Arne Weychardt

Konzept: Kommunen als gestaltende Kraft in der Pflege

Rund 500.000 Pflegekräfte könnten 2030 fehlen, wenn sich die derzeitigen demographischen Trends fortsetzen. Das sorgt vor allem in Kommunen für Handlungsdruck - denn Pflege findet vor Ort statt. Das Konzept für ein "Regionales Pflegebudget" schlägt vor, die Leistungsmittel der Pflegeversicherung an Städte und Kreise zu übertragen und die Kommunen so in eine gestaltende Rolle zu bringen.

Der Pflegereport der Bertelsmann Stiftung zeigt: Immer mehr Menschen benötigen Pflege, der Unterstützungsbedarf steigt. Zugleich nimmt die Zahl derjenigen ab, die in der Pflege arbeiten. Wenn alles so weitergeht wie bisher, entstehen Versorgungslücken in der Pflege, die sich vor allem in Kommunen bemerkbar machen werden - abhängig von der Altersstruktur in unterschiedlichen Ausprägungen.

Konzept setzt Anreize für ambulante Versorgung

Bei der Diagnose der Versorgungslücke setzt das Konzept für ein "Regionales Pflegebudget" an.  Es schlägt vor, die Leistungsmittel der Pflegeversicherung mit der kommunalen Gestaltungsverantwortung zu verbinden. Kommunen würden entsprechend der Anzahl und Einstufung ihrer pflegebedürftigen Bürger Mittel aus der Pflegeversicherung erhalten . Die Zuweisung wäre unabhängig vom gewählten Pflegesetting – also ambulant oder stationär. Das Besondere: So würde ein finanzieller Anreiz gesetzt, ambulante Versorgungsangebote vor Ort zu fördern. Die individuellen Leistungsansprüche der Pflegebedürftigen und ihre Wahlmöglichkeiten blieben unangetastet.

Bessere Chance für innovative Versorgungskonzepte

Das "Regionale Pflegebudget" sorgt dabei nicht per se für kreative regionale Lösungen. Es kann jedoch eine strukturelle und finanzielle Voraussetzung dafür schaffen, dass innovative Konzepte vor Ort eine bessere Chance haben. Denn: Wenn die Rahmenbedingungen besser sind, dann können die seit langem diskutierten - und in der Fachwelt weitgehend unstrittigen - Ansätze von Care- und Case-Management leichter umgesetzt und an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Ziel der Bertelsmann Stiftung war und ist es, mit dem Konzept eine pflegepolitische Diskussion anzustoßen, die über die Reform der Pflegeversicherung und die Erneuerung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs – so notwendig und dringend beide Vorhaben sind – hinausgeht.

Zusatzstudie zeigt Wirkung von Bedarfsorientierung

Ergänzend zum "Regionalen Pflegebudget" hat die Prognos AG in einer Studie zum "Pflegemix der Zukunft" untersucht, in welchem Umfang sich das Versorgungsgeschehen in der Pflege in den ambulanten Bereich verlagern ließe, wenn einschränkende Umfeldbedingungen durch gute ambulante Angebote ausgeschlossen und nur der eigentliche Pflegebedarf berücksichtigt würde. Ergebnis: Der Anteil stationär versorgter Pflegebedürftiger könnte von 30 auf 21 Prozent sinken.

Publikationen

Publikation: Pflege vor Ort gestalten und verantworten

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