Ein Containerschiff auf dem Meer, aufgenommen aus der Luft.
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Die Menschen in den Industrieländern profitieren wirtschaftlich am stärksten von einer zunehmenden Globalisierung. Das zeigt der Globalisierungsreport 2018, den die Prognos AG in unserem Auftrag erstellt hat. Der Report misst für 42 Industrie- und Schwellenländer den Grad der internationalen Verflechtung und die daraus resultierenden Wohlstandsgewinne. Deutschland gehört laut Untersuchung mit seinem 6. Platz zu den Ländern, die am stärksten von der zunehmenden Globalisierung profitieren. So hat sich das reale Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (BIP pro Kopf) hierzulande zwischen 1990 und 2016 durch die voranschreitende Globalisierung jährlich um rund 1.150 Euro oder im gesamten Zeitraum um rund 30.000 Euro erhöht.

Für unseren Vorstandsvorsitzenden Aart De Geus zeigen die Ergebnisse:

"Globalisierung kann eindeutig Wohlstandsgewinne schaffen. Protektionismus ist der falsche Weg. Doch die Globalisierung muss so gestaltet werden, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Nur so können wir ihr Erfolgsversprechen einlösen."

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung

Grundlage für die Berechnung ist ein Index, der sich eng am sogenannten KOF-Globalisierungsindex der Technischen Hochschule Zürich orientiert. Unser Index misst den Grad der internationalen Verflechtung anhand von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Indikatoren. Demnachsind die Niederlande und Irland die am stärksten globalisierten Länder. Indien und China hingegen sind unter den Letztplatzierten, weil sich hier die Märkte später als in vielen Industrieländern geöffnet haben, es immer noch viele Schranken beim Marktzugang gibt und der jeweilige Binnenmarkt eine wichtige Rolle spielt.

Gewinner der Globalisierung: die Schweiz ist vorn, Indien Schlusslicht

Von 1990 bis 2016 wuchs das reale BIP aufgrund der voranschreitenden Globalisierung in allen 42 untersuchten Länder im Schnitt um rund eine Billion Euro pro Jahr. Dies entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung einer mittelgroßen Volkswirtschaft wie Mexiko oder Südkorea.

Alle untersuchten Länder verzeichnen ein globalisierungsbedingtes Wachstum, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß: Am stärksten profitieren laut Untersuchung die Schweizer. Das reale BIP pro Einwohner wuchs dort globalisierungsbedingt zwischen 1990 und 2016 um rund 1.900 Euro pro Jahr. In Indien, dem Schlusslicht bei den globalisierungsbedingten Zuwächsen, stieg es nur um durchschnittlich 20 Euro pro Jahr. Auch China (80 Euro pro Jahr) und Mexiko (120 Euro pro Jahr) verzeichnen nur unterdurchschnittliche absolute Zuwächse.

Grund für diese niedrigen Zuwachsraten in den Schwellenländern ist vor allem, dass sie zum Startpunkt der Messung nur ein niedriges BIP pro Kopf verzeichneten. Schwellenländer wie China und Indien standen 1990 noch ganz am Anfang einer dramatischen Wachstumskurve und schneiden somit bei den absoluten Zuwächsen insgesamt schlechter ab als Industrieländer, die schon damals stärker international vernetzt waren.

Eine Grafik zeigt, wie stark das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Deutschland zwischen 1990 und 2016 bedingt durch die voranschreitende Globalisierung gewachsen ist. Zum Vergleich ist dargestellt, wie das Wachstum bei einer stagnierenden Globalisierung ausgefallen wäre. Die voranschreitende Globalisierung hat Deutschland zuletzt ein um fast 1.300 Euro höheres reales BIP pro Kopf beschert als es bei einer stagnierenden Globalisierung der Fall gewesen wäre. Sie können diese Grafik in höherer Auflösung rechts (in mobiler Ansicht: unten) herunterladen.

Globalisierungsgewinne besser verteilen

Eine der größten Baustellen der Globalisierung ist aus Sicht unserer Experten, dass die Globalisierungsgewinne zwischen Industrie- und Schwellenländern und innerhalb einzelner Staaten ungleich verteilt sind. Da die Industrieländer seit langer Zeit über eine höhere Wirtschaftsleistung pro Einwohner verfügen, sind auch die absoluten Globalisierungsgewinne deutlich höher und für die Schwellenländer schwierig aufzuholen.

Unsere Wirtschaftsexpertin Cora Jungbluth sieht hier eine Wiederbelebung der WTO-Handelsrunden als mögliche Lösung: "Wir brauchen eine internationale Wirtschaftsordnung, die nicht auf das Recht des Stärkeren, sondern auf gemeinsame, verbindliche Regeln und Standards setzt", so Jungbluth. Nur so lassen sich Globalisierungsgewinne möglichst breit verteilen. Wichtig ist zudem, dass Schwellenländer ihre Märkte in einem für sie angemessenen Tempo weiter öffnen und Industrieländer ihre Subventionen – zum Beispiel im Agrarsektor – abbauen.

Außerdem raten unsere Experten den Industrieländern, die offensichtlichen und materiell greifbaren Vorteile der Globalisierung so zu verteilen, dass alle ihre Bürger davon profitieren. "Wir sehen anhand der Daten, dass uns die Globalisierung, gerade in Deutschland, deutliche Wohlstandsgewinne beschert", so Jungbluth. Deshalb müsse auch hierzulande das Bewusstsein gestärkt werden, dass eine Verflechtung mit der Weltwirtschaft, die auf international anerkannten Regeln und Standards basiert, materielle Vorteile bringe.

Studie

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