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Carl Bertelsmann-Preis 1997: Eigenverantwortung und Solidarität. Neue Wege in der Sozial- und Tarifpolitik

Festakt zum Carl Bertelsmann-Preis am 18. September in der Stadthalle Gütersloh. V.l.: Preisträger Lodewijk de Waal und Hans Blankert.

Die Bertelsmann Stiftung hat sich dieses drängenden gesellschaftlichen Problems angenommen und den Carl Bertelsmann-Preis 1997 zum Thema "Eigenverantwortung und Solidarität - Neue Wege in der Sozial- und Tarifpolitik" vergeben. Die Jury entschied sich auf der Basis einer umfangreichen internationalen Recherche einstimmig, den mit 300.000 DM dotierten Preis an die niederländische "Stiftung der Arbeit" zu vergeben. Die gemeinsam von den Tarifpartnern getragene und paritätisch besetzte Einrichtung habe den Umbau des niederländischen Sozialstaates maßgeblich vorangetrieben und dadurch das inzwischen weltweit beachtete "Beschäftigungswunder" erst möglich gemacht, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe. Mit der "Stiftung der Arbeit" haben sich die niederländischen Tarifpartner eine gemeinsame, schlagkräftige Institution geschaffen, die auf dem Wege des vertraulichen Dialoges zentrale Weichen für die Sozial- und Tarifpolitik stellt. Als Bindeglied sorgt die Stiftung darüber hinaus für eine enge Abstimmung der politischen Strategie zwischen Regierung und Tarifpartnern. Die einflussreichen Empfehlungen der Stiftung haben großen Anteil daran, dass es den Niederlanden im Laufe der letzten 15 Jahre gelungen ist, sich von europäischen Negativtrends abzukoppeln: Damals bekannt für die "holländische Krankheit", werden die Niederlande heute weithin für ihr erfolgreiches "Poldermodell" gerühmt.


Internationaler Gesangswettbewerb NEUE STIMMEN 1997

Die Bertelsmann Stiftung verfolgt mit ihrem Gesangswettbewerb das vorrangige Ziel, jungen Opernsängerinnen und -sängern zum Durchbruch in eine internationale Karriere zu verhelfen. Im Gegensatz zu vergleichbaren Wettbewerben bieten die Veranstalter den jungen Künstlern ein optimales Forum und vielfältige Kontaktmöglichkeiten: Zahlreiche Intendanten deutscher und europäischer Opernhäuser, Vertreter der Musikindustrie und großer Agenturen sowie die Medien begleiten, sichten und fördern die NEUE STIMMEN. Insbesondere durch die Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk, der bundesweit eine längere Reportage über den Wettbewerb ausstrahlt, können sich die Sänger einem breiten Publikum vorstellen. Um den jungen Opernsängerinnen und -sängern möglichst realitätsnahe Bedingungen zu bieten, werden sie bereits während des Semifinales vom Rundfunk-Sinfonie Orchester des WDR unter der Leitung von Steven Sloane begleitet. Den mit 15.000 DM dotierten 1. Preis errang die russische Sopranistin Eteri Gvasava. Den 2. Preis über 10.000 DM erhält der Bass Tigran Martirossian aus Armenien; der 3. Preis von 5.000 DM wird dem koreanischen Bariton Soon-Won Kang zuerkannt. Mit weiteren Sonderpreisen bedenkt die Jury Haitao Wang, Xiaoliang Li und Jia Lin Zhang (alle Volksrepublik China), sowie Petia Petrova (Bulgarien) und Kikuko Teshima (Japan). Den Förderpreis der Felicitas-Vössing-Stiftung erhält Anke Vondung aus Deutschland. Der Förderpreis der Stadt Yokosuka wird an Regina Zona (USA) vergeben.


