Eine Frau sitzt vor einer Grafik zum Thema "Systemic Impact Framing", die vor ihr auf dem Gras ausgebreitet ist, und macht sich dazu Notizen.

Future Economy Report: Wie Impact-Unternehmer:innen Europas künftige Wirtschaft sehen

Der Future Economy Report zeichnet ein differenziertes Bild davon, wie junge Changemaker:innen in Europa eine nachhaltigere und inklusivere Wirtschaft entwerfen – und aktiv mitgestalten wollen. Während viele die Gegenwart pessimistisch beurteilen, bleiben sie langfristig optimistisch.

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Dr. Tobias Bürger
Senior Project Manager

Inhalt

Junge Changemaker:innen sorgen sich über den aktuellen Zustand der europäischen Wirtschaft und ihre kurzfristige Entwicklung. Gleichzeitig formulieren sie eine bemerkenswert hoffnungsvolle Vision für das Jahr 2040. Das zeigt der Future Economy Report, der von der Bertelsmann Stiftung, dem EIB Institute, dem Center for Social Entrepreneurship and Social Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), jungen Changemaker:innen sowie Mitgliedern der Allianz The Possibilists konzipiert wurde und für den junge Changemaker:innen, also Impact-orientierte, junge Unternehmer:innen, in Europa befragt wurden. Ihre Aussagen deuten darauf hin, dass sich die heutigen Herausforderungen zwar akut anfühlen, sie aber weiterhin Vertrauen in Europas Fähigkeit zur systemischen Transformation haben – getragen von Nachhaltigkeit, Inklusion und neuen Maßstäben wirtschaftlichen Erfolgs.

Der Weg nach vorn

Für die nächsten zehn bis 15 Jahre äußern Changemaker:innen überwiegend vorsichtige Erwartungen an die europäische Wirtschaft. Fast die Hälfte bewertet die künftige Entwicklung als eher schlecht (37,2 Prozent) oder sehr schlecht (10,3 Prozent), gegenüber 39,1 Prozent, die eine eher gute (31,4 Prozent) oder sehr gute (7,7 Prozent) Entwicklung erwarten. Gleichzeitig geben 13,5 Prozent keine Einschätzung ab – ein Hinweis darauf, dass neben Pessimismus auch Unsicherheit eine Rolle spielt. Besonders ausgeprägt sind die Sorgen hinsichtlich der Preisstabilität sowie der Auswirkungen von KI auf Beschäftigung.

Wenn die Befragten sich Europas Wirtschaft im Jahr 2040 vorstellen, nennen sie am häufigsten Nachhaltigkeit (52,1 Prozent), alternative Erfolgsmaße jenseits des Bruttoinlandsprodukts (BIP, 46,6 Prozent) sowie stärkere Solidarität und Inklusion (41,8 Prozent). Diese drei Säulen verweisen zusammen auf ein umfassenderes Verständnis von wirtschaftlichem Fortschritt. Ihre Vision betont breite Einbindung relevanter Akteure und koordiniertes Handeln über Politik, Märkte, Institutionen und Gesellschaft hinweg. Über diese Kernprioritäten hinaus unterstreichen die Befragten die Bedeutung grenzüberschreitender Zusammenarbeit (23,3 Prozent), finanzieller Fairness und Gleichheit (18,5 Prozent) sowie Innovation – einschließlich künstlicher Intelligenz (17  bis 18 Prozent). Das deutet darauf hin, dass technologische und institutionelle Veränderungen in ihren Augen eher Ermöglicher einer transformierten Wirtschaft sind als Zwecke an sich.

Grenzen des Wachstums

Gleichzeitig identifiziert der Report die Grenzen, mit denen junge Innovator:innen heute konfrontiert sind. Das am häufigsten genannte Hindernis ist der Mangel an ausreichender Finanzierung (55,8 Prozent). Zudem beschreiben die Befragten die Belastung, mehrere Verantwortlichkeiten – darunter Arbeit, Studium und familiäre Sorgearbeit – mit dem Aufbau wirkungsorientierter Vorhaben zu vereinbaren. Das Ergebnis ist ein erhöhtes Burnout-Risiko und das Gefühl, dass das System von ihnen Resilienz verlangt, ohne die Bedingungen dafür zu schaffen, ihre Lösungen langfristig tragfähig zu machen.

Wege zu mehr Wirkung

Systemischer Wandel kann jedoch auch innerhalb von Organisationen beginnen. Changemaker:innen nutzen Organisationen, um Wirkung neu zu denken, indem sie Governance, Inhaberschaft und Unternehmenskultur als zentrale Hebel der Transformation verstehen. Mehr als die Hälfte der befragten Changemaker:innen (60 Prozent) sieht geteilte Entscheidungsfindung, stärkere Governance und eine gute Organisationskultur als besonders wirksame Instrumente und setzte diese Ansätze bereits in der Praxis um. 

