Panel / Raum

Unternehmen in der Demokratie: Studienergebnisse in Berlin diskutiert

Wie blicken Unternehmen in Deutschland auf die Demokratie? Welche Verantwortung sehen sie für sich selbst? Und was braucht es, damit ihr Engagement wirksam werden kann? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der neuen Studie „Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert“, die am 6. Juli veröffentlicht und im Haus der Bertelsmann Stiftung in Berlin mit Entscheider:innen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Zivilgesellschaft diskutiert wurde.

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Rebekka Vollmer
Project Manager
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Dr. Dominik Hierlemann
Senior Advisor

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Das große Interesse und die hohe Beteiligung an der Veranstaltung zeigten: Die Frage, wie Unternehmen zur Stärkung der Demokratie beitragen können, trifft einen Nerv. Nach der Präsentation der Studienergebnisse durch Matthias Diermeier, Institut der deutschen Wirtschaft, und Rebekka Vollmer, Bertelsmann Stiftung, diskutierten Andreas Pinkwart, neuer Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des BDI, und Sepp Müller, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, auf dem Podium über die Rolle von Unternehmen in einer unter Druck stehenden Demokratie. Moderiert wurde die Diskussion von Dominik Hierlemann.

Die Studie zeigt: Unternehmen in Deutschland stehen klar hinter der Demokratie – als Grundlage erfolgreichen Wirtschaftens und als Wert an sich. 93 Prozent bewerten Demokratie als wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Zugleich sehen mehr als 90 Prozent im Vertrauensverlust in demokratische Institutionen eine reale Gefahr für die Demokratie. Auch Polarisierung und wirtschaftliche Schwäche werden als zentrale Risiken wahrgenommen. Viele Unternehmen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen: Fast 60 Prozent halten ein Engagement für Demokratie sogar dann für wichtig, wenn es mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden sein sollte. Gleichzeitig macht die Studie deutlich: Zwischen Haltung und Handeln besteht eine Lücke. Viele Aktivitäten bleiben bislang innerhalb des eigenen Betriebs. Dass Unternehmen noch nichts oder noch nicht mehr für die Demokratie tun, liegt weniger an der Sorge vor Boykotten oder Konflikten mit Kunden oder der Belegschaft. Entscheidend sind vielmehr begrenzte Ressourcen und die Frage, welches Engagement tatsächlich wirksam ist.

In der Diskussion wurde deutlich: Es braucht weniger abstrakte Appelle und mehr konkrete Unterstützung, Orientierung und Infrastruktur – gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Unternehmen sind auf Demokratie als Rahmenbedingung für verlässliches Wirtschaften angewiesen. Zugleich prägen sie Arbeitswelten, in denen täglich Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und politischen Positionen aufeinandertreffen. Ihr Engagement ist deshalb nicht nur legitim, sondern wichtig. 

Breit geteilt wurde auf dem Podium auch die Einschätzung, dass demokratische Politik eine bessere Balance zwischen Tempo und Qualität politischer Entscheidungen finden muss. In Zeiten multipler Krisen wächst der Druck, schneller zu handeln. Gleichzeitig braucht demokratische Entscheidungsfindung Sorgfalt, Beteiligung, Transparenz und tragfähige Kompromisse. Demokratie muss zeigen, dass sie handlungsfähig ist – ohne ihre eigenen Qualitätsansprüche aufzugeben.

Ein weiterer zentraler Gedanke der Diskussion: Demokratie ist nicht nur Aufgabe staatlicher Institutionen oder einzelner gesellschaftlicher Gruppen. Demokratie sind wir alle. Jede und jeder kann im eigenen Einflussbereich etwas zu ihrer Stärkung beitragen – in Unternehmen, Verwaltungen, im persönlichen Umfeld, als Bürger. Damit geht die Verantwortung über Unternehmen hinaus: Sie betrifft Organisationen ebenso wie Individuen.

Demokratische Erneuerung sollte zudem nicht aus einer defensiven Logik heraus gedacht werden. Reformen und politisches Handeln sollten nicht in erster Linie darauf zielen, extreme Parteien zu verhindern. Sie sollten aus dem eigenen Anspruch entstehen, Dinge besser zu machen, Probleme wirksamer zu lösen und überzeugendere Ideen anzubieten. Es geht um einen Wettbewerb um gute Lösungen – und darum, demokratische Politik aus eigener Stärke heraus attraktiver und leistungsfähiger zu machen.

Die Veröffentlichung der Studie ist damit nicht Abschluss, sondern Ausgangspunkt für den weiteren Austausch darüber, wie Unternehmen und andere gesellschaftliche Akteure zur Stärkung demokratischer Resilienz beitragen können. 

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