Zwei Roboter stehen sich gegenüber
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, Studie: Was Chinas Industriepolitik für die deutsche Wirtschaft bedeutet

Mit der Initiative „Made in China 2025“ will die Volksrepublik China zu einer führenden Technologienation werden. Für die deutsche Exportindustrie ist das eine ernste Herausforderung. Eine neue Studie zeigt: Je erfolgreicher China seine Strategie umsetzt, umso schwieriger für Deutschland.

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Mit der 2015 gestarteten industriepolitischen Initiative „Made in China 2025“ hofft die Volksrepublik China, zu einer führenden Technologienation zu werden. Zu den ausgewählten Hightech-Industrien gehören auch Branchen, in denen deutsche Firmen traditionell stark und die für die Exportnation Deutschland von großer Bedeutung sind, unter anderem der Maschinenbau.

Was bedeutet es für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn China seine Pläne tatsächlich ganz oder zumindest teilweise erfolgreich verwirklicht? Zur Beantwortung dieser Frage entwickelt diese Studie Szenarien am Beispiel des deutschen Maschinenbaus, basierend auf Projektionen und Modellrechnungen.

Untersucht wurden fünf Szenarien. Die zentralen Einflussfaktoren waren dabei das Wachstum des chinesischen Maschinenbaumarktes und das Maß, in dem der chinesische Maschinenbau technologisch aufholt („Technology Catch-up“). Das Modell und die Berechnungen erstellten Expert:innen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI.

Die Simulation der möglichen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Strategie „Made in China 2025“ zeigt große Unterschiede für die deutschen Maschinen- und Anlagenbauunternehmen:

  • Das Baseline-Szenario geht von einer teilweisen Erfüllung der „Made in China 2025“-Ziele aus. In diesem Szenario kann der deutsche Maschinenbau in den kommenden Jahren einen weiteren Anstieg der Exporte nach China erwarten. Ab 2025 stagnieren die Exporte dann allerdings.
  • Zwei Szenarien beschreiben, welche Folgen ein voller Erfolg von „Made in China 2025“ haben könnte. Hier ist mit einem signifikanten Rückgang deutscher Maschinen- und Anlagenexporte bis ins Jahr 2030 zu rechnen (Exportvolumen 2030: 13 Milliarden Euro gegenüber 18 Milliarden Euro in 2019).  Die Rückgänge wären insbesondere in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts zu erwarten.
  • Zwei Szenarien zeigen, wie sich ein Misserfolg der Industriestrategie auswirken könnte. Nur in diesen Szenarien kann der deutsche Maschinen- und Anlagenbau mit einem langfristig starken Wachstum der Exporte nach China rechnen. So sind Entwicklungen möglich, die bis 2030 fast zu einer Verdopplung des Exportvolumens gegenüber dem Vergleichsjahr 2019 führen können (34 Milliarden Euro gegenüber 18 Milliarden Euro in 2019).

Bei einer erfolgreichen Umsetzung von „Made in China 2025“ steuern Deutschland und China also nicht auf eine Win-win-Situation hin. Die Berechnungen zeigen zudem: Je mehr Erfolg China mit seiner Industriepolitik hat, umso mehr Maschinen und Anlagen exportiert China auch in Drittländer.

Für die deutsche Wirtschaft könnte die ausschließliche Fokussierung auf eine Teilhabe am wirtschaftlichen Wachstum Chinas mit großen Abhängigkeiten und rückläufigen Exporten einhergehen.

Aus den Ergebnissen ergeben sich für Unternehmen und Politik folgende Handlungsbedarfe:

  • Unternehmen, aber auch Verbände und Politik sind gefordert, sich mit ordnungspolitischen und industriepolitischen Rahmenbedingungen in China und in Europa aktiv auseinanderzusetzten, um die Entwicklung in den nächsten Jahren aktiv zu gestalten. Ein besonderer Fokus sollte dabei auf der Diversifizierung von Märkten liegen.
     
  • Eine resiliente Strategie gegenüber China benötigt ein abgestimmtes europäisches Handeln. Noch besser wäre zusätzlich die Koordinierung mit den USA.
     
  • Eine resiliente Strategie muss sich über alle wirtschaftspolitischen Handlungsfelder erstrecken, darunter Handelspolitik, Investitionspolitik, Normen und Standards sowie Wissenschaft und Forschung.

Der Maschinen- und Anlagenbau wurde für diese Studie ausgewählt, weil er mit seiner Größe, seiner mittelständischen Struktur und seiner Verflechtung mit vielen anderen Branchen für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine Schlüsselindustrie darstellt. Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen von „Made in China 2025“ auf den Maschinenbau ermöglichen somit Rückschlüsse auch für andere Industriezweige in Deutschland geben. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) unterstützte die Studie inhaltlich.

Methodisch nicht erfassen kann die Studie die Aktivitäten deutscher Maschinenbauunternehmen an ihren Standorten in China. Für viele Firmen spielen diese eine wichtige Rolle; es gibt dazu aber keine Daten. In China hergestellte Maschinen deutscher Firmen werden in dieser Studie deshalb als chinesische Produkte gewertet. 

Die Szenarien sind nicht als konkrete Zukunftsvorhersagen zu verstehen. Sie beschreiben, welche Entwicklungen für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau vorstellbar sind, und helfen bei der Entwicklung von Strategien, wie Politik und Unternehmen unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen agieren könnten.

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Publikation: Was Chinas Industriepolitik für die deutsche Wirtschaft bedeutet

Mit der Initiative „Made in China 2025“ will die Volksrepublik China zu einer führenden Technologienation werden. Für die deutsche Exportindustrie ...

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