Teilnehmer des Workshops

Political Tech Summit 2026: Digitale Beteiligung braucht System

Demokratie wird immer digitaler – und Beteiligung muss Schritt halten. Beim Political Tech Summit 2026 in Berlin hat die Bertelsmann Stiftung, gemeinsam mit der finnischen Innovationsagentur Sitra einen Workshop durchgeführt, bei dem die Frage im Mittelpunkt stand: Wie kann digitale Bürgerbeteiligung durch Civic-Tech wirksamer, vertrauenswürdiger und alltagstauglicher werden? Zentrale Erkenntnis: Entscheidend sind offene und nachhaltige Ökosysteme – nicht immer neue Tools. 

Ansprechpartner:innen

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Dr. Stefan Roch
Project Manager
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Dr. Dominik Hierlemann
Senior Advisor
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Dr. Angela Jain
Senior Project Manager

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Der Political Tech Summit (PTS) fand am 23. und 24. Januar 2026 zum zweiten Mal in Berlin statt. Die internationale Konferenz brachte zentrale Akteure aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und der Civic-Tech-Szene zusammen.

Im Rahmen des Projekts „Diskurs und Partizipation“ veranstaltete die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit Sitra den Workshop „European civic tech for better digital citizen participation in the age of GenAI“. Im Mittelpunkt stand die sogenannte Needs-Perspektive: Was brauchen Bürger:innen, Akteure aus Politik und Verwaltung sowie Civic-Tech-Anbieter, damit digitale Beteiligung breiter zugänglich, vertrauenswürdig und politisch wirksam werden kann?

Von der Tool-Logik zur Systemfrage

Die Diskussion machte deutlich: Digitale Partizipation hängt weniger von einzelnen Plattformen ab als von gut funktionierender Infrastruktur. Wirkung entfalten vor allem interoperable, datenbasierte Lösungen, die in nachhaltige Ökosysteme eingebettet sind – statt kurzfristiger Pilotprojekte. GenAI kann dabei helfen, Beteiligungsprozesse auszuwerten und Komplexität zu reduzieren. Voraussetzung ist jedoch, dass Ergebnisse politisch ernst genommen und in konkretes Handeln übersetzt werden.

Sechs Reflexionen aus dem Workshop

  1. Pragmatischer Blick auf Politik und Verwaltung: Beteiligung wird dort häufig primär als Kommunikationsinstrument verstanden. Daran anzuknüpfen kann helfen, politische Unterstützung und Anschlussfähigkeit zu sichern.
  2. Niedrigschwelligkeit und Tiefe verbinden: Beteiligung muss einfach, schnell und dort möglich sein, wo Menschen ohnehin digital aktiv sind. Gleichzeitig braucht es Anschlussformate für vertiefte Beteiligung, auch wenn diese weniger Menschen erreichen.
  3. Awareness als zentrale Hürde ernst nehmen: Eine der größten Barrieren bleibt mangelnde Aufmerksamkeit. Gute Beteiligung braucht gutes Campaigning und klare Zugänge.
  4. Nachhaltige Finanzierung von Civic Tech sichern: Open-Source- und community-basierte Lösungen erfordern kontinuierliche Pflege, Betrieb und Finanzierung – hier bestehen europaweit strukturelle Lücken.
  5. GenAI systematisch evaluieren: Es fehlt an gemeinsamen Standards, um Chancen und Risiken von GenAI in Beteiligungsprozessen verlässlich zu bewerten und Wirkung messbar zu machen.
  6. Beteiligung als Datenaustausch verstehen: Ein Perspektivwechsel kann helfen: Digitale Partizipation lässt sich als strukturierter Austausch von Daten zwischen Bürger:innen und Staat begreifen – mit klaren Schnittstellen und Rückkopplungen.

Mit dem wertvollen Input der Beteiligten setzen wir unsere langjährige Arbeit im Bereich Bürgerbeteiligung weiter fort und nehmen neue Impulse auf. Die Diskussion zum Thema wird weitergehen.