Eine Ingenieurin und ein Ingenieur stehen mit dem Rücken zur Kamera auf einem Podest und besprechen die Produktion in einer modernen, automatisierten Elektronikfertigung.

Innovationskraft in Deutschland lässt weiter nach – Politik und Unternehmen müssen schnell handeln

Die Innovationsdynamik der deutschen Unternehmenslandschaft schwächt sich ab. Die Zahl der Firmen mit innovativen Spitzenleistungen schrumpft und die Zahl innovationsschwacher Unternehmen wächst. Um Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und Zukunftsfähigkeit zu sichern, braucht es eine klare Neuausrichtung der Innovationspolitik und eine konsequente Umsetzung strategischer Prioritäten vor allem bei Zukunftstechnologien.

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Armando García Schmidt
Senior Expert

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Die Innovationstätigkeit der deutschen Unternehmen lässt deutlich nach. Ausgerechnet in einer Phase verschärften globalen Wettbewerbs, geopolitischer Spannungen und beschleunigter technologischer Entwicklungen verliert die deutsche Wirtschaft an Innovationsdynamik. Nur noch 13 Prozent der Unternehmen zählen 2026 zur innovationsstarken Spitze in Deutschland. 2019 war es noch rund ein Viertel.

Gleichzeitig ist der Anteil innovationsschwacher Unternehmen auf nahezu 40 Prozent gestiegen. Innovation verliert damit in der Breite an strategischer Verankerung. Dies zeigt die Studie "Innovative Milieus 2026" in unserem Auftrag, für die mehr als 1.100 Unternehmen befragt wurden. "Die Innovationsbasis unseres Landes schrumpft, während der internationale Wettbewerb härter wird. Wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, riskieren wir einen nachhaltigen Verlust an technologischer Wettbewerbsfähigkeit", sagt unser Innovationsexperte Armando García Schmidt.

Industrie verliert an Gewicht – digitale Dienstleister rücken vor

Industrielle Kernbranchen verlieren Innovationskraft, während wissensintensive Dienstleistungen und die IT-Wirtschaft in Deutschland zunehmend die Rolle technologischer Vorreiter übernehmen. Zugleich gibt es seltener grundlegende Neuerungen – Unternehmen setzen häufiger auf schrittweise Produkt- und Prozessverbesserungen.

Trotz des negativen Gesamttrends zeigt sich, dass digitale Schlüsseltechnologien deutlich an Bedeutung gewinnen und sich immer stärker auch jenseits der innovationsstarken Spitze verbreiten. 70 Prozent der befragten Unternehmen nutzen heute Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen, ein Viertel aller Unternehmen sogar intensiv. Für die kommenden Jahre erwarten noch mehr Unternehmen eine hohe strategische Relevanz dieser Technologien für ihre Produkte und Geschäftsmodelle.

Anders ist die Lage bei komplexen Deep-Tech- und anspruchsvollen Green-Tech-Anwendungen. Technologien wie CO₂-Abscheidung oder andere forschungsintensive Zukunftstechnologien werden nur von wenigen Unternehmen intensiv genutzt. Auch im Bereich Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Materialien sind Fortschritte sichtbar – doch eine breite Anwendung bleibt bislang aus. Anspruchsvolle Hochtechnologien nutzen nur wenige Unternehmen.

Trotz der kritischen Befunde zeigt die Studie aber auch: Innovationsstärke ist gestaltbar. Unternehmen, die klare Innovationsstrategien verfolgen, gezielt kooperieren und systematisch in Kompetenzen investieren, erzielen messbare Fortschritte – unabhängig von ihrer Größe.

Hightech-Agenda muss schnell Wirkung entfalten

Die Ergebnisse stehen nicht isoliert. So zeigt eine von uns im Januar veröffentlichte Studie eine spürbare Investitionszurückhaltung im Innovationsbereich – insbesondere bei kleineren und innovationsfernen Unternehmen. In unserem aktuellen Sustainability Transformation Monitor nennen Unternehmen unsichere politische Rahmenbedingungen und fehlende Marktanreize als Gründe für ihre abnehmende Veränderungsbereitschaft. Wo Planbarkeit fehlt, werden Risiken stärker abgewogen und Innovation vorsichtiger betrieben.

Klar ist: Der beobachtbare Trend gefährdet den Standort Deutschland. Für einen Neustart braucht es von Seiten der Politik verlässliche Rahmenbedingungen, klare Prioritäten und eine strategische Fokussierung. Die neue "Hightech-Agenda Deutschland" kann dabei ein zentraler Hebel sein: Sie soll Impulse in Schlüsseltechnologien setzen und technologische Souveränität stärken. Entscheidend ist dabei, dass die Agenda entschlossen und schnell umgesetzt wird. Flankiert werden sollte sie durch weitere Reformschritte, die Investitionen erleichtern, Bürokratielasten und Innovationshemmnisse abbauen.

Auch die Unternehmen selbst stehen in der Verantwortung: Sie müssen technologische Entwicklungen früh aufgreifen, Innovationsprojekte strategisch bündeln und stärker auf Skalierung und Marktdurchsetzung ausrichten. "Es ist höchste Zeit zu handeln, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben und bei Zukunftstechnologien vorne mitspielen wollen. Was wir jetzt brauchen, ist eine kohärente Wirtschafts- und Innovationspolitik, mit einer Hightech-Agenda, die auch die Breite der Unternehmenslandschaft neu in Bewegung bringt", sagt García Schmidt.