Überblick über eine leuchtende Stadt

Nachfrage schafft Wandel: Wie die Automobilindustrie klimafreundlichem Stahl zum Durchbruch verhelfen kann

Die Industrie in Deutschland und Europa steht unter hohem Druck – wirtschaftlich, technologisch und angesichts geopolitischer Unsicherheiten. Zugleich muss sie auf klimafreundliche Produktionsverfahren umstellen.

Ansprechpartner

Foto Daniel Posch
Daniel Posch
Project Manager

Inhalt

Grüne Grundstoffe – wie Stahl – sind zentral für Klimaschutz, industrielle Wertschöpfung und Europas Resilienz. Ihr Hochlauf scheitert bislang jedoch weniger am Angebot als an fehlender Nachfrage. Das liegt vor allem daran, dass die Transformation gerade in energie- und emissionsintensiven Industrien wie der Stahlproduktion mit hohen Investitionskosten und langfristig unsicheren Betriebskosten verbunden ist. 

Für entsprechende Investitionsentscheidungen spielt die erwartete Nachfrage daher eine zentrale Rolle: Nur wenn Investoren hinreichend sicher sein können, dass klimafreundlich hergestellte Grundstoffe und Produkte tatsächlich Absatz finden, werden die damit verbundenen, langfristig gebundenen Investitionen in spezifische Technologien finanzierbar.

Vor diesem Hintergrund sind politische Maßnahmen zur Stützung der Nachfrage ins Zentrum der politischen Debatte gerückt. Dabei standen zunächst unter dem Stichwort „grüne Leitmärkte“ vor allem Kriterien für eine klimafreundliche Produktion im Vordergrund. Ergänzt wird dies durch die Diskussion um „Local Content“- bzw. „Made-in-Europe“-Kriterien, also eine gezielte Stärkung der Nachfrage nach heimischen Produkten. Der von der EU-Kommission vorgestellte Industrial Accelerator Act (IAA) kombiniert diese Ansätze und setzt Impulse für die Mitgliedstaaten, öffentliche Vergaben und Förderprogramme zur Schaffung grüner Leitmärkte einzusetzen. Dies stellt einen wichtigen ersten Schritt dar.

Gleichzeitig liegt der größere Hebel in vielen Fällen im privaten Markt. Beispielsweise ist davon auszugehen, dass insbesondere die Nachfrage aus der Automobilindustrie eine entscheidende Rolle für den Hochlauf von grünem Stahl spielen wird.

Vor diesem Hintergrund untersucht das vorliegende Papier am Beispiel der Stahl- und Automobilindustrie, wie sich zwei für die deutsche Wirtschaft besonders bedeutende Branchen gegenseitig bei Modernisierung und Dekarbonisierung unterstützen können. Es quantifiziert hierzu das Nachfragepotenzial nach klimafreundlichem Stahl aus der Automobilindustrie und diskutiert Möglichkeiten, dieses Potenzial zu heben.

Das Ende 2025 von der EU vorgelegte und häufig kritisierte Automotive Package zur Unterstützung der Automobilindustrie auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.  Ob die Industrie die gesetzten Anreize tatsächlich nutzt, ist jedoch offen. Ohne zusätzliche Instrumente droht ein erheblicher Teil des Potenzials ungenutzt zu bleiben. Warum das so ist, welche Optionen sich hierfür anbieten und wie sich diese mit den Impulsen des Industrial Accelerator Act für die öffentliche Beschaffung verbinden lassen, beleuchtet dieser Beitrag.

Download