Noch nie konnten so viele Menschen so schnell auf Gesundheitswissen zugreifen wie heute. Suchmaschinen, soziale Netzwerke, vor allem aber KI-Systeme eröffnen die Chance, verlässliche Informationen genau dann verfügbar zu machen, wenn Menschen gesundheitliche Entscheidungen treffen. Damit aus dieser technischen Entwicklung ein Fortschritt und kein Risiko für die Gesundheit wird, muss die Zuverlässigkeit der Informationsquellen nachvollziehbar, überprüfbar und auch für algorithmische Systeme erkennbar sein. Hier setzt InfoCure an. Wir wollen verlässliche Gesundheitsinformationen dort leichter zugänglich machen, wo ein großer Teil der Menschen danach sucht: in Suchmaschinen, Chatbots und sozialen Netzwerken.
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Trusted Health Ecosystems – InfoCure
Gute Gesundheitsinformationen helfen Menschen, fundierte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen. Im digitalen Raum müssen sie nicht nur verfügbar sein, sondern auch gefunden werden. Je größer das Informationsangebot wird, desto schwieriger ist es, vertrauenswürdige Quellen zu erkennen. InfoCure will deshalb verlässliche Quellen stärken und ihre Qualität für digitale Plattformen wie z.B. Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme erkennbar machen. Dafür entwickeln und erproben wir ein internationales Zertifizierungssystem für Gesundheitsinformationsangebote im Internet. Unser Ansatz verbindet zwei Elemente: Eine unabhängige Zertifizierung für Gesundheitsinformationsangebote und ein maschinenlesbares Vertrauenssignal. Dieses Signal enthält Informationen, die digitale Plattformen automatisch auslesen und verarbeiten können. Unser Ziel ist es, so den Zugang zu verlässlichen Gesundheitsinformationen für alle Menschen zu erleichtern.
Inhalt
Forschen, entwickeln, Gesundheit fördern
Mit der wissenschaftlichen Entwicklung und Erprobung eines Zertifizierungssystems für Gesundheitsinformationsangebote wollen wir verlässliche Quellen im digitalen Raum erkennbar und leichter zugänglich machen. So möchten wir gesundheitlichen Risiken durch Fehl- und Falschinformationen entgegenwirken und Verbraucherinnen und Verbraucher bei selbstbestimmten, informierten Entscheidungen unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei der Nutzen für die Allgemeinheit: ein digitales Informationsumfeld, das Orientierung bietet und die Gesundheit der Bevölkerung fördert.
Ein vertrauenswürdiges Informationsumfeld entsteht nicht allein dadurch, dass falsche oder schädliche Inhalte adressiert werden. Es entsteht ebenso dadurch, dass wissenschaftsbasierte, transparent produzierte und zuverlässige Informationen systematisch erkennbar, überprüfbar und leicht auffindbar werden. InfoCure verschiebt den strategischen Fokus von einer ausschließlich reaktiven Abwehr problematischer Inhalte hin zu einer aktiven Gestaltung verlässlicher Informationsräume.
Qualität prüfen, Vertrauen digital nutzbar machen
Bei der Zertifizierung wird das Qualitätsmanagement eines klar abgegrenzten Informationsangebots (z.B. eine Webseite) geprüft: Wie werden Inhalte recherchiert, fachlich geprüft, veröffentlicht und aktualisiert? Wer trägt Verantwortung, und wie wird mit Interessenkonflikten umgegangen? Während der Zertifizierung werden auch einzelne Inhalte als Stichproben überprüft, um zu sehen, ob das Qualitätsmanagement im Alltag greift. Das Zertifikat bestätigt also die Einhaltung festgelegter Mindestanforderungen – nicht die Richtigkeit jeder einzelnen Aussage.
