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Worauf es bei der Bildung und bedarfsgerechten Förderung von Kita-Kindern ankommt

Kita-Kinder haben sehr unterschiedliche Bedarfe. Insbesondere die Bildung und Entwicklung von Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache oder einer Eingliederungshilfe stellen erhöhte Anforderungen an die pädagogische Arbeit. Für eine bedarfsgerechte Förderung aller Kinder müssten mehr Kita-Teams in Deutschland personell besser aufgestellt sein. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei der fachlich empfohlenen Personalausstattung im Ost-West-Vergleich. Das von der Politik geplante Startchancen-Programm für Kitas könnte die Situation verbessern – wenn die Mittel dort zum Einsatz kommen, wo der Handlungsbedarf am größten ist.

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Anette Stein
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Kathrin Bock-Famulla
Senior Expert Frühkindliche Bildung, Educational Governance und Bildungsfinanzierung
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Eva Berg
Project Manager

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Gerade einmal jede siebte Kita in Deutschland weist 100 Prozent der wissenschaftlich empfohlenen Personalbesetzung auf, um eine gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung für alle Kinder in der jeweiligen Einrichtung zu gewährleisten. Ein knappes Viertel der Kitas verfügt über 80 bis unter 100 Prozent, 41 Prozent der Einrichtungen erreichen einen Wert zwischen mehr als 60 und 80 Prozent. Etwa jede fünfte Kita hat 60 Prozent oder weniger der empfohlenen Personalkapazitäten zur Verfügung. Hierbei zeigen sich große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Während im Westen nur 11 Prozent der Kitas über eine personelle Ausstattung von 60 Prozent oder weniger als der fachlich empfohlene Wert verfügen, sind es im Osten 65 Prozent. Umgekehrt erreichen 16 Prozent der westdeutschen Kitas die bestmögliche Personalbesetzung, während das nur 2 Prozent der ostdeutschen Kitas gelingt. 

Dementsprechend unterscheiden sich die Werte auf Ebene der Bundesländer: Die höchsten Anteile von Kitas, deren Personalausstattung den wissenschaftlichen Empfehlungen entspricht, weisen Baden-Württemberg (36 Prozent), Bremen (32 Prozent) und Niedersachsen (20 Prozent) auf. Die anteilig meisten Kitas, in denen 60 Prozent oder weniger der eigentlich benötigten Fachkräfte vorhanden sind, gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen (jeweils 84 Prozent) sowie in Sachsen-Anhalt (76 Prozent). Das geht aus den von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebenen Berechnungen des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) hervor.

Gute Personalausstattung umso wichtiger bei besonderen pädagogischen Anforderungen

Eine angemessene Ausstattung mit Fachkräften ist eine zentrale Voraussetzung für eine gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung. Ob die vorhandene Anzahl an Erzieher:innen, Kinderpfleger:innen und weiteren pädagogisch tätigen Mitarbeitenden, ausgehend vom Bedarf der Kinder, tatsächlich angemessen ist, hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab: der Größe der Kita, dem Alter der betreuten Kinder sowie den besonderen pädagogischen Anforderungen. Diese entstehen zum Beispiel bei Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache sowie bei denjenigen, die eine Eingliederungshilfe erhalten – etwa im Fall einer geistigen, körperlichen oder drohenden seelischen Beeinträchtigung. Die professionelle Förderung dieser Kinder erfordert eine differenziertere pädagogische Arbeit. 

„Kitas könnten Kinder in ihrer Bildung und Entwicklung deutlich besser fördern, wenn sie eine bedarfsgerechte Personalausstattung hätten. Das gilt gerade für diejenigen Kitas, die Kinder in ihrer Mehrsprachigkeit fördern oder Kinder mit Eingliederungshilfe unterstützen. Denn diese Aufgaben stellen besondere pädagogische Anforderungen dar. Chancengerechtigkeit kann es nur geben, wenn es gelingt, auf alle Kinder entsprechend ihrer Bedarfe einzugehen“, sagt Anette Stein, Director Bildung und Next Generation der Bertelsmann Stiftung. Wichtig ist aus Sicht der Expertinnen: Zusätzliches Personal führt nur dann zu einer kindgerechten frühen Bildung, wenn die Mitarbeitenden pädagogisch qualifiziert sind und die Teamprozesse gut funktionieren.

Wichtige Anhaltspunkte für die Zuteilung von zusätzlichem Personal

Um zu veranschaulichen, ob eine Kita gemessen an ihrer individuellen Situation und den pädagogischen Anforderungen personell gut besetzt ist, haben die Expert:innen der Bertelsmann Stiftung und des ÖIF die sogenannte Personalausstattungsquote als rechnerische Vergleichsgröße eingeführt. Sie zeigt, bis zu welchem Grad eine Kita die fachlich empfohlene Personalausstattung erreicht. Die Daten liegen sowohl bundesweit als auch auf Ebene der Bundesländer und Kreise bzw. kreisfreien Städte vor. Dabei berücksichtigen die Expert:innen, dass eine Kita-Fachkraft im Schnitt nur rund zwei Drittel ihrer wöchentlichen Arbeitszeit für die unmittelbare pädagogische Tätigkeit mit Kindern verwenden kann.

Die Personalausstattungsquote kann wichtige Anhaltspunkte für die Steuerung des geplanten Kita-Startchancen-Programms liefern. Das betrifft etwa auch die Zuteilung von Mitteln an Kitas, die aufgrund der Förderbedarfe ihrer Kinder zusätzliches Personal benötigen. Beispielsweise zeigt die Auswertung der Bertelsmann Stiftung: Die personellen Empfehlungen für eine kindgerechte frühe Bildung werden bei einem steigenden Anteil an Kindern mit Eingliederungshilfe im Durchschnitt eher erreicht als bei einem steigenden Anteil an Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache.

Kinder mit besonderem Förderbedarf sollten im Fokus stehen

Aus Sicht der Expertinnen der Bertelsmann Stiftung bietet das Startchancen-Programm die Chance, Kinder mit besonderen pädagogischen Anforderungen besser zu fördern. Die Umsetzung in der Praxis sei aber anspruchsvoll: „Unsere Daten zeigen, dass viele Kitas noch nicht einmal die fachlich notwendige personelle Grundausstattung für eine gute frühe Bildung aufweisen. Daher könnte es dazu kommen, dass die Mittel genutzt werden, um die Lücken abzudecken. Das Programm würde jedoch vor allem dann Wirkung entfalten, wenn die daraus finanzierten zusätzlichen Personalstunden tatsächlich für die Arbeit mit den Kindern mit besonderen Förderbedarfen zur Verfügung stehen“, erläutert Kathrin Bock-Famulla, Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann Stiftung.

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