Ein Arzt steht mit Kittel in einem OP-Raum
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Stationäre Versorgung: So wird Qualität für Patienten verständlich

Es gibt bedeutsame Unterschiede in der Qualität der deutschen Kliniken. Nicht immer ist das nächste Krankenhaus das passende. Die Weisse Liste will einen Vergleich ermöglichen und Transparenz schaffen – indem sie vorhandene Qualitätsdaten verständlich aufbereitet, sie online veröffentlicht und stetig neue Informationen erschließt.

Ausgangslage: Unzureichende Qualitätsinformationen

Rund 2000 Krankenhäuser gibt es in Deutschland. Nicht alle bieten jede Behandlung an. Aber – ein Beispiel: Im Jahr 2012 haben allein rund 1.200 Kliniken im Bundesgebiet Patienten an der Hüfte operiert. Doch welche ist die richtige Klinik für die Operation, welches Krankenhaus hat die meiste Erfahrung, welches entspricht am ehesten den persönlichen Bedürfnissen? Die Qualität der Versorgung in deutschen Krankenhäusern ist insgesamt  hoch, jedoch gibt es teils bedeutende Unterschiede. Und nicht immer ist das nächste Krankenhaus das passende für den jeweiligen Patienten.

Seit dem Jahr 2004 sind Krankenhäuser per Gesetz verpflichtet, regelmäßig über ihr Angebot und ihre Qualität zu berichten. Die sogenannten strukturierten Qualitätsberichte sollen Patienten bei der Auswahl einer Klinik unterstützen. Aber: Die Berichte sind oft mehrere hundert Seiten stark und für Laien nur schwer zu lesen. Eine Studie aus dem Jahr 2009 attestierte ihnen einen Schwierigkeitsgrad „vergleichbar mit dem philosophischer Abhandlungen“*. Hinzu kommt: Nicht alle Informationen, die für Patienten von Bedeutung sind, finden sich in den Berichten.

Ziel: Aussagekräftige Informationen, mehr Qualität

Die Weisse Liste ist schon 2008 angetreten, die Inhalte der Qualitätsberichte verständlich aufzubereiten und die Informationen sinnvoll zu ergänzen. Das Projekt will Patienten bei ihrer Entscheidung für ein passendes Krankenhaus fundiert unterstützen. Zugleich soll durch die neue Transparenz zwischen den Kliniken ein fairer Wettbewerb um die beste Qualität entstehen. Das Ziel: Dieser Wettbewerb sorgt dafür, dass die Qualität insgesamt steigt.

Dabei geht es jedoch nicht um ein "Ranking" der vermeintlich besten Krankenhäuser – die Nutzer entscheiden selbst, wie sie die Ergebnisse im Portal sortieren. Dahinter steht eine eindeutige Philosophie: Es gibt nicht die beste Klinik, sondern immer nur die indivuduell passende.

Jeder Nutzer – ob Patient, Patientenberater oder Arzt – kann in der Krankenhaussuche der Weissen Liste nach dem passenden Krankenhaus für den individuellen Fall suchen. Ein integrierter „Diagnosen-Dolmetscher“ sorgt dafür, dass die Suche auch mit allgemeinverständlichen Begriffen wie „Zucker“ funktioniert. Rund 30.000 fachliche Regeln im Hintergrund bewirken, dass der Nutzer nur die Informationen angezeigt bekommt, die für seinen Fall wichtig sind. So lässt sich etwa erkennen, wie oft und mit welcher Qualität ein Krankenhaus eine Behandlung durchgeführt hat und welche Ausstattung es vorhält.

Zudem hat die Weisse Liste in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Krankenkassen AOK und BARMER GEK eine komplett neue Datenbasis erschlossen: In einer fortlaufenden Patientenbefragung – der größten in Europa – haben allein bis Ende 2014 schon über 1,2 Millionen Patienten Auskunft zu ihren Erfahrungen im Krankenhaus gegeben.

Das Besondere ist das, was der Nutzer nicht auf den ersten Blick sieht. Tausende, stetig aktualisierte Regeln im Hintergrund sorgen dafür, dass ich aus der Flut der vorhandenen Daten die wirklich Wichtigen angezeigt bekomme.
Uwe Schwenk, Programmdirektor "Versorung verbessern - Patienten informieren"

Ziel des Projekts ist es, die Krankenhaussuche kontinuierlich weiterzuentwickeln – mit neuen, aussagekräftigen Informationen und verständlichen Ergebnisdarstellungen für Patienten.


*J. Friedemann, H.-J. Schubert, D. Schwappach: Zur Verständlichkeit der Qualitätsberichte deutscher Krankenhäuser.

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