Nach einer erfolgreichen Zertifizierung werden die geprüften Qualitätsmerkmale als maschinenlesbares Vertrauenssignal bereitgestellt. Dabei handelt es sich um einen strukturierten Zertifikatsdatensatz, den Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme automatisch auslesen und auswerten können. Ob und wie sie das tun, entscheiden die Plattformbetreiber selbst. InfoCure schafft die Voraussetzungen für mehr Sichtbarkeit, garantiert aber keine bestimmte Platzierung in den Ergebnissen von Suchmaschinen oder KI-Systemen.
Regional erproben, international skalieren
Deutschland, Österreich und die Schweiz bilden zunächst den gemeinsamen Entwicklungs- und Lernraum. In Abstimmung mit der Gesundheit Österreich GmbH und der Careum Stiftung entwickelt die Bertelsmann Stiftung einen Prototyp – von den Qualitätsindikatoren über das Zertifizierungsverfahren bis zur technischen Spezifikation des Zertifikats.
Langfristig soll ein international nutzbarer Qualitätsstandard entstehen. Dafür streben wir eine enge Zusammenarbeit mit multilateralen Organisationen an. Gemeinsame Mindestanforderungen sollen internationale Vergleichbarkeit sichern; nationale oder regionale Zertifizierungsstellen könnten die Prüfung vor Ort übernehmen und den jeweiligen sprachlichen, rechtlichen und kulturellen Kontext berücksichtigen.
Was ist InfoCure?
InfoCure entwickelt ein international angelegtes Zertifizierungssystem für digitale Gesundheitsinformationsangebote. Auf wissenschaftlicher Grundlage entstehen überprüfbare Anforderungen an deren Qualitätsmanagement. Eine unabhängige Prüfung stellt fest, ob diese Anforderungen tatsächlich erfüllt werden. Die Ergebnisse werden anschließend in ein maschinenlesbares Vertrauenssignal übersetzt, das digitale Plattformen automatisch auswerten können. Anbieter können so ihre Qualität nachweisen und digitale Plattformen erhalten zusätzliche Informationen für die Auswahl und Einordnung von Quellen. Ob daraus mehr Sichtbarkeit entsteht, entscheiden die Plattformen selbst - InfoCure garantiert keine bestimmte Platzierung in den Ergebnissen von Suchmaschinen oder KI-Systemen.
Ist InfoCure ein Qualitätssiegel?
Im Alltag begegnen uns viele Webseiten oder Produkte, die visuelle Qualitätssiegel tragen, um ihre geprüfte Qualität hervorzuheben. InfoCure ist im Unterschied dazu als digitale Vertrauensinfrastruktur für Plattformen konzipiert, nicht als visuelles Qualitätssiegel für Verbraucherinnen und Verbraucher. Im Mittelpunkt steht ein maschinenlesbares Vertrauenssignal: ein strukturierter Zertifikatsdatensatz mit differenzierten, von unabhängigen Dritten geprüften Qualitätsinformationen zu einem klar abgegrenzten Gesundheitsinformationsangebot. Statt Qualität pauschal durch ein visuelles Siegel auf einer Webseite darzustellen, werden einzelne Qualitätsmerkmale für digitale Systeme differenziert nutzbar gemacht. Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme können diese Informationen automatisch auswerten und nach eigenen Maßstäben bei der Auswahl und Einordnung von Quellen berücksichtigen.
Bei dem maschinenlesbaren Vertrauenssignal lässt sich eindeutig ausweisen, was geprüft wurde, nach welchen Kriterien, für welchen Teil eines Angebots und mit welcher Gültigkeit. Für InfoCure ist diese Abgrenzung wichtig: Ein sichtbares Qualitätssiegel könnte als Bestätigung missverstanden werden, dass das gesamte Informationsangebot einschließlich aller Inhalte geprüft wurde. Eine solche Aussage könnte InfoCure aufgrund seines Prüfmodells jedoch gerade nicht tragen.
Welche Angebote können zertifiziert werden?
