Future Skills sind überfachliche Kompetenzen, die es Menschen ermöglichen, in einer sich schnell wandelnden Welt selbstwirksam, gemeinschaftsorientiert sowie lern- und handlungsfähig zu sein. Dazu zählen beispielsweise kritisches Denken, Lernbereitschaft, Kommunikations- und Teamfähigkeit. Diese Kompetenzen sind nicht an einzelne Berufe gebunden. Vielmehr unterstützen sie Menschen dabei, ihr Leben, Lernen und Arbeiten aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.
© Prostock-studio - stock.adobe.com
Future Skills – Kompetenzen für eine sich wandelnde Lebens- und Arbeitswelt
Future Skills sind Kompetenzen, die auf dem Arbeitsmarkt zunehmend gefragt sind. Technologische Innovationen, globale Krisen und gesellschaftliche Transformationen wie der demografische Wandel verändern die Arbeitswelt und die Anforderungen an Qualifikationen zunehmend schneller. Berufsbilder wandeln sich, neue Tätigkeiten entstehen – und Beschäftigte müssen ihre Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickeln, um mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten.
Content
Future Skills in Freiwilligendiensten stärken
Freiwilligendienste wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) oder der Bundesfreiwilligendienst (BFD) bieten jungen Menschen vielfältige Lern- und Entwicklungsräume. Ob direkt nach der Schule, nach einer Ausbildung oder in einer Phase der Neuorientierung – hier sammeln sie praktische Erfahrungen, übernehmen Verantwortung und entwickeln wichtige überfachliche Kompetenzen. Obwohl viele Freiwillige sich in ihrer Dienstzeit persönlich entwickeln, wurde dies bislang selten systematisch erfasst. Hier setzt das Vorhaben „Engagement stärkt Future Skills“ an:Ziel ist es, die Entwicklung von Future Skills in Freiwilligendiensten systematisch zu erfassen, sichtbar zu machen und zu fördern. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet dabei eng mit rund 20 Wohlfahrtsverbänden in Deutschland zusammen, die jährlich insgesamt ca. 68.000 junge Menschen in Freiwilligendiensten begleiten.
Kompetenzentwicklung sichtbar machen und pädagogisch begleiten
Die Bertelsmann Stiftung hat einen digitalen Selbsttest entwickelt, mit dem Freiwillige ihre Future Skills im Dienstjahr 2026/27 erstmals valide einschätzen können – einmal zu Beginn und einmal am Ende ihres Dienstes. Direkt nach der Teilnahme erhalten die Freiwilligen eine strukturierte Rückmeldung zu ihren Stärken und Potenzialen. Durch die wiederholte Durchführung wird sichtbar, wie sich ihre Kompetenzen im Verlauf des Freiwilligendienstes entwickelt haben. Diese Rückmeldung unterstützt Freiwillige dabei, ihre Fähigkeiten bewusst zu reflektieren und sich mögliche Lernziele für ihre weitere Entwicklung zu setzen. Zugleich kann die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken wertvolle Impulse für die weitere berufliche Orientierung geben.
Im Rahmen ihres Freiwilligendienstes nehmen die Freiwilligen an rund 25 Bildungstagen teil, in die der Selbsttest integriert wird. Hier werden sie von geschulten Pädagog:innen begleitet. Zur Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte wurde ein Train-the-Trainer-Konzept entwickelt. Dieses umfasst Schulungsangebote und didaktische Materialien, die eine gezielte Begleitung der Kompetenzreflexion ermöglichen.
Kompetenzen per Selbsttest wissenschaftlich fundiert erfassen
Die Teilnehmenden werden gebeten, sich selbst anhand von insgesamt rund 80 Aussagen zu 23 überfachlichen Kompetenzen auf einer Skala von 1 („trifft gar nicht zu“) bis 6 („trifft voll zu“) zu verorten. Die zugrundeliegenden Kompetenzen orientieren sich an dem europäischen Kompetenzmodell ESCO (European Skills, Competences, Qualifications and Occupations), das eine standardisierte und europaweit anschlussfähige Beschreibung ermöglicht. Die wissenschaftliche Qualität des Selbsttests wurde in enger Zusammenarbeit mit Expert:innen der Humboldt-Universität zu Berlin sichergestellt. Zudem wurde das Instrument empirisch überprüft. In einer Validierungsstudie mit rund 500 Personen im Alter von 16 bis 27 Jahren wurde untersucht, dass der Selbsttest die gewünschten Kompetenzen korrekt misst und konsistente Ergebnisse liefert. Eine Normierungsstudie mit einer Gruppe von etwa 1.500 Personen, die repräsentativ für u.a. Alter und Geschlecht ist, stellt zusätzlich die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicher.
Wirkung von Freiwilligendiensten aufzeigen
Ein zentrales Anliegen des Projektes besteht darin, empirische Evidenz für die Wirkung von Freiwilligendiensten auf die Kompetenzentwicklung junger Menschen zu gewinnen. Die im Rahmen des Selbsttests erhobenen Daten werden anonymisiert ausgewertet und den Trägern zur Weiterentwicklung ihrer Bildungsangebote bereitgestellt. Die Bertelsmann Stiftung erstellt außerdem eine unabhängige Studie, die den Beitrag von Freiwilligendiensten zur Entwicklung von Future Skills systematisch analysiert. Auf Basis der Ergebnisse werden außerdem didaktische Bausteine für die Bildungstage entwickelt. Diese unterstützen Pädagog:innen dabei, Future Skills von jungen Menschen in Freiwilligendiensten gezielt zu stärken.
Ausblick
Perspektivisch soll der Selbsttest über unsere Website meine-berufserfahrung.de auch weiteren Zielgruppen zur Verfügung gestellt werden, um Future Skills in unterschiedlichen Bildungs- und Lebenskontexten sichtbar zu machen. Gleichzeitig werden die gewonnenen Erkenntnisse genutzt, um Bildungsangebote – sowohl in Freiwilligendiensten als auch darüber hinaus – gezielter auf die Förderung von Future Skills auszurichten. Durch die Kombination aus empirischer Evidenz, Selbstreflexion und didaktischer Begleitung entsteht eine Grundlage, auf der Individuen, Organisationen und Bildungsträger Kompetenzentwicklung bewusster gestalten können.
Langfristig trägt das Vorhaben so dazu bei, dass junge Menschen und Beschäftigte besser auf Krisen vorbereitet und Transformationsprozesse aktiv mitgestalten können. Unternehmen profitieren von Mitarbeitenden, die proaktiver, lernbereiter und resilienter agieren – wichtige Voraussetzungen für Produktivität und Innovationsfähigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt.


