Fertigungsprozess wird mit einem Smartphone kontrolliert

, Policy Brief: Globalisierung, Digitalisierung und ungleiche Einkommen

Globalisierung und Digitalisierung haben in den letzten drei Jahrzehnten zu einem erheblichen Wirtschaftswachstum geführt. Gleichzeitig sind Arbeitsplätze aus Industrieländern in Niedriglohnländer gewandert und die Einkommensunterschiede in den Industrieländern größer geworden. Zukünftig werden sich die globalen Produktionsprozesse infolge der Digitalisierung noch schneller verändern.

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Eine der tiefgreifenden Folgen der beiden Megatrends Digitalisierung und Globalisierung ist die zunehmende Einkommensungleichheit. Einerseits führen sie zu einer Senkung der Kosten in der Produktion und im Handel. Andererseits erhöhen sie den internationalen Wettbewerbsdruck und den Druck auf die Produktionskosten, vor allem aber auch auf die Löhne.

Weil die Produktion durch den zunehmenden Technologieeinsatz fortlaufend kapitalintensiver wird, nimmt das Verhältnis des Faktors Sachkapital zu menschlicher Arbeit in entwickelten Industrieländern ständig zu. Der verstärkte Einsatz von Kapital steigert auch die Produktivität der Arbeitskräfte erheblich. Dies bedeutet gleichzeitig, dass eine wachsende Menge von Gütern und Dienstleistungen mit immer weniger Arbeitskräften hergestellt werden kann. Der tendenzielle Bedeutungsverlust der Arbeit verhindert einen Anstieg der Löhne.

Die weltweite wirtschaftliche Verflechtung aller Volkswirtschaften untereinander (ökonomische Globalisierung) und der verstärkte Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in sämtlichen Bereichen des menschlichen Lebens (Digitalisierung) verstärken sich gegenseitig.

Lohnanstieg relativiert sich durch Preisentwicklung

Exemplarisch lassen sich diese Entwicklungen am Beispiel Deutschlands verdeutlichen: Das reale Bruttoinlandsprodukt ist zwischen 1991 und 2013 um 31,6 Prozent gestiegen. Und die Produktivität je Erwerbstätigenstunden wuchs um fast 38 Prozent. Gleichzeitig aber nehmen vor allem die Einkommen aus Kapital und Vermögen zu. Zwar stiegen die nominalen Löhne in Deutschland seit 1991 an. Wird allerdings die gesamtwirtschaftliche Preisentwicklung hinzugenommen, so zeigt sich, dass die durchschnittlichen Reallöhne 2013 nur geringfügig über dem Niveau von 1991 lagen. Die realen Zuwächse beim Bruttoinlandsprodukt kamen also nicht in Form höherer Arbeitsentgelte bei den Erwerbstätigen an.

Globalisierung und Digitalisierung führen in entwickelten Industrienationen über weitere Kanäle zu einem Anstieg der Einkommensungleichheit:

  • die technologisch bedingte Freisetzung von Arbeitskräften führt zu einer Einkommensungleichheit zwischen Erwerbstätigen und Erwerbslosen
  • die Verlagerung von arbeitsintensiven Produktionsprozessen in Niedriglohnländer vergrößert die Lohnungleichheiten zwischen gering und hoch qualifizierten Erwerbstätigen
  • der grenzüberschreitende Handel führt zu Lohnunterschieden zwischen Beschäftigten in Unternehmen, die exportieren und importieren, und Beschäftigten in Unternehmen, die sich nicht am internationalen Handel beteiligen.

Wird sich diese Entwicklung fortsetzen oder ist eine Wende bereits erkennbar? Die „digitale Verdrängung der Arbeitskraft“, „Insourcing“ und die Wandlung „vom Konsumenten zum Prosumenten“ sind nur einige Schlagworte, die weitere sich anbahnenden Veränderungen skizzieren. Unser aktueller Policy Brief „Globalisierung, Digitalisierung und Einkommensungleichheit“ beschreibt zentrale wirtschaftliche Konsequenzen, die sich aus dem Zusammenspiel von Globalisierung und Digitalisierung bisher ergeben haben und die zukünftig zu erwarten sind.

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