Liz Mohn, stellevertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung steht in einem weiß-schwarzen Hosenanzug im Foyer der Stiftung.

Menschlichkeit gewinnt

Liz Mohn, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, fordert mehr Verantwortung von Unternehmern – und einen kritischen Blick auf die wichtigsten Herausforderungen in unserer Gesellschaft.

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Demokratie vitalisieren – politische Teilhabe stärken

Live-Mitschnitt der Festveranstaltung zum Reinhard Mohn Preis 2011 im Gütersloher Theater. Die brasilianische Stadt Recife erhält den erstmals ausgelobten Preis der Bertelsmann Stiftung.

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Demokratie vitalisieren – politische Teilhabe stärken

Spitzenpolitiker und Experten fordern eine Erweiterung der politischen Beteiligungsrechte der Bürger sowie mehr Beteiligungsmöglichkeiten in Deutschland.

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Dokumentation

Eindrücke vom Kommunalkongress 2011 der Bertelsmann Stiftung. Die Veranstaltung, an der rund 600 kommunale Entscheider teilnahmen, stand unter dem Motto "Kinder und Jugendliche: Zukunft mit Perspektive - mehr Handlungsspielraum für Kommunen".

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Interview

Wie ticken Jugendliche? Diese Frage beantwortet Dr. Marc Calmbach, Researcher & Consultant im Bereich Sozialforschung bei Sinus Sociovision in Berlin, im Interview und berichtet von seinen Forschungsergebnisse zu Lebenswelt junger Menschen.

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Demokratie vitalisieren – politische Teilhabe stärken

Ob bei der Jugendarbeit, Nachbarschaftshilfe, zukünftigen Budgetfragen oder Flächennutzung: Die Küstenstadt Hampton im US-Bundesstaat Virginia zeigt, dass Probleme effektiver gelöst und knappe Finanzmittel zielgerichteter eingesetzt werden, wenn Bürger aktiv an politischen Entscheidungen beteiligt sind.

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Demokratie vitalisieren – politische Teilhabe stärken

In der kanadischen Provinz British Columbia an der Pazifikküste entstand aus der Unzufriedenheit mit dem Westminster-Wahlsystem 2004 eine von der Regierung initiierte Bürgerversammlung, parteineutral und nach dem Zufallsprinzip zusammengesetzt. Diese erarbeitete Empfehlungen, über die dann in einer Volksabstimmung entschieden wurde.

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Demokratie vitalisieren – politische Teilhabe stärken

Der 40.000-Einwohner-Ort Geraldton an der australischen Westküste macht durch seine Beteiligungsformate deutlich, dass nachhaltige Entwicklung und nachhaltiges Wachstum nur gemeinsam mit Bürgern, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung erreicht werden kann.

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Demokratie vitalisieren – politische Teilhabe stärken

Die Hafenstadt Portsmouth im US-Bundesstaat New Hampshire hört auf ihre Einwohner: Unter der Bezeichnung "Portsmouth listens" treten Bürger und Stadtverwaltung seit 1999 in "Study Circles" in Dialog, um aktuelle Probleme (von Gewaltprävention über die Gestaltung der Innenstadt bis hin zu Umweltfragen) zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

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Demokratie vitalisieren – politische Teilhabe stärken

Um gegen die hohe strukturelle Ungleichheit anzugehen, entschied sich die brasilianische Metropole Belo Horizonte (5 Millionen Einwohner) dafür, die Bürger selbst bestimmen zu lassen, wohin die Gelder fließen. Seit Einführung des Bürgerhaushaltes wurden mehr als 1.000 Maßnahmen umgesetzt. Ein Prozess, der das Leben der Menschen in der Stadt nachhaltig verändert hat.

Infos zum Text

Infos zum Text

Von Liz Mohn für change – das Magazin der Bertelsmann Stiftung. Ausgabe 2/2016.

