Am deutlichsten sind die Rückschritte bei Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Der Raum für offenen Diskurs ist so eingeschränkt wie noch nie seit Beginn der BTI-Erhebung 2006. Neben Diffamierungen und Gewalt gegen Demonstrierende oder Journalist:innen setzen Regierungen auf subtilere Mittel: missbräuchliche Anti-Diffamierungs- oder NGO-Gesetze mit drakonischen Strafen, politische Einflussnahme auf Lizenzvergaben oder die Vergabe finanzieller Mittel an regierungsnahe Medien. Verstärkt sind auch digitale Überwachung sowie Internetabschaltungen zu einer flankierenden Strategie geworden, um Kritik zu unterdrücken und die Organisation von Opposition zu behindern.
Auch Wahlen verlieren an Integrität. In 54 Prozent der untersuchten Länder erfüllen sie keine demokratischen Mindeststandards mehr. Militärputsche wie in Gabun oder Niger setzen sie ganz aus, andernorts – etwa in Belarus, Russland oder Ruanda – sind sie streng kontrollierte Legitimationsrituale, deren Ergebnis bereits weit vor der Stimmabgabe feststeht. In Georgien und Serbien führten gravierende Wahlmanipulationen zur BTI-Einstufung als Autokratien.
Was der Blick auf Wahlen jedoch ebenfalls zeigt: Das Ergebnis zahlreicher freier und fairer Wahlen waren friedliche Regierungswechsel. In Madagaskar, Tansania und Venezuela hingegen führten manipulierte Urnengänge zu Massenprotesten. Diese wurden zwar gewaltsam niedergeschlagen, verstärkten aber in vielen Fällen die politische Mobilisierung über den Wahltermin hinaus. Im Senegal setzte das Verfassungsgericht die termingerechte Durchführung der Präsidentschaftswahl gegen den Willen des Amtsinhabers durch. Brasilien, Lettland und Taiwan stärkten die Integrität ihrer Wahlen durch Maßnahmen gegen Desinformation. In Moldau behauptete sich die proeuropäische Präsidentin und Reinhard-Mohn-Preisträgerin Maia Sandu trotz massiver externer Einflussversuche.
Parallel nimmt die politische Machtkonzentration in vielen Staaten zu. Unabhängige Institutionen, die Regierungen kontrollieren und zur Rechenschaft ziehen sollen, werden abgeschafft oder mit Gefolgsleuten besetzt, Parlamente umgangen und die Justiz behindert oder etwa über die Besetzung von Richterposten politisch zugunsten der Regierung beeinflusst. In volatilen Krisenzeiten wächst das Bedürfnis nach Stabilität, Sicherheit und effizienter Regierungsführung – und macht Gesellschaften empfänglich für rigides Top-Down-Management.