Die Bertelsmann Stiftung begrüßt das Ziel, die Bildungschancen aller Kinder zu verbessern und Kitas in herausfordernden Lagen zusätzlich zu unterstützen. Entscheidend ist, ob die Maßnahmen im Alltag der Kinder ankommen.
Dafür sehen wir drei zentrale Anforderungen.
Erstens: Die Stärkung und Verbesserung der pädagogischen Praxis braucht mehr Priorität.
Die meisten Kita-Fachkräfte wissen, welche Unterstützung Kinder benötigen. Häufig fehlen ihnen jedoch Zeit und fachliche Begleitung, um diesen Bedarfen gerecht zu werden.
Deshalb empfehlen wir, qualifizierte Fachberatung und kontinuierliche Praxisbegleitung deutlich früher auszubauen. Sie können Teams unterstützen, ihr pädagogisches Handeln zu reflektieren, passende Bildungsangebote zu entwickeln und die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern. Dafür brauchen die Teams verlässliche Zeit im Arbeitsalltag.
Die Mindestzeiten für Fachberatung sind derzeit erst für 2032 geplant. Diese Unterstützung brauchen KiTa-Teams bereits heute.
Zweitens: Es braucht eine Passung von Auftrag und professionellen Arbeitsbedingungen.
Wer Leistungen von Kitas erwartet, muss die dafür erforderlichen Kapazitäten sichern. Fachkräfte brauchen Zeit für jedes Kind, die Zusammenarbeit mit Familien und fachliche Reflexion.
Hier bleibt eine zentrale Lücke: Für die Feststellung von Förderbedarfen sowie die Planung und Begleitung der Förderung sind Zeiten vorgesehen. Ein festgestellter Förderbedarf allein sichert noch keine qualifizierte Förderung. Die Durchführung der Förderung soll aber über die allgemeine Personalausstattung abgedeckt werden. Belegt ist, dass die Mehrzahl der Kitas bis heute noch nicht die fachlich notwendige Ausstattung erreicht. Nur wenn Kitas eine hohe Interaktionsqualität realisieren können, profitieren Kinder vom Kita-Besuch. Deshalb muss nachvollziehbar bestimmt werden, welche personellen und zeitlichen Ressourcen Kitas zur Erfüllung ihres gesamten Auftrags und für zusätzliche Förderung benötigen.
Drittens: Der umfassende Bildungsauftrag sollte die Ausgestaltung des Gesetzes bestimmen.
Kinder sollen zu selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten heranwachsen. Sprachliche und mathematische Fähigkeiten gehören dazu. Zugleich brauchen Kinder Gelegenheiten, eigene Ideen zu entwickeln, Konflikte zu lösen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Dabei lernen sie, ihre Fähigkeiten miteinander zu verbinden und im Alltag einzusetzen.
Die Hervorhebung einzelner Kompetenzbereiche birgt das Risiko, dass diese künftig die pädagogische Arbeit und ihre Finanzierung dominieren. Der umfassende Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag muss deshalb auch der Maßstab für die Ressourcenausstattung bleiben.
Unser Anliegen ist: Anspruchsvoller Bildungsauftrag, professionelle Arbeitsbedingungen und Finanzierung müssen verbindlich zusammengeführt werden. Der Erfolg dieses Gesetzes muss sich daran zeigen, ob jedes Kind im Alltag die Unterstützung erhält, die es für seine Entwicklung braucht.


