Die nun veröffentlichten Langfassung der Studie „Deutschland und Israel heute. Zwischen Stabilität und Spannung“ vertieft die Analyse der gegenseitigen Wahrnehmungen, ergänzt neue Ergebnisse zu Demokratie, bilateralen Beziehungen und Antisemitismusbekämpfung und ordnet die Entwicklungen umfassender in den gesellschaftlichen und politischen Kontext ein. Grundlage ist eine repräsentative Doppelbefragung von 1.346 Menschen in Deutschland und 1.367 Menschen in Israel, die zwischen dem 24. Februar und dem 25. März 2025 durchgeführt wurde.
Trotz der historischen Verbundenheit und der offiziellen Freundschaft zwischen Deutschland und Israel zeigen die Ergebnisse der repräsentativen Befragung: Die gegenseitigen Wahrnehmungen driften auseinander. 60 Prozent der Israelis haben ein gutes oder sehr gutes Bild von der Bundesrepublik. In Deutschland hingegen äußern nur noch 36 Prozent eine positive Meinung über Israel, während 38 Prozent Israel negativ bewerten – ein spürbarer Stimmungswandel im Vergleich zur letzten Erhebung 2021, als noch 46 Prozent Israel positiv gegenüberstanden.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Bewertung der Regierungen: Während fast 60 Prozent der Deutschen die aktuelle israelische Regierung negativ beurteilen, äußern sich nur 17 Prozent der Israelis negativ über die deutsche Bundesregierung.
Demokratie bleibt gemeinsame Grundlage – doch die Zufriedenheit sinkt
Die Studie zeigt, dass die Demokratie in beiden Gesellschaften weiterhin breit unterstützt wird: 86 Prozent der Deutschen und 83 Prozent der Israelis stimmen der Aussage zu, dass Demokratie die beste Staatsform sei. Deutlich geringer fällt allerdings die Zufriedenheit mit der gelebten Demokratie aus. In Deutschland zeigen sich 57 Prozent der Befragten zufrieden mit der Demokratie, wie sie hierzulande besteht; in Israel sind es nur 44 Prozent.
Damit wird deutlich: Deutschland und Israel teilen weiterhin ein grundsätzliches demokratisches Selbstverständnis. Zugleich nehmen gesellschaftliche Spannungen, politische Polarisierung und Zweifel an der praktischen Ausgestaltung demokratischer Ordnung in beiden Ländern zu.
Erinnerung an Holocaust wird weiterhin als wichtig angesehen
Die Umfrage verdeutlicht zudem: Das Verständnis für die historische Verantwortung Deutschlands unterscheidet sich deutlich. In Israel sehen 64 Prozent der Befragten Deutschland in einer besonderen Verantwortung – sowohl für das jüdische Volk als auch für den Staat Israel. In Deutschland hingegen stimmen nur rund ein Drittel einer Verantwortung für das jüdische Volk zu, lediglich ein Viertel erkennt eine besondere Verpflichtung gegenüber dem Staat Israel an.
Dennoch bleibt die Erinnerung an die Shoah ein wichtiger Bezugspunkt im öffentlichen Bewusstsein: 48 Prozent der Deutschen befürworten, dass die Erinnerung an den Holocaust weiterhin eine Rolle in der heutigen und zukünftigen Politik spielen sollte – fünf Prozentpunkte mehr als 2021. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die einen Schlussstrich unter die Vergangenheit fordern, um vier Prozentpunkte auf 45 Prozent leicht zurückgegangen.


