Gruppenbild der Teilnehmer:innen des Salzburger Trilogs 2021

Salzburger Trilog 2021 – Globale Probleme gemeinsam lösen

Wie kann Fortschritt angesichts der Herausforderungen einer komplexen Welt gestaltet werden? Diese Frage stand im Fokus des 20. Salzburger Trilogs 2021 unter dem Titel "United in a Fragile World – Defining the Fine Line between Progress and Improvement".

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Jochen Arntz
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Jörg Habich

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Auf Einladung von Liz Mohn, der Initiatorin des Salzburger Trilogs, und Wolfgang Schüssel, dem ehemaligen Bundeskanzler der Republik Österreich, trafen sich am Dienstag, den 24.08.2021 rund 30 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum offenen Austausch in der Mozartstadt.

Liz Mohn begrüßte am Vorabend die Teilnehmer:innen und stellte in ihrer Rede heraus: "Die Welt steht vor großen politischen, wirtschaftlichen, demografischen und ökologischen Herausforderungen. Weltweit verzeichnet das Heidelberger Konflikt-Barometer aktuell 21 offizielle Kriege und 359 Konflikte. Was für dramatische Zahlen! Das Leid vieler Menschen ist unermesslich. (…) Zudem befinden wir uns weltweit durch die Digitalisierung und die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz in einem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbruch, der unsere Arbeit und unser ganzes Leben verändert. Angesichts dieser Herausforderungen brauchen wir gerade jetzt weltweit eine neue Aufbruchstimmung. Wir brauchen neue Formen der internationalen Verständigung. Denn heute können und müssen wir entscheiden, wie wir das Morgen gestalten. Dafür braucht es Gemeinschaft und die Kraft der Menschlichkeit."

In der Hybrid-Veranstaltung, die unter Einhaltung der Corona-Schutzverordnung stattfand, betonte Wolfgang Schüssel: "Die COVID-19-Pandemie hat die Debatte darüber intensiviert, wie eine bessere Zukunft aufgebaut werden kann, wie unsere Welt und unsere Umwelt für die kommenden Generationen geschützt werden können, wie die Demokratie bewahrt und die Rechtsstaatlichkeit und eine offene Gesellschaft geschützt werden können. Gleichzeitig hat die Pandemie gezeigt, wie zerbrechlich die Welt ist. Zu viele Selbstverständlichkeiten wurden unmöglich oder mit Einschränkungen belastet. Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit sind nichts Neues, die Menschheit hat schon immer mit unerwarteten Entwicklungen zu kämpfen gehabt. Letztlich haben die Menschen es aber immer geschafft, zu überleben und Wege zu finden, um mit schwierigen Zeiten fertig zu werden. Dies wird jedoch nicht auf individueller Basis funktionieren – wir müssen zusammenarbeiten, unsere Kräfte, Intelligenz und Kreativität bündeln."

Ein "Ring of Fire" um Europa

In der vierstündigen Diskussion in Salzburg wurden die großen weltpolitischen Themen angesprochen:

  • Die aktuelle Lage in Afghanistan,
  • die Folgen der COVID-19-Pandemie,
  • die Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten beziehungsweise -grenzen von inter- und supranationalen Organisationen (WTO, UNHCR, EU),
  • die Herausforderungen für den Kulturbetrieb durch verschiedene Lockdowns.

Aber auch die Herausforderungen für Europa mit Blick auf Afrika und China spielten trotz der Aktualität der anderen Themen nach wie vor eine wichtige Rolle in der Welt und dürften nicht in Vergessenheit geraten, waren sich die Teilnehmer:innen einig.

Bestehende Herausforderungen können nicht mehr einzeln betrachtet und gelöst werden. Europa zum Beispiel ist von einem "Ring of Fire" umgeben.

Immer häufiger ist nicht mehr nur eine Region, eine Gesellschaft oder ein Land betroffen, was ein grenzübergreifendes Vorgehen erforderlich macht. Herausforderungen bestehen nicht mehr nur lokal isoliert und erfordern daher ein globales Vorgehen. So macht auch Corona trotz nationaler Kompetenzen im Gesundheitswesen nicht vor Ländergrenzen halt und besteht weiterhin als globales Problem.

Dies verdeutlicht, dass auch in Zukunft der Umgang mit Unsicherheiten gelernt werden muss. Globale Probleme lassen sich leichter und besser lösen, wenn wir uns zusammenschließen. Hierzu gehören die Themen Krieg und Terrorismus, Klimawandel und die Ungleichheit zwischen reichen und armen Ländern.

Dies wirft jedoch die Frage auf: Wie gut funktioniert die Gemeinsamkeit, wenn es darum geht, Probleme zu lösen? Zusammenarbeit bedeutet, dass es notwendig ist, Ziele oder Interessen – zumindest für eine gewisse Zeit – zu teilen, um einen Vorteil zu erreichen, einen Austausch zu gewährleisten und sich als Teil eines größeren Ganzen zu sehen. Auch gegenseitiges Vertrauen ist ein ausschlaggebender, aber häufig außer Acht gelassener Faktor für den (Miss-)Erfolg der Zusammenarbeit.

Von links: Dr. Wolfgang Schüssel, ehemaliger österreichischer Bundeskanzler, Dr. Brigitta Pallauf, Präsidentin des Salzburger Landtages, Liz Mohn, Initiatorin des Salzburger Trilogs, Karoline Edtstadler, österreichische Bundesministerin für EU und Verfassung.

Ist Fortschritt immer eine Verbesserung?

Die Teilnehmer:innen des Salzburger Trilogs 2021 stellten außerdem klar, dass gerade in einer unbeständigen, unsicheren und komplex erscheinenden Welt es notwendig ist, den Fortschritt und die Entwicklung von Gesellschaften zu gestalten. Als Leitvorstellung und Bedingung der modernen Gesellschaft sind Fortschritt und Entwicklung zugleich mit der Hoffnung auf Zukunft und Wachstum, aber auch mit einer gewissen Skepsis und Kritik verbunden. Während Veränderungen in der Natur oftmals an der Leistungs- oder Überlebensfähigkeit im bestehenden Ökosystem gemessen werden, ist der kulturell und vom Menschen gemachte Wandel mit dem Risiko der Fehleinschätzung hinsichtlich dieser Leistungsfähigkeit belastet. So müssen nicht jeder Fortschritt und jede Entwicklung zwangsläufig eine Verbesserung darstellen.

Weitere auf dem Salzburger Trilog 2021 diskutierte Fragen waren: Mit welcher Art Fortschritt können wir den aktuellen Herausforderungen zur Gestaltung einer besseren Zukunft begegnen? Wie kann die Zerrissenheit in vielen Gesellschaften überwunden werden? Können Fortschritt und Entwicklung in Zukunft besser in Einklang gebracht werden? Wie kann in einer fragilen Welt eine Planung angestrebt werden, wenn die Auswirkungen von Fortschritt und Entwicklung erst mit einer Verzögerung wie beim Klimawandel wahrgenommen werden?

Beim Salzburger Trilog trifft sich einmal im Jahr ein Kreis internationaler Persönlichkeiten, um wechselnde Zukunftsfragen zu diskutieren. Bei dem von der Bertelsmann Stiftung initiierten Gedankenaustausch stehen die unterschiedlichen Perspektiven aus Wirtschaft, Politik und Kultur im Vordergrund. Durch engagierte Diskussionen um Werte und Grundsätze hat sich der Trilog im Laufe der Jahre als außergewöhnliche Dialogveranstaltung etabliert.