Ein aufgeklappter Laptop steht auf einem grünen Tisch. Davor lehnt ein geöffnetes Messingschloss am Laptop.
Jan Voth/Bertelsmann Stiftung - CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0

Open Data wirken: Im Internet frei zugängliche Daten bringen Bürgern, Politik und Wirtschaft zahlreiche Vorteile und könnten sogar den gesellschaftlichen Wohlstand und die Wertschöpfung steigern. Das zeigt unsere neue Studie anhand von Beispielen aus dem In- und Ausland. Es sind Erfolgsgeschichten, von denen Bund, Länder und Kommunen hierzulande lernen können.

Die Untersuchung bildet den Auftakt für eine Reihe von Veröffentlichungen zu "Smart Country", dem Thema unseres Reinhard Mohn Preises 2017.

Zentrale Open Data-Bereiche im Überblick

2011 wurde die "Open Government Partnership" gegründet. Ziel war es, sich darüber auszutauschen, wie weltweit die Datennutzung reformiert werden könnte. Außerdem entstanden in den letzten Jahren verschiedene Open Data-Bereiche:

-           Open Source: für jeden einsehbare und frei verwendbare Quellen

-           Open Access: freier Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen

-           Open Patent: Offenlegung von Patenten

-           Open Data: Offenlegung von mit Fördermitteln der öffentlichen Hand generierter Daten 

Das Wertschöpfungspotenzial von Open Data wird sehr unterschiedlich eingeschätzt: Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung geht von einer Spannbreite von zwölf bis zu 131 Milliarden Euro aus. Mittlerweile wächst die Überzeugung, dass Unternehmen von größerer Datentransparenz profitieren könnten und dass diese Offenheit den gesellschaftlichen Wohlstand steigern könnte. Doch davon abgesehen haben offene Daten für Bürger, Politik und Wirtschaft in vielen Bereichen praktische Vorteile. Das zeigt unsere Recherche im In- und Ausland.

Offene Daten sinnvoll nutzen: Großbritannien macht's vor

Online abrufbare freie Daten machen das Wirtschafts- und Finanzsystem in Städten und im ländlichen Raum transparenter. So lassen sich Immobilienpreise, Unternehmensdaten, Haushaltsdaten der öffentlichen Hand und Bankengeschäfte unabhängig vom Standort abrufen. Das zeigt ein Beispiel aus Großbritannien – einem Vorreiter in Sachen Open Data.

Das britische Start-up "RentQuare" beispielsweise nutzt seit 2015 offene Daten der Land Registry und weitere Datenquellen, um Mieter und Vermieter besser zu vernetzen. In Deutschland ist Nordrhein-Westfalen Vorreiter: Die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte veröffentlichen in ihrem Bodenrichtwertesystem "BORISplus" Quadratmeterpreise auf Karten mit Satellitenfotos.

Dass Open Data für mehr Transparenz sorgen, belegt auch ein anderes Beispiel aus Großbritannien. Dort entstand ein Unternehmensregister, in dem das wirtschaftliche Eigentum von Firmen aufgelistet ist. Damit sollen künftig Korruption, Steuerhinterziehung und andere Delikte bekämpft werden. In Deutschland publiziert der Bundesanzeiger Verlag im "Unternehmensregister" alle Handelsregistereintragungen kostenlos und frei zugänglich. Brasilien wiederum betreibt seit 2004 ein Transparenzportal, in dem die öffentlichen Ausgaben offengelegt werden und das Hinweise auf mögliche Korruptionsfälle aufgreift.

Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zeigt abermals Großbritannien, wie sich Open Data gezielt nutzen lassen: Das Start-up "TransportAPI" etwa hat es geschafft, die Plan- und Echtzeitdaten aller öffentlichen Verkehrsbetreiber in London als Open Data online zu stellen. Auch die Landwirtschaft profitiert stark von frei abrufbaren Daten. So können zum Beispiel Wetterdaten und Satellitenfotos auf Unwetter hinweisen, den Stand der Ernte zeigen oder den erforderlichen Dünger- und Pestizideinsatz abbilden.

Auch für den Tourismus, für Sozialeinrichtungen und das sogenannte "Internet der Dinge" bieten Open Data großen Chancen. Für Tourismusanbieter sind Übernachtungszahlen, strukturelle Daten und die Interessen und Bedürfnisse von Touristen wichtig. Die Touristen wiederum interessieren Informationen zu Sehenswürdigkeiten und Übernachtungs- und Reisemöglichkeiten. Außerdem können Open Data Familien helfen, wichtige Entscheidungen zu Kita, Schule oder Pflegeeinrichtung zu treffen.

"Mit der Öffnung von vorhandenen Daten als frei verwendbare, elektronische Open Data können neue Potenziale gesellschaftlicher Teilhabe und wirtschaftlicher Prosperität mit Impulsen für innovative Geschäftsmodelle geschaffen werden."

Wolfgang Ksoll, Autor der Studie

Was kann Deutschland vom Ausland lernen?

Aus den Erfolgsgeschichten zum Thema Open Data leitet unsere Studie  Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen ab:

 -       Die Bundesregierung sollte dem britischen Beispiel folgen und ein nationales Gründerzentrum für Open Data ins Leben rufen, das über ein Finanzbudget verfügt. Es sollte einerseits Startup-Unternehmen unterstützen und andererseits behördliche Hemmnisse bei der Bereitstellung von Open Data beseitigen.

-       Sofern die behördeninterne Digitalisierung der vollständigen elektronischen Aktenführung noch nicht abgeschlossen wurde, könnten Kommunen dem Beispiel Bonn folgen. Dort wird mit offenen Online-Umfragen ermittelt, welchen Open Data-Bedarf Bürger und Wirtschaft haben. So können Projekte priorisiert werden.

-       Für das 2013 in der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD verabredete Open-Data-Gesetz wurden im Herbst 2016 Eckpunkte erarbeitet, sodass es noch in dieser Legislaturperiode vorgelegt werden kann. Um die politische Bedeutung zu unterstreichen, sollte im Bundeskanzleramt eine Einheit verankert werden, die ähnlich wie im britischen Cabinet Office die gesamten Open Data-Aktivitäten koordiniert und steuert.

-        Die Beispiele zeigen, dass Open Data weiterführend standardisiert werden müssen, um die Daten durch Maschinen automatisch auswerten zu können. Das ist auch angesichts des Megatrends Künstliche Intelligenz erforderlich.

Die komplette Studie finden Sie hier.

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