Die Initiatoren des „Salzburger Trilogs“, der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Liz Mohn, Stifterin und Vorsitzende des Vorstands der Liz Mohn Stiftung (1. Reihe, 7. und 8. von links), mit den Konferenzteilnehmenden.

25. Salzburger Trilog: Gute Führung braucht Haltung, Vertrauen und die Fähigkeit zum Wandel

Internationales Dialogformat diskutiert "Führung in turbulenten Zeiten". Menschliches Urteilsvermögen, kulturelle Intelligenz und Vertrauen werden zu zentralen Führungskompetenzen.

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Jochen Arntz
Vice President Media Relations

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Wie kann Führung Orientierung geben, wenn Gewissheiten schwinden, technologische Entwicklungen Entscheidungen verändern und internationale Zusammenarbeit schwieriger wird? Mit dieser Frage beschäftigten sich Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur beim 25. Salzburger Trilog. Auf Einladung von Stifterin Liz Mohn und dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel diskutierten sie am 23. und 24. August in Salzburg über "Führung in turbulenten Zeiten".

Die Diskussionen zeigten, dass sich die Anforderungen an Führung grundlegend verändern. In einer von geopolitischen Verschiebungen, technologischen Umbrüchen und gesellschaftlicher Polarisierung geprägten Welt geht es weniger darum, auf jede Entwicklung eine fertige Antwort zu haben. Entscheidend ist vielmehr, Komplexität einzuordnen, auch unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben und Veränderungen aktiv zu gestalten. Dabei müssen Führungskräfte langfristige Ziele im Blick behalten und zugleich bereit sein, ihre Wege dorthin immer wieder neu auszurichten.

"Für mich beginnt Führung mit Haltung. Wer Verantwortung übernimmt, muss wissen, wofür er steht und wohin er führen will. Gute Führung bedeutet, Menschen zuzuhören, Orientierung zu geben und sie für den Weg der Veränderung zu gewinnen. Sie erfordert Mut zu Entscheidungen und Vertrauen – in die Fähigkeiten der Menschen ebenso wie in den gemeinsamen Prozess. Denn gerade in einer komplexen Welt kann niemand alle Antworten allein kennen. Umso wichtiger ist es, Verantwortung zu teilen, andere zu stärken und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln", sagte Liz Mohn, Stifterin und Vorsitzende des Vorstands der Liz Mohn Stiftung. 

Technologie verändert Führung

Ein Schwerpunkt des Austauschs lag auf den Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Diese Technologien erleichtern die Verarbeitung großer Informationsmengen, verändern jedoch zugleich die Grundlagen von Wahrnehmung und Entscheidungsfindung. Führungskräfte bleiben deshalb gefordert, Informationen kritisch einzuordnen, unterschiedliche Quellen zu berücksichtigen und menschliches Urteilsvermögen zu bewahren. Dabei kommt gerade den Veränderungen der Führungsarbeit durch Künstliche Intelligenz eine besondere Bedeutung zu, wie auch die Liz Mohn Stiftung mit einigen Studien aktuell belegt.  

Kulturelle Intelligenz wird zur Führungskompetenz

Obwohl sich der Wettbewerb zwischen Nationen verschärft, hat dies nicht zu einem Ende der Globalisierung geführt, sondern vielmehr zu einer Neuordnung und Diversifizierung internationaler Beziehungen. In einer multipolaren und multilateralen Welt müssen Führungskräfte die politischen, ökonomischen und kulturellen Unterschiede anderer Länder berücksichtigen. Gerade in einer Welt, in der gemeinsame Herausforderungen zunehmend grenzüberschreitende Zusammenarbeit erfordern, wird die Fähigkeit, Vertrauen über kulturelle und politische Unterschiede hinweg aufzubauen, zu einer zentralen Voraussetzung erfolgreicher Führung.

Führung beginnt mit der Übernahme von Verantwortung

Führung ist nicht auf Spitzenpositionen in Politik, Wirtschaft oder Kultur beschränkt. Sie zeigt sich überall dort, wo Menschen Verantwortung für andere und das gemeinsame Handeln übernehmen – im Beruf, im Ehrenamt, in Schulen und im Alltag. Angesichts globaler Phänomene wie Social Media, Fake News, Informationsflut und wachsender Polarisierung bedeutet Führung vor allem, Orientierung zu geben, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Vertrauen zu schaffen. "Wir sind nicht hilflos der Zeit ausgeliefert. Sowohl im Kleinen als auch im Großen können wir etwas bewirken, anderen zur Seite stehen und dazu beitragen, die Welt zum Besseren zu verändern", betonte Wolfgang Schüssel.

Diese erweiterte Perspektive spiegelte sich auch in der Zusammensetzung des Salzburger Trilogs wider: Erneut nahmen neben Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt auch junge Menschen teil und brachten ihre Fragen, Erwartungen und Ideen in die Gespräche ein. Der 25. Salzburger Trilog unterstrich damit eine Erkenntnis, die über einzelne Führungsmodelle hinausgeht: In einer Welt, deren weitere Entwicklung sich immer schwerer vorhersehen lässt, entsteht Orientierung nicht durch einfache Antworten. Sie entsteht durch Haltung und Verantwortungsbereitschaft, durch die Fähigkeit zu lernen und andere einzubeziehen sowie durch Vertrauen.

Seit nunmehr 25 Auflagen bringt der Salzburger Trilog Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammen. Im Mittelpunkt stehen dabei immer wieder zentrale Zukunftsfragen: von Frieden und internationaler Zusammenarbeit über Europas Wettbewerbsfähigkeit bis zur Rolle von Kultur für gesellschaftlichen Zusammenhalt.