Erster Meisterkurs der NEUEN STIMMEN

In Zusammenarbeit mit dem Kölner Rundfunk- Sinfonie-Orchester des WDR führt die Bertelsmann Stiftung erstmals einen Workshop für junge Sänger durch. Insgesamt zwölf jungen Teilnehmern aus sechs Nationen wird hier die Gelegenheit gegeben, mit dem Dirigenten Steven Sloane und dem Leiter der Vorauswahlen, August Haltmayer, ihr stimmliches und künstlerisches Potential weiterzuentwickeln. Die jungen Talente werden ausnahmslos aus den Vorauswahlen des Internationalen Gesangswettbewerbs NEUE STIMMEN rekrutiert. Mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester studieren die jungen Sänger über drei Tage lang in der Kölner Philharmonie Arien aus den unterschiedlichen Stimmfächern ein. Zwischen den einzelnen Kurselementen bietet sich die Gelegenheit zur Repetition und zum Feedback. Aufgrund des großen Erfolges des Orchesterworkshops beabsichtigt die Bertelsmann Stiftung, auch in Zukunft weitere Kurse in dieser Form anzubieten.


Zehnter Deutsch-Jüdischer Dialog

Zweimal jährlich treffen sich auf Initiative der Bertelsmann Stiftung und des Londoner Verlegers Lord George Weidenfeld Persönlichkeiten des jüdischen Lebens aus aller Welt zu informellen Gesprächen mit verantwortlichen Politikern aus Bund und Ländern sowie mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien. Dabei geht es um tagesaktuelle Fragen im deutsch-israelischen Verhältnis ebenso wie um die Reflexion der Folgerungen aus der gemeinsamen Geschichte und der besonderen Verantwortung Deutschlands. Zentrale Themen in diesem Jahr sind der Friedensprozess im Nahen Osten, verbunden mit der Frage des deutschen Beitrages, und die internationale Debatte um das Buch von Daniel J. Goldhagen, "Hitlers willige Vollstrecker", die unter dem Titel "Die Gegenwart der Vergangenheit" fortgeführt wurde. An den Gesprächen nahmen u. a. teil: Bundesaußenminister Dr. Klaus Kinkel, der niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, der inzwischen verstorbene israelische Staatspräsident a. D., Chaim Herzog, sowie die Bürgermeister von Tel Aviv und Jerusalem, Roni Milo und Ehud Olmert.


Projekt "Schule & Co."

Vertragsunterzeichnung des Projekts "Schule & Co." in der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. V.l.: Die nordrhein-westfälische Schulministerin Gabriele Behler und Reinhard Mohn.

"Schule & Co." basierte einerseits auf Anregungen der Bildungskommission NRW und der daraus hervorgegangenen Denkschrift "Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft" von 1995 und andererseits auf Erfahrungen, die in Kanada in der Schulregion von Durham (Toronto) gemacht wurden. Für ihren innovativen Weg einer Schulreform von unten wurde die Schulbehörde von Durham 1996 mit dem Carl Bertelsmann-Preis ausgezeichnet. "Schule & Co." ist ein gemeinsames Projekt des Ministeriums für Schule und Weiterbildung Nordrhein-Westfalen, der Bertelsmann Stiftung, des Kreises Herford und der Stadt Leverkusen. Die Projektpartner stimmen mit der Forderung der von Ministerpräsident Johannes Rau eingesetzten Bildungskommission überein, Gestaltungskraft und Selbstverantwortung der einzelnen Schule zu stärken und die Schule deutlicher als bisher in den Kontext regionaler Entwicklung zu stellen. Eine stärkere Vernetzung der Bildungs- und Erziehungsarbeit mit anderen kommunalen Dienstleistungen und privaten Einrichtungen soll dazu beitragen, die Entwicklung "regionaler Bildungslandschaften" zu unterstützen. Bei diesem, für die Bundesrepublik Deutschland einmaligen Schulprojekt sollen innerschulische Entwicklungsprozesse mit Reformansätzen kommunaler Verwaltungen verknüpft werden. In beiden Modellregionen haben sich insgesamt 52 Schulen aller Schulformen nach intensiven und teilweise kontroversen Diskussionen zwischen Lehrern, Schülern und Eltern zu einer Teilnahme entschlossen. Im Kreis Herford wird das Projekt dauerhaft weitergeführt.


Gründung der Medienakademie Köln

Ziel der Medienakademie ist die Förderung der Wissenschaft, Forschung und Aus- und Fortbildung im Multimediabereich. Sie soll Medien-Innovationen fördern und durch die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte die Einführung und Verbreitung neuer Medientechnologien fördern. Im Mittelpunkt stehen die Qualifikation für neue Medienberufe sowie die Beratung von Firmen bei der Anwendung neuer Medien. Das Angebot wird abgerundet durch Fachtagungen und Managementkonferenzen.