Älterer Herr im Gespräch mit einer Pflegerin
© Weisse Liste gemeinnützige GmbH / Juliane Werner

, Konzept: Angehörigenbefragung in der stationären Altenpflege

Die Weisse Liste hat ein Instrument zur Befragung von Angehörigen zur Qualität von Pflegeheimen vorgelegt. Der vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelte Fragebogen wird erstmals in Hamburg flächendeckend zum Einsatz kommen. Der Fragebogen umfasst 61 Fragen aus sieben Qualitätsdimensionen wie beispielsweise „Selbstbestimmung“, „Personal“ oder „Essen und Trinken“. Rund 18.000 Angehörige der Bewohnerinnen und Bewohner aus 150 Einrichtungen werden befragt. Die Ergebnisse werden einrichtungsbezogen in anonymisierter Form veröffentlicht und so zu mehr Qualitätstransparenz beitragen.

Die Ergebnisse sollen Pflegebedürftigen und Angehörigen auf der Suche nach einem Pflegeheim helfen und ihnen entscheidungsrelevante Informationen geben. Der Fragebogen umfasst für Verbraucher wichtige Aspekte wie die Würde und Autonomie der Pflegebedürftigen sowie das Engagement und die Kommunikation des Personals. Die Qualitätseinschätzung der Angehörigen zu diesen Fragen ergänzt die öffentlich zugänglichen Prüfergebnisse der Behörden und des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), die vornehmlich gesundheitsbezogene Kriterien berücksichtigen.

Die Befragungsdaten sollen auch den Einrichtungen eine systematische Rückmeldung zu ihrer Arbeit bieten. Die Veröffentlichung dient mithin als Anstoß für konkrete Verbesserungen.

Die Ergebnisse sollen außerdem die Arbeit der zuständigen Aufsichtsbehörden unterstützen. Dafür werden eigens sechs Fragen zu kritischen Ereignissen wie z. B. Gewaltanwendung gestellt, die erste Anhaltspunkte für Beratung und nötigenfalls Prüfungen geben können. Da solche Aspekte für Angehörige im Einzelfall schwierig zu bewerten sind und absichtliche Falschangaben nicht gänzlich ausgeschlossen werden können, werden die Antworten auf diese Fragen nicht veröffentlicht. Damit sind die Einrichtungen vor besonders rufschädigenden, möglicherweise ungerechtfertigten Anschuldigungen geschützt.

Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Hamburg wird den Fragebogen erstmals einsetzen. Grundlage ist das Hamburger Wohn- und Betreuungsqualitätsgesetz, das eine Angehörigenbefragung vorsieht. Der Fragebogen berücksichtigt landesgesetzliche Qualitätsanforderungen und kann auch in anderen Bundesländern zum Einsatz kommen. 

Hintergrund des Engagements der Weissen Liste ist die Reform des sogenannten Pflege-TÜV. Hierzu hat die Weisse Liste konkrete Vorschläge erarbeitet, wie das heutige Qualitätsberichterstattungssystem mit den wenig aussagekräftigen „Pflegenoten“ abgelöst werden sollte (s. Weisse Liste).  Zu den wesentlichen Vorschlägen gehört auch, das Erfahrungswissen der an der Pflege Beteiligten zu erschließen und als Teil der Qualitätsberichterstattung auf Landes- und Bundesebene zu veröffentlichen.

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Publikation: Angehörigenbefragung in der stationären Altenpflege

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