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Fit für die Zukunft? – Wege zu einem besseren Verständnis der sozialökologischen Auswirkungen von Unternehmen

Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen haben positive und negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Diese Externalitäten sind bislang kaum erfasst und in Unternehmen, aber auch für andere Stakeholdergruppen nicht steuerungsrelevant. Neue Ansätze unter dem Stichwort „Impact Measurement & Valuation“ versuchen diese Auswirkungen zu erheben und zu kommunizieren.

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Foto Jakob Christof Kunzlmann
Jakob Christof Kunzlmann
Project Manager
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Fritz Putzhammer
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Inhalt

Klimawandel, Umweltveränderungen und soziale Herausforderungen in der Gesellschaft sowie damit verbundene Regulierungen sind zunehmend relevante Entwicklungen für Unternehmen. Immer mehr Firmen beschäftigen sich mit diesen Tatsachen und versuchen, sie systematisch in strategische Entscheidungen einzubeziehen. Denn einerseits nimmt der gesellschaftliche Druck zu, die sozialen und ökologischen Auswirkungen unternehmerischer Tätigkeit offenzulegen. Andererseits werden die Risiken für Geschäftsmodelle immer größer, wenn nachhaltige Aspekte der Unternehmensführung nicht adäquat gemanagt werden – soziale und ökologische Aspekte werden also finanziell wesentlich.

In unserer neuen Studie „Fit für die Zukunft?“ untersuchen und vergleichen wir vier neue Ansätze, die das Ziel haben, den tatsächlichen Einfluss von Unternehmen, ihren Geschäftsmodellen, Produkten und Dienstleistungen auf die Gesellschaft transparent und messbar zu machen.

Um nachhaltigkeitsbezogene Ziele als zentrale Entscheidungsfaktoren in Unternehmen zu verankern, ist es nötig, die sozialen und ökologischen Auswirkungen unternehmerischen Handelns genauso gut zu verstehen wie die ökonomischen. Hierbei geht es sowohl um das Verständnis, welche Auswirkungen unternehmerisches Handeln auf die Gesellschaft trägt, als auch darum zu verstehen, was diese gesellschaftlichen Auswirkungen wiederum für das Unternehmen bedeuten. Unterschiedliche Ansätze, diese Auswirkungen zu messen, werden derzeit von unterschiedlichen Akteuren erarbeitet und getestet. Sogenannte Impact Measurement and Valuation-(IMV-)Ansätze messen und bewerten diese Auswirkungen.

Quelle: Value Balancing Alliance 2021

Das Ziel dieser IMV-Ansätze kann anhand von Abbildung 1 am Beispiel der Treibhausgasemissionen veranschaulicht werden. Hierbei wird nicht nur erhoben, wie viele Ressourcen ein Unternehmen einsetzt (Input) und wie viele Tonnen an Treibhausgasemissionen es ausstößt (Output), sondern darüber hinaus auch bewertet, welche Folgen diese Emissionen letztlich haben (Outcome), welchen Einfluss dies auf unsere Gesellschaft hat (Impact) und welche Kosten hierdurch entstehen (Value of Impacts). Auf diesem Weg messen und bewerten IMV-Ansätze sowohl die negativen als auch positiven sozialen und ökologischen Auswirkungen unternehmerischen Handelns, um so zum Schluss zu einer holistischen Einschätzung des wahren gesellschaftlichen Einflusses eines Unternehmens zu gelangen.

Die vorliegende Studie gibt einen Überblick über den Stand der Entwicklung ausgewählter IMV-Ansätze. Dafür werden vier zentrale IMV-Ansätze tiefergreifend analysiert, verglichen und in das Feld weiterer Ansätze eingeordnet. Aufbauend auf Expert:inneninterviews und einem Expert:innenworkshop identifiziert die Studie bestehende Lücken, zeigt Potenziale für die Weiterentwicklung von IMV-Ansätzen auf und gibt einen Ausblick auf mögliche nächste Schritte.

Die IMV-Forschung als Ganzes befindet sich zurzeit noch in Ihren Kinderschuhen. Dementsprechend ist sie jedoch auch nicht frei von Kritik und mehrere Teilaspekte der vorgestellten Methodik werfen kritische und ethische Fragen auf, die erst noch beantwortet werden müssen. Wie, zum Beispiel, bepreisen wir Impacts wie ein Menschenleben, Kinderarbeit oder moderne Sklaverei? Und können solche negativen Impacts wirklich mit positiven Impacts aus anderen Kategorien einfach „aufgerechnet“ werden?

Unsere Untersuchung zeigt dennoch, dass es einen großen Bedarf, sowohl aus der Wissenschaft als auch auf der Unternehmensebene, gibt, existierende IMV-Ansätze zu konsolidieren und zu standardisieren und gleichzeitig wissenschaftlich weiterzuentwickeln und zu legitimieren. Um darauf hinzuarbeiten, kritische Fragen auszuarbeiten und Impact Measurement & Valuation global und auch in Deutschland künftig zu einem effektiven und einheitlichen Werkzeug für Unternehmen zu machen, um die sozial-ökologischen Folgen ihres Handelns wesentlich zu machen, wird es einem Zusammenspiel von Unternehmen, der Wissenschaft und dem Staat bedürfen. Für Unternehmen würde dies bedeuten, ihren Fokus noch weiter dahingehend zu verschieben, auch die sozialen und ökologischen Einflüsse ihres Handelns monetär zu bewerten und holistisch in ihre Berichterstattung und Steuerung aufnehmen. Die Methoden hierfür müssen von der Wissenschaft weitergedacht und vereinheitlicht werden. Schließlich obliegt es dem Staat, gesetzliche Rahmenbedingungen zu setzen und Anreize zu schaffen, um den Wechsel der Unternehmen, hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaften und einer nachhaltigeren Berichterstattung, weiter zu incentivieren.

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