Aussenansicht der BVB-Gründerkirche Dortmund

Kirchengebäude für Zusammenhalt öffnen

In den nächsten Jahren werden von den ca. 40.000 kirchlichen Gebäuden in Deutschland rund die Hälfte nicht mehr für kirchliche Zwecke benötigt. Dennoch können sie wichtige Orte des Engagements und des Zusammenhalts in einem Stadtviertel oder einer ländlichen Gemeinde bleiben – wenn auch unter veränderten Bedingungen. Wir unterstützen innovative Ideen, wie diese Gebäude als offene Orte von vielfältigen Akteure für den Zusammenhalt genutzt und mit neuem Leben gefüllt werden können.

 

Ansprechpartner:innen

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Ulrich Kober
Director
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Dr. Yasemin El-Menouar
Senior Expert – Religion, Werte und Gesellschaft

Inhalt

Die Zahl der Mitglieder der Kirchen geht stark zurück, vor allem aus demographischen Gründen. Die Katholische Kirche hatte Ende 2025 noch rund 19 Millionen Mitglieder gegenüber 23,6 Millionen in 2016 und die evangelische Kirche 17,4 Millionen gegenüber rund 22 Millionen in 2016. Die Generationen, die noch in kirchlichen Milieus groß geworden sind, treten langsam ab, bei jüngeren Generationen ist das Vertrauen in die Kirche – nicht zuletzt aufgrund der Missbrauchskrise – gesunken und die Wahrscheinlichkeit des Kirchenaustritts höher. 

Angesichts des Mitgliederschwundes wird die kirchliche Infrastruktur zurückgebaut. Kirchengebäude werden von anderen Religionsgemeinschaften genutzt wie in Hamburg von der Al-Nour-Moscheegemeinde oder in Bielefeld von der jüdischen Gemeinde. Viele verlieren ihren religiösen Charakter und werden Restaurants, Wohnprojekte oder Kletterparks. Schließlich werden nicht wenige einfach abgerissen.

Aber es gibt auch neue Aufbrüche. Kirchen öffnen sich als soziale Orte für das lokale Umfeld, teilweise weiter in kirchlicher Trägerschaft oder in säkularen, gemeinwohlorientierten Trägerschaften. So bleibt die wichtige traditionelle Funktion der Kirchgebäude als Kristallisationspunkte für Engagement und Zusammenhalt vor Ort in neuer Form erhalten.

Eine besondere Initiative ist die neue Nutzung der Dreifaltigkeitskirche im Dortmunder Norden in der Nähe des Borsigplatzes, wo der Fußballverein Borussia Dortmund gegründet wurde. Das Erzbistum Paderborn hat sich in einer Kooperation mit der BVB-Stiftung und anderen Partnerorganisationen entschieden, die Dreifaltigkeitskirche, die von der katholischen Gemeinde nicht mehr benötigt wird, zur „BVB-Gründerkirche“ umzugestalten: „ein multikulturelles und interreligiöses Projekt, ein Ort, an dem Fußballfans, Gläubige, Nachbarinnen und Nachbarn sowie Menschen mit offenen Herzen zusammenkommen“ (Start - BVB-Gründerkirche). Die Vision für diesen Sozialen Ort lautet: „Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort engagieren wir uns sozial, um die Nordstadt zu stärken und Hoffnung erlebbar zu machen.“ Seit Herbst 2024 wird die Kirche umgebaut, Veranstaltungen finden bereits statt, u.a. in einem Zelt, das vor der Kirche in wärmeren Monaten aufgebaut wird (Baufortschritt in der BVB-Gründerkirche).

Die Bertelsmann Stiftung unterstützt die BVB-Gründerkirche, um diesen innovativen Ansatz zu erforschen und Erfolgsfaktoren für diesen besonderen Sozialen Ort zu identifizieren, der für ähnliche Projekte Vorbild sein könnte.

Beim Katholikentag in Würzburg vom 14. bis 16.5.2026 haben Bertelsmann Stiftung und BVB-Gründerkirche einen gemeinsamen Auftritt  Besuchen Sie uns am Stand LF-B-10!