Dieses Porträt zeigt die deutsche Politikerin Rita Süssmuth in Schwarz-Weiß.

Bertelsmann Stiftung trauert um Rita Süssmuth

Die Bertelsmann Stiftung trauert um Professorin Dr. Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Bundestages a. D. Das ehemalige Beirats- und Kuratoriumsmitglied der Stiftung ist am 1. Februar im Alter von 88 Jahren in Neuss verstorben.

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Jochen Arntz
Vice President Media Relations

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Die CDU-Politikerin gehörte mehr als ein Vierteljahrhundert zu den wichtigsten Rat- und Impulsgebern der Bertelsmann Stiftung. Im Jahr 2015 würdigte die Stiftung den unermüdlichen Einsatz von Rita Süssmuth als Wegbereiterin einer modernen Einwanderungs- und Integrationspolitik mit der Verleihung des Reinhard Mohn Preises.

Liz Mohn, die mit Rita Süssmuth über viele Jahre ein enges und von tiefem Vertrauen getragenes Verhältnis verband, würdigte sie mit folgenden Worten: „Mut, Mitmenschlichkeit, Toleranz und Gerechtigkeitssinn waren die tragenden Werte ihres Wirkens. Rita Süssmuth hat sie mit Haltung, Überzeugung und unermüdlichem Engagement verkörpert. Diese Werte prägten sie zu einer der herausragendsten und beliebtesten Persönlichkeiten der deutschen Politik und brachten ihr weit über die Grenzen unseres Landes hinaus höchste Anerkennung ein. Ihr entschlossener Einsatz gegen jede Form von Ausgrenzung und Diskriminierung war Ausdruck ihres festen Glaubens an die Würde des Menschen. Sie war ein Vorbild gerade auch für jüngere Generationen. In einer Zeit, in der der gesellschaftliche Zusammenhalt immer stärker gefordert ist, wird ihre mahnende, verbindende und menschliche Stimme in Deutschland und Europa schmerzlich fehlen.“

„Rita Süssmuth war eine überzeugte Europäerin, die sich große Verdienste in der Politik und in der Gesellschaft erworben hat.  Ihre Überzeugungen waren geprägt von einem Grundvertrauen in die Lern- und Verantwortungsfähigkeit der Menschen. Ihre brillanten Analysen gesellschaftlicher Probleme, ihre Lösungskompetenz und ihr Weitblick werden uns fehlen“, sagte Bodo Uebber, der Kuratoriumsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung.

Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, sagte im Namen des gesamten Vorstands: „Mit Rita Süssmuth verlieren wir eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die sich mit Mut, Klarheit und großer Menschlichkeit für eine offene Gesellschaft eingesetzt hat. Sie war der Bertelsmann Stiftung über Jahre und Jahrzehnte eng verbunden – als Mensch und Mitglied unseres Beirats sowie später unseres Kuratoriums. Wir trauern um eine beeindruckende Vordenkerin und sind in Gedanken bei ihrer Familie und allen, die ihr nahestanden.“

Rita Süssmuth gehörte zunächst dem Beirat und später dem Kuratorium der Bertelsmann Stiftung von Juli 1997 bis Februar 2007 an. In zahlreiche Programme und Projekte der Stiftung brachte sie ihre wissenschaftliche Expertise und großen politischen Erfahrungen ein. Dazu gehörten die Initiativen für eine moderne Einwanderungs- und Integrationspolitik, bessere Bildungschancen für alle Kinder, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung und Pflege, die deutsch-polnische Aussöhnung oder neue Konzepte gegen die zunehmende Altersarmut.

Rita Süssmuth hat die Entwicklung Deutschlands von den achtziger Jahren bis heute wesentlich mitgeprägt. 1985 wurde sie zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit (ab 1986 zusätzlich für Frauen) ernannt. Von 1987 bis 2002 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1988 bis 1998 die Präsidentin des Parlaments. Von 1988 bis 2015 war Rita Süssmuth Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Zwischen 2000 und 2001 saß sie der Unabhängigen Kommission Zuwanderung vor. Von 2002 bis 2004 leitete sie den Sachverständigenrat für Zuwanderung und Integration. Schließlich gehörte sie von 2004 bis 2005 der UN-Weltkommission für Internationale Migration an. Im Beirat des gemeinnützigen Sozialunternehmen PHINEO war sie seit 2021 Mitglied.