uftaufnahme einer sich bewegenden Menschenmenge, verbunden mit einer Linie, die die Kommunikation in der modernen Welt symbolisiert. Konzept des Internets, von Online-Diensten, sozialen Medien und Technologie.

Bildung als Gewinnerthema der Staatsmodernisierung

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Die Modernisierung des Staates ist ein zentrales politisches Vorhaben der Regierungen in Bund und Ländern. Der Bildungsbereich profitiert von diesem Reformmomentum bislang kaum – obwohl das Bildungssystem unter erheblichem Druck steht und es weniger an Ideen als an organisationaler Übersetzungsfähigkeit fehlt. Das Diskussionspapier der Bertelsmann Stiftung schlägt deshalb einen neuen Organisationstypus vor: einen Convener. Gemeint ist eine unabhängige, vertrauenswürdige Instanz, die Akteure zusammenbringt, Verständigung organisiert, Evidenz und Praxiswissen bündelt und Reformen in anschlussfähige Umsetzungsprozesse übersetzt.

Die Defizite im Bildungssystem sind bekannt, eine Trendwende bleibt jedoch aus. Über 40 Prozent der Kinder erreichen am Ende der Grundschule nicht den Regelstandard in Lesen und Rechnen, soziale Bildungsungleichheit wächst, das System gilt als erschöpft. Während die Staatsmodernisierung an anderer Stelle Fahrt aufnimmt, fehlt Bildung das Reformmomentum – aus politikökonomischen Gründen, mangels Krisensymbolik und wegen einer ausgeprägten strukturellen Komplexität zwischen Bund, Ländern, Kommunen und einer Vielzahl weiterer Akteure.

Der Blick auf die Debatte zur Staatsmodernisierung verdeutlicht drei Motive der Reformfähigkeit: klare, geeinte Ziele; effektive Zuständigkeiten; Freiheit auf der umsetzenden Ebene. Ergänzt wird dieser Dreiklang durch einen Querschnitt aus Haltung und Kultur, der Nutzer:innenfokus, Lernen und Verantwortung betont.

Diese Systematik ist für den Bildungsbereich hoch anschlussfähig. Auch hier muss das System mit einem neuen Fokus auf die Lernenden neu gedacht und umgebaut werden, um den vielfältigen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Systematik macht deutlich, dass Reformen nicht aus isolierten Einzelmaßnahmen bestehen, sondern aus kohärent aufeinander bezogenen Ebenen.

Allerdings verfügen Staatsmodernisierung und andere Transformationsfelder, wie z. B. Klimawandel, über ein Ökosystem von Akteuren, die aus unterschiedlichen Rollen Veränderung des Systems mitgestalten. Im Bildungsbereich ist ein vergleichbares Ökosystem bestenfalls rudimentär vorhanden.

Voraussetzung ist eine unabhängige, übersetzende Instanz

Reformfähigkeit im Bildungssystem ist kein rein politischer oder technischer Prozess. Sie erfordert eine Instanz, die zwischen Ebenen, Ressorts und Wissensbeständen vermittelt – verbindlich, vertrauenswürdig und auf Dauer gestellt.

Wofür es einen Convener im Bildungssystem braucht

  • Auf der strategischen Ebene braucht es ein geeintes Zielbild und verbindliche Zielzahlen, die Orientierung über Legislaturperioden hinweg geben.
  • Auf der taktischen Ebene braucht es eine Steuerungslogik mit klaren Zuständigkeiten und wirksamer Koordination zwischen Bund und Ländern sowie datenbasierte Entwicklung und Planung über Bildungsphasen und Rechtskreise hinweg.
  • Auf der operativen Ebene braucht es Freiheit, Verantwortung und Unterstützung für Bildungseinrichtungen und Verwaltungen vor Ort.

Mit dem vorliegenden Papier will die Bertelsmann Stiftung einen Beitrag dazu leisten, das Ökosystem der Reformfähigkeit und insbesondere die vermittelnde Funktion des Conveners darin aufzubauen. Es bildet den Status quo der Reformdebatte anhand der Ergebnisse von sieben Expert:inneninterviews ab und zeigt auf, wie ein Convener Bildung als Gewinnerthema der Staatsmodernisierung etablieren kann.

Von einem solchen Organisationstypus sollen insbesondere die Schüler:innen profitieren – durch bessere und zukunftsfähige Kompetenzen, mehr Bildungsgerechtigkeit und gesteigertes Wohlbefinden. Für diese Ziele setzen wir uns in unserem Projekt Change Learning – Gemeinsam zum lernenden Schulsystem ein.