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Wie Europa wieder mehr Unternehmen an die Börse bringt

Europa verliert das Rennen um die Börsengänge. Während in den USA in jüngster Zeit hochkarätige Börsengänge zu verzeichnen waren, gab es in Europa nur wenige vergleichbare Börsengänge. Dabei würde eine Stärkung der europäischen Aktienmärkte sowohl den einzelnen Unternehmen als auch Europa als Ganzem nützen. Wie dies gelingen könnte, erläutern wir in einem neuen Policy Paper.

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Claudia-Dominique Geiser

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Europa steht vor einer „Scale-up-Lücke“: Zwar entstehen hier viele innovative Start-ups, doch haben diese Schwierigkeiten, europaweit zu wachsen und Zugang zu Kapital zu erhalten, wenn sie in die entscheidende Wachstumsphase eintreten. Die Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität Europas hängen davon ab, ob es gelingt, diese Lücke zu schließen und Unternehmen im eigenen Land zum Wachstum zu verhelfen.

Dazu benötigt der Kontinent starke öffentliche Aktienmärkte, die wachsenden Unternehmen den Zugang zu Kapital zur Finanzierung ihrer Expansion ermöglichen. Die europäischen öffentlichen Märkte hatten jedoch in den letzten zehn Jahren mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Zahl der neuen Börsengänge in Europa liegt deutlich hinter der der Vereinigten Staaten zurück, und ihr Wert ist erheblich gesunken. Mehrere der vielversprechendsten Unternehmen Europas haben sich für einen Börsengang in den USA entschieden.

Drei Schwachstellen erklären den schlechten Zustand der europäischen Aktienmärkte:

  • Erstens: Obwohl in Europa reichlich Ersparnisse vorhanden sind, wird zu wenig in Aktien investiert. Rund 10 Billionen Euro des Vermögens der EU-Haushalte liegen in risikoarmen, renditeschwachen Bankeinlagen.
  • Zweitens sind die europäischen Aktienmärkte stark fragmentiert: Mehr als 30 Börsen teilen sich die Liquidität auf.
  • Drittens ist der Anteil großer europäischer Börsengänge (IPOs) an Börsen zu gering – dies verringert die Liquidität und schreckt jene Art von institutionellem Kapital ab, das in den USA für bedeutende Investitionen sorgt.

Das ist für Europa von Bedeutung: Wenn die erfolgreichsten Unternehmen des Kontinents anderswo an die Börse gehen, verlieren die europäischen Aktienmärkte Firmen, die zusätzliches Kapital anziehen und das Ansehen der europäischen Märkte steigern können. Während europäische Börsengänge nach wie vor zu klein ausfallen, könnte eine Stärkung der öffentlichen Aktienmärkte genau diese Unternehmen besser unterstützen: Kleine Unternehmen sind mit höheren Finanzierungskosten und geringeren Möglichkeiten für einen Börsengang im Ausland konfrontiert und profitieren besonders von dynamischen Börsen. Europäische Börsengänge fördern zudem die wirtschaftliche Souveränität, indem sie Unternehmen dabei helfen, sich zu globalen Wettbewerbern zu entwickeln, und ihnen eine Alternative zu ausländischen Übernahmen und Börsengängen bieten.

Anstatt auf Abkürzungen wie die Senkung der Börsenzulassungsanforderungen oder die Schaffung einer einheitlichen europäischen Börse zu setzen, sollten sich die EU und die Mitgliedstaaten daher auf drei Bereiche konzentrieren:

  • Durch Rentenreformen und verstärkte Privatanlegerinvestitionen sollte mehr Vermögen der privaten Haushalte in Aktien fließen. Größere Kapitalpools würden die Bewertungen und die Liquidität verbessern und den Unternehmen mehr Finanzmittel für ihr Wachstum zur Verfügung stellen.
  • Abbau der Fragmentierung, um die marktorientierte Integration der Aktienmärkte in ganz Europa zu fördern und deren Liquidität und Effizienz zu verbessern. Dies wird dann dazu beitragen, größere Börsengänge anzuziehen und zu halten. Die politischen Entscheidungsträger sollten einen neuen paneuropäischen Wachstumsmarkt für vielversprechende, junge Unternehmen in Betracht ziehen.
  • Förderung eines stärkeren Pools von Unternehmen, die bereit sind, sich in Europa an die Börse zu begeben. Das bedeutet, den Binnenmarkt zu vollenden, um das Wachstum von Unternehmen in Europa zu sichern, das Wachstumskapital für Unternehmen in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen auszuweiten und Anreize für größere, qualitativ hochwertigere Börsengänge zu schaffen.

Zusammen würden diese Reformen dazu beitragen, den europäischen Markt für Börsengänge wiederzubeleben und Gründern sowie Investoren bessere Ausstiegsmöglichkeiten zu bieten. Ein dynamischerer Markt für Börsengänge würde weit mehr bewirken als nur wirtschaftliche Gewinne zu generieren: Er würde die europäische Souveränität stärken, indem er es Unternehmen in strategischen Sektoren ermöglicht, in Europa zu wachsen, und eine Alternative zu unerwünschten ausländischen Übernahmen oder Börsengängen im Ausland bietet.

Policy Paper