Aussichtsfernglas auf die Kathedrale Santa Maria del Fiore in Florenz
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, eupinions: Europäer sind persönlich optimistisch, blicken aber pessimistisch auf das eigene Land

Eine Mehrheit der Europäer schaut positiv in die persönliche Zukunft, aber negativ in die Zukunft des eigenen Landes. Dieses Optimismus-Paradox zieht sich durch alle sozialen Gruppen, Altersklassen und Länder. Gleichzeitig hat die starke Tendenz der Europäer, pessimistisch auf die Zukunft des eigenen Landes zu blicken, deutliche politische Auswirkungen – vor allem auf die parteipolitische Präferenz. Das zeigt unsere neue eupinions-Studie.

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Wie optimistisch oder pessimistisch sehen die Menschen in der Europäischen Union ihre persönliche Zukunft und die Zukunft ihres Landes? Wie unterscheidet sich dies zwischen den EU-Mitgliedstaaten? Und in welchen Zusammenhang stehen diese Grundhaltungen mit ihrer parteipolitischen Präferenz? Diese Fragen beantwortet unsere neue eupinions-Studie "Das Optimismus-Paradox". Das zentrale Ergebnis: 58 Prozent der Befragten in den 27 EU-Ländern sehen ihre persönliche Zukunft optimistisch. Gleichzeitig sind sie aber pessimistisch, was die Zukunft ihres Landes betrifft. 

Dieses Optimismus-Paradox gilt – wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt – in allen EU-Mitgliedstaaten. Die menschliche Tendenz, in die eigene Kraft mehr zu vertrauen als in die der Gesellschaft, hat politische Auswirkungen, die sich gerade in der Corona-Pandemie deutlich beobachten lassen. 

Die Deutschen fallen durch ihr hohes Vertrauen in die eigene Kraft bei besonderer Verzagtheit hinsichtlich der Zukunft Deutschlands auf.
Isabell Hoffmann, Europa-Expertin der Bertelsmann Stiftung und Studienleiterin der "eupinions"

65 Prozent der Deutschen geben an, optimistisch auf die eigene Zukunft zu blicken, aber nur 44 Prozent sind optimistisch, was die Zukunft des eigenen Landes angeht. "Nur in Spanien ist der Widerspruch zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Erwartungshaltung ähnlich stark ausgeprägt wie in Deutschland", erklärt Hoffmann weiter.

EU27: Optimismus und Pessimismus bezüglich der eigenen Zukunft und der Zukunft des Landes in Europa

Es gibt Länder wie Polen, deren Bevölkerung ähnlich optimistisch in die eigene Zukunft blicken (67 Prozent Optimisten bei 33 Prozent Pessimisten), und auch etwas positiver eingestellt sind bezüglich des eigenen Landes (48 Prozent Optimisten bei 52 Prozent Pessimisten). Es gibt jedoch auch Länder wie Frankreich, deren Bevölkerung düster auf die Zukunft des eigenen Landes blickt (31 Prozent Optimisten bei 69 Prozent Pessimisten) und gleichzeitig ausgesprochen negativ sind, was das eigene Leben betrifft (39 Prozent Optimisten bei 61 Prozent Pessimisten).
 

Je gebildeter, desto optimistischer

Ein Blick in die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen offenbart, dass die 16- bis 35-Jährigen deutlich optimistischer auf ihr eigenes Land schauen als die 46- bis 70-Jährigen. Studierende sind in Bezug auf ihr eigenes Leben und auf ihr Land ebenfalls optimistischer als der Durchschnitt. Generell gilt für alle Altersgruppen: Menschen mit einem hohen Bildungsniveau sind optimistisch bezüglich des eigenen Lebens, aber pessimistisch bezüglich des eigenen Landes. 

Frauen schauen mehrheitlich optimistisch auf das eigene Leben, sind gleichzeitig deutlich pessimistischer, was die Zukunft des eigenen Landes betrifft als Männer. Besonders pessimistisch auf ihr eigenes Leben und auf ihr Land blicken Arbeitslose.

Anhänger rechtspopulistischer Parteien sind pessimistischer

Bei der Analyse zeigt sich darüber hinaus eine enge Verbindung zwischen dem persönlichen und gesellschaftlichen Pessimismus der Befragten und ihrer parteipolitischen Präferenzen. Die Anhänger rechtspopulistischer Parteien zeichnen sich durch ein besonders hohes Level an persönlichem und gesellschaftlichem Pessimismus aus.

Corona-Krise verstärkt voraussichtlich negativen Trend

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind diese Ergebnisse in zweierlei Hinsicht relevant: Zunächst ist zu erwarten, dass sich die Aussichten auf die Zukunft des eigenen Landes eintrüben werden. Auch wenn die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der jeweiligen Regierung hoch sein sollte, dürfte sich der gesellschaftliche Pessimismus angesichts der persönlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise verstärken. 

Zudem wird es schwieriger werden, die negativen Auswirkungen des Optimismus-Paradoxes politisch zu navigieren. Seit dem Beginn der Krise ist zu beobachten, wie ein übermäßiger Glaube an die eigene Kraft (Mir wird schon nichts passieren) gedämpft und ein schwacher Glaube an die Kraft der Gesellschaft gestärkt wurde (Jeder einzelne kann dazu beitragen, dass wir es gemeinsam schaffen). Was anfänglich im Shutdown gut funktionierte, erweist sich in der Öffnung als fragiles Konstrukt und befeuert sowohl Proteste gegen die Krisenmaßnahmen als auch Unachtsamkeit mit den Verhaltensregeln in der Pandemie. Auch eine Schwächung in den Glauben an die gemeinschaftliche Kraft im Angesicht dieser Gesundheits-Krise ist zu erwarten.

Aufgabe der Regierungen wird es nun sein, die Menschen weiterhin bei den teils einschneidenden Maßnahmen mitzunehmen. Eines ist dabei bereits klar: Länder, die eine transparente und klare Krisenkommunikation umsetzen, überzeugen ihre Bürger von der Notwendigkeit der Maßnahmen am erfolgreichsten. Jetzt wird klar, dass ohne das Mitwirken des Einzelnen, jegliche Anstrengung vergebens ist. Aus diesem Grund kommt auch den politischen Oppositionsparteien in diesen Zeiten eine besondere Verantwortung zu. So wichtig eine offene Debatte über die eingeführten Maßnahmen auch ist, so muss diese doch auf eine Art geführt werden, die der Bewältigung der akuten Gefährdungslage nicht im Weg steht. Einsicht benötigt Legitimität und Legitimität benötigt in der Demokratie einen offenen Diskurs. Diesen jetzt zu führen, liegt in der Verantwortung aller Politiker. 

Studie

Publikation: Das Optimismus-Paradox

In früheren Studien wie Globalisierungsangst oder Wertekonflikt: Wer in Europa populistische Parteien wählt und warum? und Globalisierung und ...

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