Waben mit USA und EU

Sechs Monate nach den US-Sicherheits- und Verteidigungsstrategien: Europas Umgang mit US-Volatilität und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen

Sechs Monate nach der Veröffentlichung der US-amerikanischen National Security Strategy (NSS) und National Defense Strategy (NDS) sieht sich Europa mit einem volatileren und fragmentierteren politischen Umfeld in den USA konfrontiert. Die Herausforderung besteht darin, Europas Resilienz zu stärken und gleichzeitig die transatlantische Zusammenarbeit dort zu bewahren, wo weiterhin gemeinsame Interessen bestehen.

Foto Brandon Bohrn
Brandon Bohrn
Foto Peter Walkenhorst
Peter Walkenhorst

Inhalt

Die Veröffentlichung der US-Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS) im Dezember 2025 und der Verteidigungsstrategie (NDS) im Januar 2026 markierte einen wichtigen Wendepunkt in den transatlantischen Beziehungen. Gemeinsam stellen die beiden Strategiedokumente die erste offizielle Kodifizierung der europapolitischen Prioritäten der zweiten Trump-Regierung dar. Die NSS geht dabei über die bekannten Forderungen der USA nach höheren Verteidigungsausgaben und einer stärkeren Lastenteilung hinaus und schlägt stellenweise einen offen konfrontativen Ton gegenüber der EU und der politischen Entwicklung Europas an. Ihre Darstellung von Souveränität, Regulierung, Migration, Demokratie und zivilisatorischer Identität lässt die EU weniger als Partner erscheinen, sondern vielmehr als politisches und wirtschaftliches Modell, das die USA verändern möchten. Die NDS verstärkt diesen Kurswechsel, indem sie auf eine selektivere amerikanische Verteidigungspolitik und einen stärkeren Druck auf Europa hinweist, mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit und Verteidigung zu übernehmen.

Sechs Monate später bleibt die US-Politik jedoch trotz dieser Strategiedokumente unvorhersehbar, widersprüchlich und fragmentiert. Prioritäten der Regierung, haushaltspolitische Realitäten, Einschränkungen durch den Kongress sowie ad hoc getroffene Entscheidungen des Präsidenten wirken häufig in unterschiedliche Richtungen. Europas Herausforderung besteht daher nicht allein in einem selbstbewussteren Amerika, sondern in einem strukturell volatileren und fragmentierteren politischen Entscheidungsumfeld in den USA, das gleichzeitig Unsicherheiten in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Politik erzeugt.

Europas gemeinsame Antwort sollte sich auf drei Prioritäten konzentrieren:

  1. Gemeinsame europäische rote Linien und glaubwürdige Reaktionsmechanismen definieren.
  2. Europas strategische Resilienz stärken und gleichzeitig die transatlantische Zusammenarbeit dort bewahren, wo weiterhin gemeinsame Interessen bestehen.
  3. Das europäische Engagement in der gesamten US-amerikanischen Politiklandschaft ausweiten.