Zertifiziert wird ein klar abgegrenztes digitales Gesundheitsinformationsangebot – etwa eine bestimmte Webseite, die von einer juristischen Person betrieben wird. Nicht zertifiziert werden der Anbieter als Ganzes oder einzelne Inhalte. Zu einem Angebot können mehrere Komponenten gehören. So kann eine Webseite mit einem Newsletter, einer Datenbank, einem Social-Media-Kanal, einem Podcast oder einem Chatbot verbunden sein. Aktuell werden nur redaktionell erstellte Informationskomponenten von der Prüfung erfasst. Weitere Indikatoren zu maschinell erzeugten, datenbankbasierten und nutzergenerierten Gesundheitsinformationsangeboten sind geplant.
Was genau wird bei der Zertifizierung geprüft?
InfoCure baut auf etablierten Qualitätsinstrumenten und international erarbeiteten Prinzipien auf. Daraus entwickeln wir überprüfbare Anforderungen mit klaren Nachweisen und Bewertungsregeln. Wissenschaftliche Expertise sowie Patienten- und Verbraucherperspektiven begleiten die Arbeit.
Geprüft wird das Qualitätsmanagement hinter einem Gesundheitsinformationsangebot: die Strukturen, Prozesse und Produktionsweisen, die Informationen verlässlich werden lassen. Dazu gehören beispielsweise fachliche Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Recherche- und Freigabeprozesse, der Umgang mit wissenschaftlicher Evidenz, Finanzierung und Interessenkonflikten sowie Aktualisierungsprozesse. Das Zertifikat garantiert also nicht, dass jeder einzelne Inhalt fehlerfrei ist. Es bestätigt vielmehr die Einhaltung festgelegter Anforderungen an das Qualitätsmanagement. Einzelne Inhalte werden während der Zertifizierung nur stichprobenartig herangezogen, um die Anwendung dieser Verfahren zu überprüfen.
Ein gemeinsamer Kern von Mindestanforderungen gilt für alle Gesundheitsinformationsangebote gleichermaßen. Ergänzend werden diejenigen Anforderungen geprüft, die zum jeweiligen Angebot passen: Eine redaktionelle Webseite funktioniert anders als ein KI-Chatbot, eine Datenbank oder eine Online-Community. Deshalb entwickeln wir ein adaptives Indikatorensystem, das die Vielfalt der Angebote berücksichtigt. Aktuell beschränkt sich die Prüfung allerdings noch auf redaktionell erstellte Informationen. Eine Ausweitung auf maschinell erzeugte Informationen ist in Vorbereitung.
Wie läuft eine Zertifizierung ab?
Der Anbieter beschreibt zunächst sein Informationsangebot und reicht die erforderlichen Nachweise ein. Es folgen Dokumentenprüfung, Stichproben und Auditgespräche. Die Zertifizierungsentscheidung wird unabhängig von der Person getroffen, die das Audit durchgeführt hat. Das Zertifizierungsverfahren wird derzeit noch entwickelt und erprobt. Informationsanbieter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können bereits mit der BSt Gesundheit gGmbH Kontakt aufnehmen und Interesse signalisieren.
Wie profitieren Gesundheitsinformationsanbieter von einer Zertifizierung?
Eine Zertifizierung soll Informationsanbietern einen unabhängigen Nachweis ihres Qualitätsmanagements ermöglichen, die Weiterentwicklung interner Prozesse unterstützen und die technische Anschlussfähigkeit an digitale Informationssysteme verbessern. Zugleich werden sie Teil eines gesundheitsförderlichen Informationsökosystems: Indem sie Qualität transparent und maschinenlesbar machen, tragen sie dazu bei, dass verlässliche, wissenschaftsbasierte Informationen besser erkannt und für gesundheitliche Entscheidungen genutzt werden können. Damit leisten sie einen maßgeblichen Beitrag zu Gesundheitsförderung, Verbraucherschutz und einer Stärkung des Vertrauens in verlässliche Gesundheitsinformationen.
