Ein Waldgebiet aus der Vogelperspektive fotografiert, durch welches ein Fluss fließt

Impact Investing gewinnt an Bedeutung – die Skalierung bleibt die zentrale Herausforderung

Wie kann privates Kapital stärker zur Finanzierung gesellschaftlicher Transformation beitragen? Diese Frage gewinnt angesichts wachsender Investitionsbedarfe für Klimaschutz, Bildung, Gesundheit, Innovation und andere gesellschaftliche Zukunftsaufgaben an Bedeutung. Der neue „German Impact Investing Survey“ des Bundesverbands Impact Investing (BVII) gibt Einblicke in die Entwicklung des deutschen Impact-Investing-Marktes und die Hürden seines weiteren Wachstums. 

Für die Studie wurden 142 Akteure des deutschen Impact-Investing-Ökosystems befragt – darunter Vermögensverwalter (Asset Manager), Kapitaleigentümer wie hochvermögende Personen oder Stiftungen (Asset Owner), Investmentberater:innen und Sozialunternehmen. Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines Marktes, der weiter an Reife gewinnt, dessen Wachstum jedoch vor strukturellen Herausforderungen steht.

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Cornelia Rittmeyer
Senior Project Manager
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Dr. Jennifer Eschweiler
Project Manager

Inhalt

Rendite und Wirkung werden zunehmend gemeinsam gedacht

Viele Marktteilnehmer:innen betrachten Impact Investing inzwischen als glaubwürdigen Anlageansatz. Mehr als 70 Prozent der befragten Investor:innen erwarten marktübliche Renditen oder mehr. Viele berichten zudem, dass sie ihre finanziellen (64 Prozent) und wirkungsbezogenen Ziele (79 Prozent) erreichen oder übertreffen. Impact Investing etabliert sich damit weiter als Anlageansatz, der gesellschaftliche Problemlösung und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbindet.

Die Herausforderungen unserer Zeit erfordern neue Wege der Finanzierung. Impact Investing hilft dabei, öffentliche und private Ressourcen für gesellschaftliche Herausforderungen wirksam zusammenzuführen und Wirkung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und langfristige Transformation gemeinsam zu denken.

Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung

Der Markt wächst – die Allokationen bleiben klein

Trotz der positiven Entwicklung bleibt der Anteil von Impact Investments am gesamten verwalteten Vermögen der Befragten gering. Die in der Befragung erfassten Impact Assets under Management (AuM) belaufen sich auf rund 12,5 Milliarden Euro. Ihr Anteil an den insgesamt berichteten Vermögen beträgt damit rund 0,85 Prozent. Die Investitionen verteilen sich inzwischen auf verschiedene Anlageklassen. Private Equity bleibt mit 28 Prozent die wichtigste Anlageklasse, daneben spielen Venture Capital, Private Debt und Infrastrukturinvestitionen eine bedeutende Rolle. Die Studie weist allerdings auf eine wichtige Einschränkung hin: Große institutionelle Investor:innen, wie Versicherungen und Pensionskassen, und Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen sind in der Stichprobe unterrepräsentiert. Die tatsächlichen Impact-Investitionen in Deutschland dürften daher höher liegen als die ausgewiesenen Werte.

Für die Dynamik spricht auch, dass zwei Drittel der befragten Marktteilnehmer:innen planen, ihre Impact-Investitionen in den kommenden fünf Jahren auszubauen. Die Akzeptanz des Ansatzes wächst also, auch wenn die Skalierung bislang nur langsam vorankommt. Um den Ansatz breiter im Kapitalmarkt zu verankern, braucht es vor allem mehr Transparenz, verlässlichere Daten und die stärkere Einbindung institutioneller Investor:innen. Über die Finanzierung hinaus benötigen wirkungsorientierte Unternehmen allerdings auch Netzwerke, strategische Unterstützung und Marktanbindung.

Wirkungsmessung und Regulierung prägen die weitere Entwicklung

Viele Befragte sehen die fehlende Standardisierung von Impact Measurement and Management (IMM), die begrenzte Verfügbarkeit von Wirkungsdaten und regulatorische Unsicherheiten als zentrale Herausforderungen für die weitere Entwicklung des Marktes. Für aktive Impact-Investor:innen stehen damit vor allem Fragen der praktischen Umsetzung und Skalierung im Vordergrund. Anders stellt sich die Situation für Organisationen dar, die bislang nicht in Impact Investing investieren. Sie nennen vor allem unklare Definitionen und fehlende Standardisierung als Einstiegshürden. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht die fehlende begriffliche Klarheit als wesentliches Hindernis für einen Markteintritt.

Die Ergebnisse legen damit nahe, dass der Markt vor zwei unterschiedlichen Aufgaben steht: Während neue Akteure vor allem Orientierung benötigen, brauchen aktive Impact-Investor:innen bessere Daten, Standards und Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum. Entsprechend aufmerksam verfolgen viele Marktteilnehmer:innen die Diskussion um die Weiterentwicklung der europäischen Sustainable-Finance-Regulierung. Mit SFDR 2.0 verbinden viele die Hoffnung auf klarere Definitionen und mehr Orientierung für Investor:innen. Dies könnte insbesondere dazu beitragen, die bislang oft unscharfe Abgrenzung von Impact Investing zu anderen nachhaltigen Anlagestrategien zu verbessern.

Standards, Transparenz und Vernetzung stärken

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die weitere Entwicklung des Marktes vor allem von klaren regulatorischen Rahmenbedingungen, einer stärkeren Standardisierung von Wirkungsmessung und -management sowie einer breiteren Einbindung institutioneller Investor:innen abhängen wird. Der BVII will diese Themen gemeinsam mit Akteuren aus Finanzwirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft weiter vorantreiben und den Austausch über gemeinsame Standards und Marktpraktiken stärken.

Die Bertelsmann Stiftung begleitet die Entwicklung von Impact Investing seit vielen Jahren. Mit der Förderung des Surveys trägt sie dazu bei, Transparenz über Marktpraktiken, Entwicklungen und Herausforderungen zu schaffen und die Wissensbasis für die Weiterentwicklung des deutschen Impact-Investing-Marktes zu stärken. 

Darüber hinaus unterstützt sie gemeinsam mit dem BVII und weiteren Partnern mit dem IMMPACT Guide die Entwicklung eines praxisnahen Referenzrahmens für Wirkung, der Investor:innen und weiteren Akteuren des Gründungsökosystems Orientierung bieten soll.

Studie