Hochschulen, Theater und Arbeitgeberverband diskutierten die Kernergebnisse der Arbeitsmarktstudie „Opernsänger mit Zukunft!“ in Berlin.
Sebastian Pfütze

, Studie: Opernnachwuchs in Deutschland: professionell ausgebildet und ohne Job

Deutschlands Musikhochschulen bilden immer mehr Opernsänger aus während deren Aussichten auf eine nachhaltige künstlerische Berufslaufbahn schwinden. Fehlanreize der Hochschul-Politik und die strukturellen Veränderungen am Arbeitsmarkt verschärfen das Problem weiter. Die Entscheidungsträger in Politik, Ausbildung und Kultur müssen weiter an Lösungsansätzen und Verbesserungen der Ausbildung arbeiten, so das Fazit unserer neuen Studie.

Deutsche Musikhochschulen bilden zu viele Opernsängerinnen und -sänger für den immer kleiner werdenden deutschen Arbeitsmarkt aus. Die Ausbildung für zukünftige Studierende muss verändert werden, damit Absolventen eine realistische Chance in unterschiedlichen künstlerischen Berufsfeldern haben. Das ist das Ergebnis einer qualitativen Überblicksstudie, die das Berliner Institut für Kultur- und Medienwirtschaft in unserem Auftrag durchgeführt hat.

Mittels Analysen von Sekundärquellen, Fokusgruppengesprächen sowie qualitativen und quantitativen Befragungen mit mehr als 150 Akteuren der Opernbranche untersuchten die Autoren Prof. Dr. Klaus Siebenhaar und Achim Müller die Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation des Opernnachwuchses in Deutschland. Der Fokus lag dabei u.a. auch auf der Gesangsausbildung an deutschen Musikhochschulen. Ebenso wurde den veränderten kulturpolitischen und ästhetisch-künstlerischen Rahmenbedingungen besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Ernüchternde Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen im Vergleich der letzten rund 20 Jahre in weiten Teilen eine Verschärfung der Lage: die Defizite in der Ausbildung liegen weniger in der künstlerischen Qualität als in mangelndem Feedback zum künstlerischen Leistungsstand sowie einer unzureichenden Vorbereitung auf die Realitäten des Arbeitsmarktes.

Sängerkarrieren werden kürzer und verlaufen bei zunehmender freiberuflicher Tätigkeit häufig als Patchwork-Laufbahnen. Eine wesentliche Konsequenz daraus sind prekäre Lebensverhältnisse und die Gefahr der Altersarmut. Neue, erweiterte Berufsfelder rücken so verstärkt in die Diskussion um die Zukunft der Opernsängerinnen und Opernsänger, wobei vor allem immer wieder auf die relativ günstige Nachfragesituation bei den Opernchören hingewiesen wird. Zum Schluss der Studie werden kulturelle Alternativszenarien zwischen freier Opernprojektarbeit und musisch-kultureller Bildung entworfen. 

"Der Kulturbetrieb erfährt durch die Globalisierung in den letzten Jahren eine neue Konkurrenzsituation für den internationalen Gesangsnachwuchs. Damit ändern sich die Anforderungen an die Gesangsausbildung. Die jungen Menschen brauchen bereits während ihrer Ausbildung regelmäßig eine ehrliche Rückmeldung zu ihren Karrierechancen auf den Bühnen dieser Welt", so Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende der Bertelsmann Stiftung und Präsidentin der NEUEN STIMMEN.

Wir sollten die vielversprendsten Rohdiamanten konsequent fördern und fordern und den Sängerinnen und Sängern mit alternativem Karriere-Potenzial früh andere Berufswege auf dem künstlerischen Arbeitsmarkt aufzeigen.
Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende der Bertelsmann Stiftung und Präsidentin der NEUEN STIMMEN

Finanzierungsmodelle verschärfen den Trend

Die Finanzierungsmodelle in der Hochschul-Politik der Wissenschaftsministerien verschärfen das Problem weiter. Die Autoren schreiben: "Die gezielte Förderung von Hochbegabungen wird (…) nicht durch finanzielle Anreize unterstützt (…) In so gut wie allen Bundesländern sichert nur die volle Auslastung der bewusst hoch angesetzten Studiengangskapazitäten die volle Finanzierung. Das gilt für den gesamten staatlichen Hochschulbereich – die künstlerischen Hochschulen sind davon nicht ausgenommen."

Insgesamt sind die Zukunftsperspektiven für Opernsängerinnen und –sänger nicht sehr gut: "Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung bestätigen den Eindruck vieler Branchenkenner: deutsche Musikhochschulen bilden viele Nachwuchssänger aus, die keine realistische Chance auf eine kontinuierliche Opernkarriere haben können. Künstlerisch ausgebildete Menschen sind wichtig für unsere Gesellschaft. Die Entscheider aus Politik, Theater und Hochschulen müssen jetzt im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft gemeinsam Lösungen finden", so Dorothea Gregor, unsere Expertin für Musikalische Förderung.

Studie

Publikation: Opernsänger mit Zukunft!

Der deutschsprachige Raum besitzt eine weltweit einzigartige Dichte öffentlich geförderter Institutionen im Bereich klassischer Musik und Musiktheater. ...

Am 6. Mai veröffentlichten wir die Studie in Berlin und diskutierten die Kernthesen und zentralen Fragestellungen gemeinsam mit Experten und Entscheidern der Branche:

Projekte

Ähnliche Artikel

neuestimmen2017_vorsingen-27.jpg(© Besim Mazhiqi)

Gesangswettbewerb: 1.472 Gesangstalente aus 80 Nationen bewerben sich für NEUE STIMMEN 2019

20171014_Neue_Stimmen_2017_Finale_BMA9814_be.jpg(© © Besim Mazhiqi)

GESANGSWETTBEWERB: Start NEUE STIMMEN 2019: Internationaler Gesangswettbewerb nimmt Bewerbungen an

2018_10_27_NST_Stiftung_Masterclass_0972.jpg_ST_MF(© Kai Uwe Oesterhelweg)

Veranstaltung: Internationaler Meisterkurs der NEUEN STIMMEN findet glanzvollen Abschluss

Foto Meisterkurs 2016_Fotograf Kai Uwe Oesterhelweg.jpg(© Kai Uwe Oesterhelweg)

Veranstaltung: Weltstars der Oper beim Internationalen Meisterkurs der NEUEN STIMMEN