Eine Gruppe junger Menschen

Schule trifft Unternehmen: Berufsorientierung mit echten Übergängen

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist ein entscheidender Moment im Lebenslauf junger Menschen. Doch immer noch bleiben zu viele von ihnen mittel- und langfristig ohne eine berufliche Qualifikation. Ein Pilotprojekt bringt über reale Unternehmensschallenges Schüler:innen an Berufsschulen mit Unternehmen zusammen.

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Foto Tobias Bürger
Dr. Tobias Bürger
Senior Project Manager
Foto Sandra Zillinger
Sandra Zillinger
Project Manager

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In Deutschland ist für fast die Hälfte der jungen Menschen eine Ausbildung die beliebteste nachschulische Bildungsoption. Doch von den 20- bis 34-Jährigen ist aktuell fast jeder fünfte junge Mensch ohne Berufsabschluss. Gleichzeitig finden viele kleine und mittelständige Unternehmen (KMU) zu wenige passende Bewerber:innen, während viele Jugendliche am klassischen Bewerbungsverfahren scheitern oder regionale Chancen nicht wahrnehmen. 

Passung von Fähigkeiten und Anforderungen 

Die aktuelle Passungsproblematik zwischen Unternehmen und potenziellen Auszubildenden umfasst verschiedene Faktoren. Beispielsweise erreichen Unternehmen die jugendliche Zielgruppe häufig nicht adäquat. Auch unterscheiden sich die Erwartungen von Unternehmensvertreter:innen und Jugendlichen an Arbeit und Arbeitsalltag – etwa hinsichtlich Arbeitshaltung, Verbindlichkeit und Abstimmung. Gleichzeitig steigt der Bedarf an überfachlichen Kompetenzen (sogenannten Future Skills) wie Eigeninitiative, Problemlösen und kreatives Denken. 

Das Kernproblem liegt damit weniger in der Zahl der Bewerbungen als in der Passung von Fähigkeiten und Anforderungen. Genau hier setzt das Projekt an: Regionale Unternehmen geben eine reale Alltagsherausforderung als Challenge an die Schülerteams und diese entwickeln in zehn Wochen eine Lösung für „ihr“ Unternehmen. Es verbessert dadurch Sichtbarkeit und Passung und fördert gezielt entsprechende Kompetenzen.
 

Ich finde es gut, dass es eine Abwechslung zum normalen Unterricht ist – und dass man Unternehmen wirklich hilft. So einen direkten Kontakt zu einer Firma hat man sonst kaum.

Schülerin an einem beteiligten Berufskolleg

Unternehmerische Kompetenzen als Antwort auf die Passungsproblematik

Schüler:innen von vollschulischen Klassen zweier Kölner Berufskollegs lösten in dem im Sommer 2025 durchgeführten Pilotprojekt in zwölf Wochen reale Unternehmensaufgaben und entwickelten praxistaugliche Lösungen. Das gemeinsame Pilotprojekt der Bertelsmann Stiftung und der IW JUNIOR gGmbH, unterstützt durch das Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V., brachte dadurch unternehmerische Praxis in Berufsschulen. Es bot einen praxisnahen Rahmen, der Kompetenzen fördert, Sichtbarkeit schafft und Übergänge in Ausbildung erleichtert. 

Das Projekt ermöglichte Schüler:innen somit Berufsorientierung mit einem echten Auftrag, die Möglichkeit, die eigenen Kompetenzen zu zeigen und „Touchpoints“ mit regionalen Unternehmen zu haben. Unternehmen wiederrum konnten die Teilnehmer:innen im Arbeitsprozess erleben und erhielten erprobbare Lösungsvorschläge zu einer echten Aufgabenstellung.

Rückblick und Erfahrungsgewinn

Die gemeinsam von Schüler:innen, Lehrkräften und Unternehmer:innen umgesetzte Aufgabe zeigt, dass Schüler:innen gestärkt aus dem Projekt hervorgehen und Unternehmen eine neue Perspektive auf potenzielle Auszubildende gewinnen. Ein gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe schafft den Perspektivenwechsel und die Überbrückung unterschiedlicher Erwartungshaltungen. 

Darüber hinaus zeigte sich im Pilotprojekt die Relevanz einer besseren regionalen Passung zwischen Schulen und Betrieben, um lokale Ausbildungsbeziehungen zu fördern. Engere Feedbackschleifen zwischen Teilnehmer:innen, Lehrkräften und Unternehmen erwiesen sich im Ablauf als wirksam, um Bedarfe frühzeitig zu erkennen und passgenaue Unterstützung anzubieten.

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