Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Berufsausbildung in einer Einwanderungsgesellschaft – Hintergründe kennen

Daten, Fakten, offene Fragen

  • 1. Auflage 2016 (Broschur)
  • DOI 10.11586/2016006
  • kostenlos

Das berufliche Bildungssystem in Deutschland steht vor einer Herkulesaufgabe: Millionen Zuwanderer benötigen Zugang zu Bildung und Beschäftigung. Und das nicht erst in ferner Zukunft, sondern so schnell wie möglich. Dazu sind Integrationskonzepte und strukturelle Veränderungen in der beruflichen Bildung notwendig.


Deutschland ist ein Einwanderungsland – und das nicht erst seit dem Zustrom von Flüchtlingen aus Krisenländern wie Syrien, Irak oder Afghanistan. Nach 1949 gab es in Deutschland bereits zwei große Zuwanderungswellen: die als sogenannte „Gastarbeiter“ angeworbenen Arbeitsmigranten aus Südeuropa und der Türkei ab Mitte der 1950er Jahre und die seit dem Ende der 1980er Jahre zugewanderten (Spät-)Aussiedler. Dass sich die Integration dieser Migrantengenerationen in Ausbildung und Beruf bis heute nicht optimal vollzogen hat, zeigen zahlreiche Studien zur Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt.


Der OECD-Bildungsbericht 2015 bescheinigt den Deutschen aber auch Fortschritte auf dem Weg zu Chancengleichheit durch Bildung: Gerade das System der dualen Berufsausbildung bietet Migranten demnach gute Voraussetzungen für eine Integration auf dem Arbeitsmarkt - wenn der Zugang dazu gelingt. Dazu ist es aber notwendig, dass bildungs-, wirtschafts- und sozialpolitische Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden, auch weil Zuwanderung nach Deutschland kein temporäres oder begrenztes Phänomen ist. Die Berufsausbildung in Deutschland wird sich nachhaltig und systematisch darauf einstellen müssen, viele Migranten mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und kulturellen Hintergründen aufzunehmen und zu integrieren.


Das Hintergrundpapier „Berufsausbildung in einer Einwanderungsgesellschaft“ beschreibt die unterschiedlichen Gruppen von Zuwanderern, die jeweiligen Voraussetzungen für ihre Integration in Ausbildung und Beruf und zeigt Barrieren sowie Zugangswege für ihre Berufsausbildung auf.


Das Papier erscheint im Rahmen der Initiative „Chance Ausbildung – jeder wird gebraucht!“. Mit dieser setzt sich die Bertelsmann Stiftung für Reformen ein, um jedem jungen Menschen die Chance auf eine berufliche Ausbildung zu eröffnen. An der Initiative beteiligen sich die Bundesagentur für Arbeit und Ministerien aus den folgenden acht Bundesländern: Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein. In einem Dialogprozess und mit wissenschaftlicher Begleitung arbeiten die Beteiligten gemeinsam an Vorschlägen für ein chancengerechteres und leistungsfähigeres System der Berufsausbildung.