan Schelp

Zum zweiten Teil unserer Serie zum 100. Geburtstag von Reinhard Mohn gelangen Sie hier, zum dritten Teil hier.

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In einem Interview anlässlich der Verleihung des Prinz-von-Asturien-Preises am 22. Oktober 1998 blickte Reinhard Mohn auf seinen Schulaufsatz zurück und wie er seinen Weg als Unternehmer und Stifter vorgezeichnet hat: