Ein intensiver Veranstaltungsherbst also – und eine gute Gelegenheit, mit IMMPACT über die eigene Bubble hinaus ins Gespräch zu kommen. Denn Wirkungsorientierung beschäftigt längst nicht nur die Impact-Szene. Auch Gründer:innen, etablierte Unternehmen, Forschende und Akteure der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik setzen sich mit der Frage auseinander, wie gesellschaftliche Wirkung entsteht, erfasst und für Entscheidungen genutzt werden kann.
© Patrick Daxenbichler - stock.adobe.com
Impact-Unternehmertum weiterdenken - im Dialog mit Wirtschaft, Forschung und Praxis
Wie kann unternehmerisches Handeln gesellschaftlichen Fortschritt ermöglichen? Und was braucht es, damit aus guten Absichten tatsächlich Wirkung wird? Diese Fragen beschäftigten Jenny Eschweiler und Cornelia Rittmeyer im Oktober gleich auf vier Veranstaltungen: beim NRW-Innovationskongress in Düsseldorf, beim Entrepreneurship Summit und einer Veranstaltung der Strategic Management Society (SMS) in Berlin sowie beim Praxisforum „Wirkungsorientierung in der Arbeitsmarktpolitik“ in Frankfurt.
Inhalt
Wirkung im Geschäftsmodell verankern
Beim Innovationskongress NRW wurde der IMMPACT Guide am Stand der Bertelsmann Stiftung vorgestellt. Cornelia Rittmeyer diskutierte zudem auf Einladung von Anthropia im Panel „Doppelte Rendite“ mit Vertreter:innen aus Unternehmertum und Finanzierung über das Zusammenspiel von wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Wirkung. Das Beispiel Shit2Power zeigte anschaulich, wie ökologische Wirkung zum Ausgangspunkt eines Geschäftsmodells werden kann: Statt Klärschlamm kostenintensiv abzutransportieren, wird er vor Ort zur Energiegewinnung genutzt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es für eine wirkungsorientierte Wirtschaft nicht nur innovative Gründungen, sondern auch Veränderungen in etablierten Unternehmen, passende Finanzierung und förderliche Rahmenbedingungen braucht.
Beim Entrepreneurship Summit in Berlin rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie Unternehmen ihren gesellschaftlichen Anspruch langfristig verankern können. Jenny Eschweiler diskutierte dazu mit Naomi Ryland, Elisabeth Pichler und Carsten Waldeck über Führung, Eigentumsstrukturen und Geschäftsmodelle. Verantwortungseigentum wurde dabei als ein Ansatz vorgestellt, um einen gesellschaftlichen Unternehmenszweck strukturell abzusichern. Eine soziale Mission allein garantiert jedoch noch keine Wirkung – entscheidend bleibt, ob die angestrebten Veränderungen tatsächlich erreicht werden. Die zahlreichen Fragen insbesondere junger Gründungsinteressierter zeigten, dass wirkungsorientiertes Unternehmertum auf Interesse stößt, aber auch ganz praktische Fragen nach wirtschaftlicher Tragfähigkeit aufwirft.
Langfristige Wirkung verstehen
Eine andere Perspektive eröffnete die internationale SMS-Veranstaltung zur sozialen Mobilität. Hier traf IMMPACT auf eine stark in Wissenschaft und Managementausbildung verankerte Community. Jenny Eschweiler diskutierte mit Vertreter:innen aus Forschung und Gründungsökosystem darüber, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und unternehmerische Praxis besser ineinandergreifen können.
Dabei ging es auch um die Grenzen unseres bisherigen Wissens: Was wissen wir darüber, wie Impact-Unternehmen die Lebenswege und Chancen ihrer Zielgruppen langfristig beeinflussen? Können sie über ihre unmittelbaren Angebote hinaus gesellschaftliche Strukturen verändern? Und führt bessere Wirkungskompetenz tatsächlich zu besseren Entscheidungen und einem wirksameren Ressourceneinsatz? Fragen, die auch für die Weiterentwicklung des IMMPACT Guide und unsere Forschungsarbeit relevant sind.
Wirkungsorientierung in der Arbeitsmarktpolitik
Bei der Jahrestagung „Wirkungsorientierung in der Arbeitsmarktpolitik“ in Frankfurt am Main brachte Cornelia Rittmeyer die Erfahrungen der Bertelsmann Stiftung mit zwei Social-Impact-Bond-Pilotprojekten ein. Als wirkungsorientierte Finanzierungsinstrumente eröffnen Social Impact Bonds (SIBs) der öffentlichen Hand neue Handlungsspielräume. International wurden sie unter anderem zur Erprobung neuer Ansätze in der Arbeitsmarktintegration eingesetzt, in Deutschland haben sie sich bislang jedoch nicht weiterverbreitet.
Die Diskussionen zeigten, wie anspruchsvoll es ist, soziale Maßnahmen wirkungsorientiert zu gestalten und zu steuern. Bereits die Frage, was als Wirkung gilt und wer diese definiert, erfordert eine Verständigung zwischen den beteiligten Akteuren. Die veranstaltenden Verbände und Träger betonten, dass sie diesen Prozess aktiv mitgestalten wollen. Hinzu kommen methodische Fragen: Welche Indikatoren eignen sich, um Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu beurteilen? Und welche Vergleichsmaßstäbe sind angesichts unterschiedlicher Ausgangslagen sinnvoll? Vor allem aber sollte Wirkungsorientierung als Instrument für Lernen und Qualitätsentwicklung verstanden werden – nicht allein als Mittel zur Kontrolle.
Was nehmen wir mit?
So unterschiedlich die Veranstaltungen und Perspektiven waren, ein gemeinsamer Gedanke zieht sich durch: Wirkungsorientierung bedeutet, gesellschaftliche und ökologische Ziele bewusst zu verfolgen, ihre Erreichung systematisch zu überprüfen und die gewonnenen Erkenntnisse für bessere Entscheidungen und die Weiterentwicklung von Angeboten und Geschäftsmodellen zu nutzen. Welche Ziele und Indikatoren sinnvoll sind, hängt dabei vom jeweiligen Kontext ab und sollte gemeinsam mit den relevanten Akteuren bestimmt werden.
Genau hier setzt der IMMPACT Guide an. Als gemeinsamer Referenzrahmen für Gründer:innen und Investor:innen bietet er einen einfachen Einstieg in Wirkungsmessung und -management. Zugleich nehmen wir aus den Diskussionen neue Fragen und Impulse für unsere Arbeit mit – insbesondere dazu, wie Wirkungskompetenz, unternehmerische Praxis, Forschung und förderliche Rahmenbedingungen besser zusammenspielen können.


