Politische Polarisierung ist häufig die Folge, und populistische Angebote finden in besonders betroffenen Regionen überdurchschnittlich hohe Zustimmung. Erste empirische Befunde aus Deutschland zeigen diese bereits. Da die Dekarbonisierung in den kommenden Jahren weiter an Dynamik gewinnen wird, dürfte auch das Konfliktpotenzial zunehmen. Zugleich setzen weitere Umbrüche bestehende Strukturen unter Druck. Globale Veränderungen – etwa geopolitischer Natur – verstärken den Strukturwandel zusätzlich, insbesondere in Regionen mit starker Einbindung in internationale Wertschöpfungsketten.
Historisch zeigt sich, dass politische Polarisierung Transformationsprozesse verzögern und in bestimmten Kontexten auch zu abrupten, konfliktreichen Umbrüchen führen kann – mit negativen Folgen für Wohlstand und sozialen Zusammenhalt.
Internationale Evidenz legt nahe, dass der Regionalpolitik eine entscheidende Rolle für die gesellschaftliche Akzeptanz der grünen Transformation zukommt – insbesondere dann, wenn sie lokale Beschäftigung sichert, sichtbare Verbesserungen der Infrastruktur bewirkt und so Verwerfungen frühzeitig abfedert.
Für Deutschland fehlen bislang jedoch robuste empirische Belege dazu, ob und unter welchen Bedingungen Regionalpolitik politische Polarisierung vor Ort beeinflusst.
Hier setzt die vorliegende Studie an: Sie verknüpft erstmals eine feinräumige Analyse der deutschen Regionalfördermittel mit einer kausalen Untersuchung politischer Effekte auf lokaler Ebene sowie einer differenzierten Betrachtung einzelner Komponenten des gesamtdeutschen Fördersystems (GFS). Ausgangspunkt ist die etablierte Forschung zur „Geography of Discontent“. Sie zeigt, dass sich wahrgenommene regionale Benachteiligung und ökonomischer Statusverlust in Deutschland vor allem in der Unterstützung rechtspopulistischer Parteien niederschlagen.
Kann Regionalpolitik als Stabilitätsanker im Strukturwandel wirken? Und was bedeutet das für ihre Ausgestaltung auf Bundes- und Landesebene? Die vorliegende Studie gibt darauf erste empirisch fundierte Antworten.


