Hände halten Tablet vor österreichischem Hintergrund.
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Österreich: Schritt für Schritt

Österreich liegt mit Platz 10 im Mittelfeld: Zwar ist eine elektronische Patientenakte vorhanden. Diese ist jedoch bisher nur in Krankenhäusern verfügbar. Eine zentrales Koordinationsorgan und gesetzlich festgelegte Zeitpläne für den sukzessiven Ausbau schaffen aber gute Voraussetzungen für den Digitalisierungsfortschritt.

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Österreich ist bisher das einzige deutschsprachige Land, das über ein zentrales, öffentliches Gesundheitsinformationsportal verfügt: Über gesundheit.gv.at erhalten Patienten nicht nur qualitätsgesicherte, objektive und service-orientierte Informationen zu Krankheiten oder Therapien. Über das Portal können Patienten auch ihren E-Befund abrufen. Dieser enthält sowohl Entlassungsbriefe als auch Diagnosebefunde und kann für die ärztliche Einsicht gesperrt oder gelöscht werden.

Der E-Befund ist Teil von ELGA, das österreichische Äquivalent einer elektronischen Patientenakte. Die ELGA wird seit 2016 als Opt-out-System schrittweise eingeführt, wobei der E-Befund die erste Funktion ist, die landesweit zum Einsatz kommt. Weitere Kernanwendungen wie die E-Medikation, das E-Protokoll und der E-Impfpass stehen als nächstes auf der Implementierungsliste und werden sukzessive eingeführt.

Bisher sind in Österreich nur Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit der ELGA ausgestattet, sukzessive sollen Arztpraxen, Pflegeheime und Apotheken an die Infrastruktur angeschlossen werden. Da die ELGA als Opt-out-System angelegt ist, existieren zwar Akten für die gesamte Bevölkerung, was jedoch nicht heißt, dass jede Akte automatisch Informationen enthält: Berichte oder Befunde müssen vom Arzt in die ELGA abgelegt werden.

Strategie

Die Entwicklung der ELGA begann 2005 mit Einführung der elektronischen Krankenversicherungskarte und war von Beginn an eher von politischen Prozessen als von technischen Aspekten geprägt. Neben der ELGA-Initiative, die Pläne zur Implementierung eines E-Rezepts, zu mHealth, Telemedizin und zur Vernetzung der ELGA mit gesundheit.gov.at umfasst, existiert eine aktuelle Gesundheitssystemstrategie: die zehn Gesundheitsziele Österreichs. Eines davon hat das Thema „Digitale Gesundheit“ zum Fokus und sieht vor, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung zu stärken.

Rahmenbedingungen und regulatorische Faktoren

2009 wurde ELGA GmbH gegründet. Gesellschafter sind Bund, Länder sowie Sozialversicherungen. Neben dem Ministerium für Gesundheit als jene Instanz, die E-Health-Gesetze vorbereitet, ist die ELGA GmbH die wichtigste Einrichtung im Bereich digitaler Gesundheit. Sie ist insbesondere für das Qualitäts- und Akzeptanzmanagement für die ELGA sowie für die Implementierung und Koordination der ELGA-Funktionen verantwortlich. Deren Einführungszeitpläne sind modular aufgebaut und gesetzlich festgelegt.

Erfolgsfaktoren

Auch wenn sich die elektronische Patientenakte ELGA sowie noch zahlreiche E-Health-Dienste noch im nationalen Rollout befinden bzw. noch nicht implementiert sind und erst der stationäre Sektor an das ELGA-System angeschlossen ist: Die Bildung eines Rechtsrahmens sowie die Gründung der ELGA GmbH als koordinierendes Organ haben in Österreich wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie geschaffen.

Weitere Informationen über den Digitalisierungsstand in Österreich stehen unten zum Download bereit.

Länderbericht Österreich

Publikation: #SmartHealthSystems: Auszug Österreich

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