Syrische Flüchtlinge warten auf dem Bahnsteig in Wien auf ihren Zug.
Josh Zakary / Flickr - CC BY-NC 2.0, https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/

, Umfrage: Mehrheit der EU-Bürger will faire Verteilung der Flüchtlinge

Die Flüchtlingssituation spaltet Europas Regierungen und ein Gipfel jagt den nächsten: Die einen wollen Asylsuchende aufnehmen, die anderen weigern sich. Anders die Mehrheit der EU-Bevölkerung: Sie erwartet eine gemeinsame Antwort auf die neue Herausforderung und will eine faire Verteilung der Neuankömmlinge.

Eine deutliche Mehrheit der EU-Bürger erwartet eine gesamteuropäische Antwort auf die Flüchtlingssituation und eine faire Verteilung der Neuankömmlinge auf alle europäischen Staaten. Nationalen Alleingängen erklären sie eine klare Absage. Das zeigt unsere neue Umfrage aus der Reihe "eupinions", die regelmäßig Positionen europäischer Bürger zu aktuellen politischen Debatten analysiert.

Die zweite Ausgabe der "eupinions"-Umfrage-Reihe beleuchtete in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten die Einstellungen der Bevölkerung zu den Themen Asyl und Migration. Danach sprechen sich 79 Prozent der Befragten für eine gemeinsame europäische Asyl- und Migrationspolitik aus. Die EU-Institutionen sollten hier federführend die Verantwortung tragen, meint etwas mehr als die Hälfte der Europäer. 27 Prozent wünschen sich eine Aufteilung der Verantwortung zwischen der EU und den Mitgliedstaaten. Lediglich 22 Prozent würden die Migrationspolitik lieber ausschließlich ihrem eigenen Land überlassen.

Wiederum 79 Prozent der Befragten wünschen zudem eine faire Verteilung der Asylsuchenden auf alle EU-Länder. Eine Mehrheit von knapp 70 Prozent unterstützt darüber hinaus die Forderung, denjenigen Staaten, die es ablehnen, ihren Teil der Verantwortung zu tragen, die EU-Gelder zu kürzen.

Ohne Solidarität geht es nicht: Länder, die sich einer fairen Verteilung von Flüchtlingen verweigern, sollten weniger Fördermittel bekommen - meinen knapp 70% der EU-Bürger.

Damit formuliere eine deutliche Mehrheit der Europäer in Sachen Flüchtlingspolitik eine klare Botschaft an den kommenden EU-Gipfel, so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung: Findet eine europäische Lösung, die auf Solidarität basiert, Stabilität bringt und die Reisefreiheit wahrt.

"Die europäischen Staats- und Regierungschefs sollten sich den klaren Wunsch ihrer Bürger nach einer europäischen Lösung zu Herzen nehmen."
Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung

Europäische Solidarität in der Flüchtlingsfrage, aber auch gemeinsame Sicherung der EU-Außengrenzen

Die Umfrage zeigt überdies: Für eine Mehrheit der EU-Bürger muss nicht nur eine gesamteuropäische Asyl- und Migrationspolitik her, sondern auch eine gemeinsame Sicherung der EU-Außengrenzen. Fast 90 Prozent der Befragten sind dieser Ansicht.

Rund 80 Prozent wollen außerdem die Reisefreiheit innerhalb der EU erhalten und sehen den Schengenraum nach dem gemeinsamen Binnemarkt als zweitwichtigste Errungenschaft der europäischen Gemeinschaft. Schengen solle nicht zum Opfer der aktuellen Probleme werden.

Flüchtlingssituation offenbart Graben zwischen alten und neuen EU-Mitgliedsstaaten

Unsere Umfrage weist zugleich einen Graben zwischen den alten und den neuen EU-Mitgliedstaaten auf: So meint in den alten EU-Ländern eine klare Mehrheit von 85 Prozent, Flüchtlinge müssten fair untereinander verteilt werden. In den neuen Mitgliedsstaaten sind nur 54 Prozent dieser Ansicht. Das gleiche Bild zeigt sich bei der Frage nach den Konsequenzen für diejenigen Staaten, die sich einer solidarischen Aufteilung der Migranten verweigern: 77 Prozent der Befragten in den alten EU-Ländern befürworten entsprechende Maßnahmen. In den neuen EU-Staaten sind es nur 41 Prozent.

Der Studie zufolge sind die Zustimmungswerte für eine gemeinsame europäische Asyl- und Migrationspolitik insgesamt gesehen ausgesprochen hoch. Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass die Europäer ebenso positiv auf die Neuankömmlinge reagieren: 50 Prozent erklären, dass sie sich manchmal wie Fremde im eigenen Land fühlen. Knapp 60 Prozent fürchten, die Zuwanderung könne negative Folgen für das Sozialsystem ihres Landes haben. Und 54 Prozent der EU-Bürger finden, dass die Kriterien für Asylbewerber nicht zu großzügig ausgelegt werden sollten.

Die komplette Umfrage finden Sie in der rechten Spalte.

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