KI-generier: zwei Hände, eine menschliche, eine Computerhand mit Symbolen in der Mitte

Volkswirtschaftliche Effekte der KI

Der Einsatz von KI-Anwendungen verändert die Struktur der Wirtschaft spürbar. Das hat Auswirkungen auf zentrale makroökonomische Größen wie die Produktivität, das Beschäftigungsniveau und die Höhe des Bruttoinlandsprodukts, aber auch auf den gesamtwirtschaftlichen Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase. Welche Entwicklungen aus heutiger Sicht denkbar sind, wird in einem aktuellen Focus Paper diskutiert.

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Dr. Thieß Petersen
Senior Advisor

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Bei der künstlichen Intelligenz (im Folgenden: KI) geht es im Kern darum, dass Computer und Maschinen zentrale menschliche kognitive Tätigkeiten durchführen können. Die KI kann daher als Oberbegriff für technologische Prozesse angesehen werden, die logisches Denken, Lernen und Kreativität nachahmen können.

Produktivitätseffekte

KI-Systeme optimieren Abläufe und Prozesse und sind daher in erster Linie ein Instrument zur Steigerung der Produktivität. Über das konkrete Ausmaß der erwartbaren Produktivitätszuwächse herrscht in der Forschung keine Einigkeit. Um statistisch belastbare Abschätzungen durchführen zu können, werden Daten über lange Zeitreihen benötigt. Gerade für die modernsten KI-Anwendungen gibt es diese Daten jedoch nicht, weil die Nutzungsdauer dieser Anwendungen viel zu kurz ist. Aussagen zu den zukünftigen Produktivitätspotenzialen der KI sind somit stark annahmegetrieben.

Die unterschiedlichen Prognosen bezüglich der KI-induzierten gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwächse weisen wegen unterschiedlicher Annahmen eine große Bandbreite auf. Es gibt einige wenige Szenarien, die in den kommenden zehn Jahren von gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwächsen von lediglich 0,1 Prozentpunkten pro Jahr ausgehen. Besonders optimistische Schätzungen, von denen es ebenfalls nur wenige gibt, erwarten jährliche Produktivitätszuwächse in Höhe von bis zu 1,5 Prozentpunkten. Das Gros der Studien geht derzeit von gesamtwirtschaftlichen KI-induzierten Produktivitätsanstiegen aus, die in den nächsten zehn Jahren zwischen 0,5 und 0,7 Prozentpunkten pro Jahr liegen.

Arbeitsmarkteffekte

Auf der einen Seite führt der Einsatz von KI zum Abbau von Arbeitsplätzen, weil die KI menschliche Arbeitskräfte ersetzt. Auf der anderen Seite hat die KI auch beschäftigungserhöhende Effekte:

  • KI-induzierte Produktivitätssteigerungen senken die Güterpreise, was im Normallfall zu einer höheren Nachfrage nach diesen Produkten führt.

  • Preisreduzierungen steigern zudem die Kaufkraft der Menschen, was ebenfalls die Güternachfrage erhöht.

  • KI-bedingte Preissenkungen verbessern die internationale Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Unternehmen. Sie können deshalb mehr Produkte im Ausland verkaufen.

  • Der Einsatz von KI-Anwendungen verlangt eine leistungsstarke digitale Infrastruktur (Rechenzentren, Übertragungstechnologien, Computer etc.). Das erfordert hohe private und öffentliche Investitionen.

Unternehmen passen sich an eine höhere Güternachfrage an, was in der Regel mit einer größeren Zahl von Beschäftigten verbunden ist.

Kurzfristig, d. h. in den nächsten fünf Jahren, dürften die beschäftigungserhöhenden Effekte noch überwiegen. Langfristig, d. h. nach zehn bis 15 Jahren lassen vor allem die beschäftigungserhöhenden Investitionseffekte nach. Gleichzeitig nehmen die Freisetzungseffekte zu.

Wachstumseffekte

Die Auswirkungen der KI auf die durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessene Wirtschaftsleistung eines Landes sind ebenfalls ambivalent.

  • Der produktivitätssteigernde Effekt der KI wirkt für sich genommen wachstumserhöhend, weil die Volkswirtschaft mit den gegebenen Produktionsfaktoren eine größere Gütermenge herstellen kann.

  • Falls die KI zu einem Beschäftigungsrückgang führen sollte, geht dies mit einem Rückgang der Arbeitseinkommen einher. Das reduziert die Konsumgüternachfrage. 

  • Die mit dem Aufbau der erforderlichen KI-Infrastruktur verbundenen Investitionen bedeuten eine höhere gesamtwirtschaftliche Güternachfrage, an die sich die Unternehmen anpassen.

  • Eine nachfrageseitig induzierte Steigerung des BIP ergibt sich zudem, wenn die produktivitätssteigernde Wirkung eines umfangreichen KI-Einsatzes die Produktionskosten und damit die Güterpreise senkt.

Auch bei den Wachstumseffekten ist zwischen kurz- und langfristigen Effekten zu unterscheiden. Während die kurzfristigen Effekte eher wachstumssteigernd wirken dürften, sind die mittel- und langfristigen Effekte unklar. Entscheidend ist vor allem die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wenn es einer Volkswirtschaft gelingt, den KI-Einsatz schneller und erfolgreicher als in den meisten anderen Ländern voranzutreiben, verbessert das die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen. Das wirkt sich positiv auf die Exporte des Inlands aus und bewirkt somit ein exportgetriebenes Wirtschaftswachstum.

Treibhausgasemissionen

KI-Anwendungen verbrauchen erhebliche Mengen an Energie und natürlichen Rohstoffen, was klimaschädliche Effekte hat. Gleichzeitig können digitale Technologien und KI-Anwendungen einen spürbaren Beitrag leisten, um den gesamtwirtschaftlichen Energie- und Rohstoffverbrauch zu reduzieren, was klimaschützend wirkt.

Kurzfristig ist damit zu rechnen, dass die klimaschädlichen Effekte der KI überwiegen. Der Aufbau einer leistungsfähigen KI-Infrastruktur, der Betrieb der KI-Anwendungen und die Datenübertragungen verlangen den Einsatz von natürlichen Ressourcen und Energie. Beides ist derzeit noch mit dem Ausstoß von CO2 verbunden. Die Optimierungspotenziale der KI sind noch nicht vollständig entwickelt. Daher sind auch die KI-bedingten Rohstoff- und Energieeinsparpotenziale vorerst gering.

Mittelfristig ist es durchaus möglich, dass die klimaschädlichen Effekte der KI zurückgehen. Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamtgesellschaftlichen Energieverbrauch wird in den nächsten Jahren immer weiter zunehmen. Damit sinken die Klimabelastungen, die mit dem Energiebedarf der KI einhergehen. Außerdem ist zu erwarten, dass die Leistungsfähigkeit der KI-Systeme zunehmen wird. Damit wachsen die Optimierungspotenziale der KI, was zu einer Steigerung der Rohstoff- und Energieeffizienz führt und den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgasemissionen reduziert.

Ausblick

Die konkreten ökonomischen Auswirkungen der KI für eine Volkswirtschaft hängen entscheidend davon ab, wie schnell und umfangreich das Land die KI im Vergleich zum Rest der Welt einsetzt. In den USA und in China gibt es massive industriepolitische Aktivitäten, mit denen die Regierungen die Entwicklung und den Einsatz von KI-Systemen fördern. Wenn Deutschland und die EU in diesem Wettrennen weiter zurückfallen sollten, würde das die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen gefährden. Die Folgen wären Produktions-, Beschäftigungs- und Einkommensverluste.

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