Die öffentliche Debatte über Gesundheitsreformen wurde zuletzt in erster Linie von kurzfristig wirksamen Sparvorschlägen bestimmt. Dabei kommt dem strukturellen, langfristig angelegten Umbau der Gesundheitsversorgung eine viel größere Bedeutung zu. Für die Politik dürfte es daher eine gute Nachricht sein, dass die Reformbereitschaft in der Bevölkerung hoch ist: Neun von zehn Personen halten grundlegende Veränderungen im Gesundheitssystem für sehr oder eher notwendig. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Bosch Health Campus und der Bertelsmann Stiftung unter dem Dach des Health Transformation Hub hervor.
Die Menschen befürworten neue Versorgungsangebote, die sich flexibler in ihren Lebensalltag integrieren lassen, den Zugang besser steuern, Fachkräfte entlasten und ihre gesundheitlichen Anliegen zielgerichtet adressieren. Die Offenheit für eine angemessene Versorgung, die auf der jeweils niedrigstmöglichen Ebene ansetzt, ist groß: So sprechen sich 71 Prozent für das Prinzip "Hausarzt vor Facharzt" und 63 Prozent für den Vorrang von ambulanten vor stationären Operationen aus, wenn das medizinisch möglich ist. Viele Befragte wünschen sich eine Gesundheitsversorgung, die zu ihnen kommt. Das spiegelt sich in der hohen Zustimmung für mobile Sprechstunden in kleineren Gemeinden (79 Prozent) sowie für Vorsorgemaßnahmen in Alltagseinrichtungen (77 Prozent). Gesundheitszentren als Alternative zur klassischen Arztpraxis würde die Mehrheit auch bei längeren Anfahrtswegen akzeptieren, wenn dadurch die Versorgung gesichert wäre.


