An einer Schule, dem Kolleg St. Blasien in Baden-Württemberg, geben Schüler ihre Stimme bei der Juniorwahl 2013 ab. Ein Schüler wirft seinen Stimmzettel in die Wahlurne, während sich andere Schüler an einem Tisch den Stimmzettel aushändigen lassen.
Sebastian Barthmes

Je früher und je häufiger Erst- und Jungwähler ihre Stimme abgeben, desto höher fällt langfristig auch die allgemeine Wahlbeteiligung aus. Durch das Wahlrecht ab 16 kann es gelingen, die Wahlbeteiligung von 71,5 Prozent (Bundestagswahl 2013) auf bis zu 80 Prozent (2049) zu steigern. Das geht aus der Studie "Wählen ab 16" der Bertelsmann Stiftung hervor. Sie prognostiziert in drei Szenarien die zukünftige Höhe der Wahlbeteiligung auf Bundesebene – mit und ohne 16-jährige Erstwähler.

Das Basisszenario berechnet die zukünftige Wahlbeteiligung auf Grundlage des aktuellen Wahlverhaltens aller Altersgruppen: Während es Jung- und Erstwähler durchschnittlich seltener an die Wahlurne zieht, steigt die Wahlbeteiligung mit zunehmendem Alter fast kontinuierlich an. Sollte dieser Alterseffekt bestehen bleiben, prognostiziert die Studie bis zur Bundestagswahl 2049 einen Einbruch der Wahlbeteiligung auf 68 Prozent. Wählen ab 16 könnte dies verhindern.

"Wenn wir es schaffen, Jugendliche früher und häufiger zur Wahl zu motivieren, könnte sich langfristig auch die Gesamtwahlbeteiligung steigern."

Robert Vehrkamp, Direktor des Programms Zukunft der Demokratie der Bertelsmann Stiftung

Jung und aktiv: Mögliche Folgen eines Wahlrechts ab 16

Um die Wahlbeteiligung langfristig zu steigern, spielt die Absenkung des Wahlalters eine entscheidende Rolle: 16-Jährige sind noch stark in schulischen und familiären Strukturen verankert, in denen sich durch Bildungsmaßnahmen politisches Interesse aktivieren lässt.

Wie sich Wählen ab 16 konkret auswirken könnte, zeigt das Mobilisierungsszenario der Studie. Gelingt es, durch früheres Wählen die Erstwählerbeteiligung um etwa ein Drittel im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 zu erhöhen, dann könnte die Wahlbeteiligung insgesamt bis 2049 auf knapp 80 Prozent klettern. Das Demobilisierungsszenario hingegen geht davon aus, dass die Erstwählerbeteiligung ohne Wählen ab 16 um etwa ein Drittel sinken würde. Im Ergebnis würde dadurch die Gesamtwahlbeteiligung im gleichen Zeitraum auf knapp 58 Prozent einbrechen.

Jüngere Erstwähler könnten nicht nur positive Auswirkungen auf den Andrang an den Wahlurnen haben, sondern auch die soziale Spaltung der Wahlergebnisse verringern: "Vor allem Jugendliche aus sozial schwächeren und bildungsferneren Milieus gehen immer seltener wählen. Die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung ist bei jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren dreimal so stark ausgeprägt wie bei allen anderen Wahlberechtigten in den anderen Altersgruppen. Eine höhere Erstwählerbeteiligung könnte die politische Ungleichheit in Deutschland entschärfen", sagte Vehrkamp.

Wahlen gehören in den Schulalltag

Die Absenkung des Wahlalters ist jedoch kein Selbstläufer. Das Beispiel Österreich und die drei deutschen Bundesländer Hamburg, Brandenburg und Bremen zeigen: Nur mit gezielten Maßnahmen zur Mobilisierung der Erstwähler wird Wählen ab 16 ein Erfolg. Besonders gefragt sind dabei Bildungsmaßnahmen an Schulen, denn sie erreichen gut 90 Prozent aller 16- bis 17-Jährigen in Deutschland. Dass sich Jugendliche für Wahlen aktivieren lassen, lässt sich aus den Erfahrungen der österreichischen Nationalratswahl 2008 ableiten: Die geschätzte Wahlbeteiligung der 16- und 17-Jährigen entsprach mit 77 Prozent nahezu der allgemeinen Wahlbeteiligung (78,8 Prozent).

Die Deutschen stehen solchen Aktivierungsmaßnahmen in Schulen positiv gegenüber. Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Rahmen der Studie durchführte, befürworten mehr als acht von zehn Jugendlichen und mehr als sechs von zehn aller Menschen in Deutschland eine stärkere Integration von Wahlen in den Schulalltag.

Die komplette Studie "Wählen ab 16" können Sie auf der rechten Seite herunterladen.

Das Schaubild zeigt, welche persönlichen, familiären, staatlichen und zivilgesellschaftlichen Faktoren beeinflussen, ob Jugendliche zur Wahl gehen. Eine Vielzahl von persönlichen, familiären, staatlichen und zivilgesellschaftlichen Faktoren beeinflusst, ob Jugendliche zur Wahl gehen.