Die Welt ist in Bewegung geraten – wir leben in einer Zeitenwende! So lassen sich wohl am besten die Umwälzungen und Entwicklungen umschreiben. Nicht nur, dass wir von vielen Kriegen und Konflikten betroffen sind, die wir vor Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Auch die Ausdehnung der internationalen Handelsbeziehungen wirft neue Fragen nach der Ausgestaltung der Arbeits- und auch Lebensbedingungen von Milliarden von Menschen auf. Dazu stellt die globale und digitale Vernetzung mit all ihren Chancen und Risiken unsere Gesellschaften und Wirtschaftssysteme vor große Herausforderungen und wird die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen verändern. Noch können wir nicht abschätzen, ob und wie viele Arbeitsplätze betroffen sind. Szenarien, die vom Verschwinden der Hälfte der Berufe in den nächsten zehn Jahren ausgehen, sind ein Alarmsignal.

Viele Menschen reagieren auf die Umbrüche mit Unsicherheit und Zukunftsängsten. Das jedoch sind Gefühle, die den Weg für innovative Lösungen und den Blick für Perspektiven verstellen. Wie kann es also gelingen, Zukunft so zu gestalten, dass sie Innovation und Teilhabe und damit Beschäftigung und Wohlstand in einer globalisierten Welt ermöglicht? „Wir müssen mehr Köpfe ans Denken bringen“ – diese Überzeugung meines Mannes Reinhard Mohn ist aktueller denn je. Denn es braucht die Kräfte aller gesellschaftlichen Gruppen, um den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Dazu braucht es Unternehmenskulturen, die durch die Delegation von Verantwortung sowie Mitsprache und Teilhabe an Arbeits-, Kommunikations- und Entscheidungsprozessen Menschen Sinnerfüllung und Eigenverantwortung in der Arbeit ermöglichen. Vor allen Dingen braucht es aber ein gemeinsames Ziel, auf das sich die beteiligten Interessenvertretungen verständigen und mit dem sie sich identifizieren.

Ein verantwortungsvolles Unternehmertum kann und soll einen wirkungsvollen Beitrag leisten, um gesellschaftlichen Fortschritt mitzugestalten. Viele Beispiele zeigen, dass Unternehmer Wirtschaft und Gesellschaft zusammen denken. Entweder mit innovativen Produkten und Dienstleistungen, die Menschen helfen, ihren Alltag besser zu gestalten. Oder indem sie mit ihren spezifischen unternehmerischen Kompetenzen und Ressourcen zu gesellschaftlichen Veränderungen beitragen. Oder einfach, indem sie Menschen durch Innovation und Wachstum Beschäftigung und Wohlstand und vielleicht in unruhigen Zeiten auch so etwas wie eine „Heimat“ bieten.

Wie wichtig dies ist, wird aktuell an vielfältigen Initiativen der Wirtschaft deutlich, den Menschen, die vor Krieg und Vertreibung geflüchtet sind, eine Perspektive zu bieten. Ob es uns gelingt, sie in unsere Gesellschaft zu integrieren, hängt entscheidend davon ab, ob sie eine Ausbildung machen können und einen Arbeitsplatz finden. Hier haben Unternehmen eine Schlüsselrolle, und die Fülle an bereits realisierten betrieblichen Integrationsprojekten zeigt, dass viele bereit sind, diese Rolle auszufüllen.

Aber auch in anderen Bereichen leisten Unternehmen ihren Beitrag für das Gemeinwohl. Denken wir nur an die vielen mittelständischen Unternehmen, die sich für Bildung und Ausbildung engagieren, für mehr Teilhabe benachteiligter Menschen oder für gute Bedingungen für Familien. Wir brauchen diese Kultur der Verantwortung, denn sie ist wichtig für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Diese mit Engagement und neuen Ideen mitzugestalten, ist gelebtes Unternehmertum.

Der Reinhard Mohn Preis 2016 soll hierzu wichtige Impulse geben. Denn bei aller globaler Wettbewerbsorientierung sollte auch für die Wirtschaft und das Unternehmen die Forderung Reinhard Mohns ein Leitmotiv bleiben: Menschlichkeit gewinnt!