Der European Future Economy Compass

Unternehmer:innen und Changemaker:innen in ganz Europa teilen eine klare und überzeugende Zukunftsvision. Der Future Economy Compass skizziert, was sie als die wichtigsten Bausteine einer stärkeren, resilienteren Wirtschaft ansehen, und benennt acht prioritäre Handlungsfelder.

  1. Nachhaltigkeit
    Eine Wirtschaft, in der Nachhaltigkeit das prägende Prinzip ist und wirtschaftliches Handeln vollständig in Gesellschaft und Natur eingebettet ist, statt von ihnen getrennt zu operieren.
  2. Neue Maßstäbe wirtschaftlichen Erfolgs
    Eine Wirtschaft, die über das BIP als primären Erfolgsindikator hinausgeht und mehrdimensionale Kennzahlen nutzt, die planetare Gesundheit, kollektives Wohlergehen, Biodiversität und sozialen Zusammenhalt priorisieren.
  3. Solidarität und Inklusion
    Eine Wirtschaft, die auf Solidarität und Inklusion beruht und in der der Zugang zu grundlegenden Bedürfnissen wie Wohnen, Gesundheitsversorgung, Bildung und Ernährung unabhängig vom Einkommen garantiert ist.
  4. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
    Eine Wirtschaft, die auf intensiver grenzüberschreitender Kooperation aufbaut, in der Länder, Städte, Unternehmen und Bürger:innen innerhalb eines digital integrierten und gerechten Binnenmarktes zusammenarbeiten.
  5. Finanzielle Gleichheit
    Eine Wirtschaft, die die Kluft zwischen Arm und Reich verringert und die faire Integration benachteiligter Gruppen in den Arbeitsmarkt sicherstellt.
  6. Künstliche Intelligenz
    Eine Wirtschaft, in der KI menschliches Wohlbefinden unterstützt, statt es zu verdrängen. In dieser Vision übernimmt KI Routine- und Verwaltungstätigkeiten und schafft so Zeit für Pflegearbeit, Kreativität, Engagement in der Gemeinschaft und demokratische Teilhabe.
  7. Innovation
    Ein Europa, das global führend in Innovation ist und seine kulturelle und geografische Vielfalt nutzt, um wegweisende und nachhaltige Geschäftspraktiken voranzubringen.
  8. Zirkularität
    Eine Wirtschaft, in der Zirkularität zur Standardpraxis wird. Produkte werden mit Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus entwickelt; Reparatur, Upgrading und Wiederverwendung werden branchenübergreifend zum Mainstream; fossile Brennstoffe werden aus der Produktion verdrängt und Emissionen bleiben niedrig.

Der Future Economy Report 2026 ist mehr als eine Momentaufnahme von Einstellungen. Er ist eine Einladung an politische Entscheidungsträger:innen, Finanzierer, Unternehmen und Unterstützungsorganisationen, die Rahmenbedingungen zu schaffen, die junge Changemaker:innen einfordern: weniger bürokratische Hürden für Sozialunternehmertum; ausgeweitete langfristige Finanzierung und Capacity Building; die Integration von Zirkularität als zentrale Geschäftspraxis sowie ein Gerüst, das demokratische Governance und alternative Eigentümerschaft erleichtert. Diese Generation ist bereit zu gestalten – sie braucht jedoch ein Ökosystem, das noch stärker Impact ermöglicht.

Der vollständige Report ist hier zu finden https://thepossibilists.org/futureeconomy

Methodik

Die Umfrage wurde gemeinsam von der Bertelsmann Stiftung, dem EIB Institute, dem Center for Social Entrepreneurship and Social Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), jungen Changemaker:innen sowie Mitgliedern der Allianz The Possibilists konzipiert. Sie kombiniert quantitative und qualitative Fragen, die zum Nachdenken anregen sollen, zugleich aber eine hohe Abschlussquote ermöglichen. Ein Council aus sieben jungen Changemaker:innen und Unternehmer:innen aus ganz Europa beriet bei der Konzeption des Fragebogens, um sicherzustellen, dass er die Realität junger Unternehmer:innen abbildet.
 

Die Studie richtete sich an junge Menschen im Alter von 16 bis 35 Jahren, die Initiativen leiten, die soziale oder ökologische Herausforderungen adressieren und deren Arbeit über das Stadium der Idee hinausgeht und bereits nachweisbare Wirkung entfaltet hat. Die Datenerhebung erfolgte zwischen dem 22. September und dem 9. November 2025. Die Umfrage erreichte zunächst 417 junge Changemaker:innen in 29 europäischen Ländern. Nach der Datenbereinigung wurden 156 valide Antworten in die Analyse aufgenommen. Die Befragten repräsentierten ein breites Themenspektrum mit einem höheren Anteil an Teilnehmer:innen in Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Spanien.