Partei BJP und Shiv Sena
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, Black Coffee Morning: Die Herausforderungen nationalistischer Bewegungen in Indien und Europa

Im Rahmen des Black Coffee Morning, organisiert vom European Council on Foreign Relations (ECFR) und der Bertelsmann Stiftung, diskutierten am 25. April 2016 Journalisten aus Indien mit Vertretern deutscher Think-Tanks die Herausforderungen nationalistischer Bewegungen in Indien und Europa. Welchen Ursprung haben nationalistische Kräfte? Was treibt sie an? Und welche Rolle nehmen Medien dabei ein?

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Sven Hansen, Journalist bei der TAZ, geht zu Beginn auf die historischen und gegenwärtigen Entwicklungen nationalistischer Bewegungen in Europa ein. Diese erfahren in Folge der Flüchtlingswelle in Ländern wie Frankreich, Österreich und Deutschland wieder mehr Zulauf. Das Erstarken islamfeindlicher und anti-europäischer Parteien, wie die Alternative für Deutschland (AfD) und Front National, spiegeln diese Entwicklungen wider. Gründe dafür, so Hansen, sind vor allem der Mangel einer gemeinsamen Wertekultur in der EU-Gemeinschaft sowie ein unzulängliches Mitspracherecht der Bürger im EU-Parlament. Außerdem, führt Hansen aus, fühlt sich zunehmend nicht nur die Arbeiterklasse sondern auch die europäische Mittelklasse verunsichert, was ihre wirtschaftliche Situation betrifft.

Anschließend erläutert Frau Sunaina Kumar, Senior Assistant Editor der indischen Tageszeitung Indian Express, die historische Perspektive des Nationalismus in Indien. Dieser, so meint sie, wird in Indien mehrheitlich als Symbol der Freiheit gewertet, da nationalistische Kräfte dem indischen Volk in Zeiten der Unabhängigkeitsbewegung 1947 verhalfen die britische Kolonialherrschaft zu beenden. Seit dem Amtsantritt von Modi und der hindu-nationalistischen Partei BJP im Jahr 2014, werden zunehmend nationalistische Kräfte instrumentalisiert, um den Unmut und die Enttäuschung in der Bevölkerung über Modis nur mäßig erfolgreiche Reformagenda zu reduzieren. Die gegenwärtigen Entwicklungen, nämlich die zunehmende politische Polarisierung zwischen der Hinduistischen Bevölkerung und anderen religiösen Minderheiten sind, laut Kumar, besorgniserregend.

Herr Subodh Ghildiyal, Senior Assistant Editor bei der indischen Tageszeitung The Times of India, geht in seinem Kurzvortrag stärker auf die Unterschiede der zwei Formen von Nationalismus in Indien und Europa ein. Im Gegensatz zu Deutschland, so der Journalist, sind in Indien nationalistische Kräfte weniger politisch als religiös motiviert und reichen bis in die britische Kolonialzeit und in die Mogul-Zeit unter den muslimischen Herrschern in Indien zurück. Dass die historischen Wurzeln noch heute Einfluss auf das Zusammenleben religiöser Gruppierungen in Indien haben, zeigen die zahlreichen Gewalttaten zwischen Hindus und Muslimen seit den 50er Jahren. Der Journalist bestätigt, dass diese Form von Nationalismus mit dem Amtsantritt von Modi wieder mehr politische Dimension annimmt und zu einer zunehmenden Polarisierung der indischen Gesellschaft führt.

In der anschließenden Fragerunde wurde vor allem die Rolle der Medien in Indien und Deutschland hinsichtlich nationalistischer Bewegungen diskutiert. Mit Modis Amtsantritt, so Kumar, hat sich die Medienlandschaft spürbar verändert. Vor allem englischsprachige TV-Beiträge in Indien haben sich im Laufe der Zeit ins Negative verkehrt. Anstatt als objektive Berichterstatter zu fungieren und Dialoge zu fördern, propagieren diese mehrheitlich die politischen Inhalte der hindu-nationalistischen Partei BJP und tragen erheblich zur Polarisierung gesellschaftspolitischer Debatten bei. Printmedien hingegen, sind moderater und noch eher bemüht die Balance zwischen den politischen Lagern zu halten, so die Journalistin.

Hansen weist im Fall von Deutschland ebenfalls auf die schwierige Beziehung zwischen Politik und Medien hin. Einerseits fühlen sich manche politischen Gruppierungen in der medialen Öffentlichkeit nicht stark genug vertreten, wie das Phänomen der „Lügenpresse“ aufzeigt. Andererseits ist auf Seiten der Politik ein gewisses Misstrauen gegenüber den Medien zu beobachten. Hansen räumt ein, dass sich in dieser Hinsicht, beide Seiten aneinander annähern und sich den Problemen stellen müssen.    

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