Illustrierte Glühbirne auf einem bunten Aquarell-Hintergrund in Blau-, Gelb- und Violetttönen. Im Inneren des Glaskolbens befinden sich Zeichnungen einer startenden Rakete, eines steigenden Säulendiagramms mit einem Pfeil nach oben sowie verschiedener Zahnräder und Wabenstrukturen.

Mehr als jeder dritte junge Mensch kann sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen

Insbesondere Schüler:innen stehen einem späteren Schritt in die Selbstständigkeit offen gegenüber. Doch damit die Absichten tatsächlich zu Gründungen führen, müssen Hürden abgebaut werden. Vor allem braucht es mehr und frühere Informationsangebote sowie Unterstützung im Umgang mit Stress. Sorgen über den Zugang zu Startkapital spielen hingegen kaum noch eine Rolle.

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Ivo Andrade
Project Manager
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Dr. Tobias Bürger
Senior Project Manager

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Fast vier von zehn jungen Menschen in Deutschland können sich vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. In einer repräsentativen Befragung von 14- bis 25-Jährigen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung äußerten neun Prozent die feste Absicht, sich bis zu ihrem 30. Geburtstag selbstständig zu machen. 28 Prozent können sich eine Gründung vorstellen, sind sich allerdings noch nicht ganz sicher. 31 Prozent der Befragten können sich eine Rolle als Gründer:in momentan zwar eher nicht vorstellen, schließen die Möglichkeit aber auch nicht aus. Für 29 Prozent stellt der Schritt in die Selbstständigkeit momentan keine Option dar.

„Es ist gut, dass so viele junge Menschen Interesse daran zeigen, eine eigene Firma zu gründen. Neue Unternehmen bringen oft frische Geschäftsideen mit, sie schaffen Arbeitsplätze und stärken die Wettbewerbsfähigkeit. Gerade in der aktuell herausfordernden Situation kann die deutsche Wirtschaft solche Impulse dringend gebrauchen. Wichtig ist, die von jungen Menschen gegründeten Unternehmen gut zu begleiten. Dabei helfen Netzwerke für junge Gründer:innen, um Ideen und Erfahrungen auszutauschen“, sagt Ivo Andrade, Experte der Bertelsmann Stiftung für Jugend und Wirtschaft. Ein gutes Beispiel dafür ist das Young Founders Network, das von der Bertelsmann Stiftung unterstützt wird.
 

Informationsdefizite und Sorgen vor Stress hindern häufig am Gründen

Ermutigend ist, dass sich laut aktuellem Global Entrepreneurship Monitor der Anteil von Gründer:innen im Alter von 18 bis 24 Jahren in Deutschland von 2024 bis 2025 fast verdoppelt hat: von knapp 13 Prozent auf über 23 Prozent. Dennoch gibt es nach wie vor Hemmnisse, die junge Menschen von der Selbstständigkeit abhalten, wie die Befragung der Bertelsmann Stiftung zeigt. Von den Befragten, die sich eine Gründung nicht vorstellen können, schätzen 60 Prozent die Selbstständigkeit als zu unsicher ein und bevorzugen ein Angestelltenverhältnis. Während eine fehlende persönliche Risikobereitschaft nur schwer zu verändern ist, sieht es bei den zwei weiteren bedeutendsten Hürden anders aus: 48 Prozent geben an, zu wenig über die Gründung eines Unternehmens zu wissen, was insbesondere für die befragten Schüler:innen gilt. 39 Prozent äußern die Sorge, dass das Gründen mit zu viel Stress verbunden ist. Das betrifft überwiegend diejenigen, die die Schule bereits verlassen haben. Um den Zugang zu Startkapital sorgt sich hingegen nicht mal mehr jede:r zehnte Befragte.

Wie die Befragungsergebnisse außerdem zeigen, ist die Gründungsbereitschaft je nach Schulbildung unterschiedlich ausgeprägt: Während sich 42 Prozent der befragten jungen Menschen, die ein Gymnasium besuchen oder das Abitur bereits erlangt haben, die Gründung eines Unternehmens zumindest vorstellen können, sind es bei Hauptschüler:innen bzw. denen mit Hauptschulabschluss zusammengenommen nur 27 Prozent. Umgekehrt kommt es für die Hälfte der Befragten mit niedriger Schulbildung nicht infrage, zu gründen, wohingegen das nur für ein Fünftel derjenigen mit hohem Bildungsniveau gilt. Auch das Alter spielt eine Rolle: Die 14- bis 20-jährigen Befragten können sich häufiger eine Gründung vorstellen als die im Alter von 21 bis 25 Jahren. 


Informationen besser zugänglich machen, Resilienz gezielt stärken

Laut der Experten der Bertelsmann Stiftung sei es daher wichtig, schon während der Schulzeit unternehmerisches Denken und Handeln stärker zu fördern sowie relevante Kompetenzen und Wissen für eine Gründung zu vermitteln – unabhängig vom Bildungsgrad. Dafür bieten sich altersgerechte Bildungs- und Trainingsinhalte, zum Beispiel Workshops und Schülerfirmen, außerhalb der Schule an. Ebenso sei es nötig, Informationsmaterialien übers Gründen zielgruppengerechter an junge Menschen zu bringen, vor allem über Social-Media-Kanäle. Auch hierfür ist das Young Founders Network eine gute Anlaufstelle. Zudem sollten Angebote zum Aufbau von Resilienz ausgeweitet und bekannter gemacht werden, um junge Menschen im Umgang mit Stress zu stärken. Beispiele sind die kostenlosen Beratungsleistungen der Agentur für Arbeit oder der Jugendberufshilfe, betriebliche Programme zur Gesundheitsförderung sowie Präventionskurse und Apps der Krankenkassen, die auf Stressresistenz ausgerichtet sind.

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Zusatzinformationen:
Für die Studie wurden 1.763 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren sowie 1.325 Auszubildende im Alter von 15 bis 25 Jahren repräsentativ befragt. Die Online-Befragung mittels eines standardisierten Fragebogens erfolgte von Anfang März bis Mitte April 2026. Die Stichprobe ist nach dem Alter und Schulbesuch bzw. -abschluss gewichtet.