Ob und wie Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme das Signal in ihrer Suche, ihren Empfehlungen oder KI-Antworten gewichten, entscheiden sie selbst. Eine bestimmte Reichweite oder Platzierung in den Ergebnissen von Suchmaschinen oder KI-Systemen kann InfoCure nicht garantieren. Das Zertifikat schafft jedoch eine technische Grundlage, um geprüfte Qualitätsmerkmale bei der Auswahl und Einordnung von Informationen zu berücksichtigen.
Wie können Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme InfoCure nutzen?
Das Zertifikat wird als maschinenlesbares Vertrauenssignal bereitgestellt. Dabei handelt es sich um einen strukturierten Zertifikatsdatensatz, den Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme automatisch auslesen können. Er unterscheidet verbindliche Mindeststandards von zusätzlichen Qualitätsmerkmalen. Diese Merkmale werden nicht zu einem Gesamtscore verdichtet, so dass die Plattformen sie autonom nach ihren eigenen Anforderungen gewichten können. Ein verbindlicher Zertifikatsdatensatz wird in unterschiedlichen technischen Formaten ausgeliefert. Vorgesehen sind Anschlüsse an etablierte Formate wie Schema.org/JSON-LD und W3C Verifiable Credentials.
Wie lässt sich InfoCure in anderen Ländern einführen oder erproben?
Die internationale Erprobung und Skalierung befinden sich noch in Vorbereitung. Geplant ist, den regional in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelten Ansatz gemeinsam mit Partnern auf seine Übertragbarkeit hin zu prüfen und an unterschiedliche Kontexte anzupassen. Derzeit werden die Grundlagen für eine internationale Ausweitung des Ansatzes abgestimmt. Interessierte NGOs, Public-Health-Institutionen, wissenschaftliche Einrichtungen und weitere Akteure können bereits heute ihr Interesse bekunden und unser Team kontaktieren.
Wie soll das Zertifizierungssystem global gesteuert werden?
Multilaterale Organisationen sollen helfen, die regional entwickelten Qualitätsanforderungen international zu prüfen und in ein weltweit anschlussfähiges Zertifizierungssystem zu überführen. Das Zielbild unterscheidet dabei fachliche Standardsetzung, Anerkennung von Zertifizierungsstellen, technische Standardisierung und konkrete Zertifizierung. Die einzelnen Audits und Zertifizierungsentscheidungen sollen national oder regional erfolgen. Digitale Plattformen bleiben für die Nutzung der Qualitätssignale verantwortlich. Die institutionellen Rollen und Kooperationsformen sind noch nicht abschließend vereinbart.
Wie kann unsere Organisation zur nationalen Zertifizierungsstelle werden?
Langfristig ist ein Netzwerk qualifizierter nationaler Zertifizierungsstellen vorgesehen, die nach gemeinsamen Regeln arbeiten und nationale Besonderheiten berücksichtigen. Das Anerkennungs- und Aufsichtsmodell befindet sich derzeit noch in Entwicklung. Organisationen mit Interesse an dieser Rolle können sich bereits heute an das Team der Bertelsmann Stiftung wenden und ihr Interesse bekunden.
Zur Historie des Projekts: Die Entwicklung und konkrete Ausformulierung der Vision einer nationalen Gesundheitsplattform bildete den Ausgangspunkt der hier vorgestellten Projektaktivitäten. Aus der Frage, wie verlässliche Orientierung im digitalen Informationsumfeld geschaffen werden kann, entstand schließlich ein Zertifizierungsansatz für Gesundheitsinformationsangebote. Die wissenschaftliche Entwicklung und Erprobung eines internationalen Zertifizierungssystems für digitale Gesundheitsinformationsangebote und die damit verbundene Entwicklung eines maschinenlesbaren Vertrauenssignals für digitale Plattformen bilden den heutigen Schwerpunkt der Projektarbeit. Die Konzepte, Ergebnisse und Publikationen zur Plattformvision bleiben als fachliche Grundlage und Projektdokumentation verfügbar (Trusted Health Ecosystems).
Detaillierte Informationen finden Sie im Strategischen Dossier.


