Junge Frau arbeit in einem Werkraum für Technik an einer Roboterhand.
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Der Lehrerbedarf an den beruflichen Schulen in Deutschland kann schon seit geraumer Zeit nicht einmal annähernd aus dem klassischen Lehramtsstudium gedeckt werden. Deshalb ist der Rückgriff auf Seiteneinsteiger ohne pädagogische Qualifikation in den meisten Ländern gängige Praxis. Dies gilt besonders für die gewerblich-technischen Fächer wie Metall- oder Elektrotechnik. Zwei Drittel aller neu eingestellten Seiteneinsteiger an beruflichen Schulen entfielen im Jahr 2016 auf diese Fächergruppe. 

Pensionierungswelle und steigende Schülerzahlen verschärfen den Nachwuchsmangel

Die Nachwuchsprobleme an den beruflichen Schulen werden sich in den kommenden Jahren durch eine Pensionierungswelle noch weiter verschärfen. Im Schuljahr 2015/16 waren 48 Prozent der Lehrkräfte an beruflichen Schulen 50 Jahre oder älter. Steigende Schülerzahlen sowie eine wachsende Vielfalt in den Klassenzimmern erhöhen zudem die Nachfrage nach pädagogisch gut ausgebildetem Lehrpersonal an den beruflichen Schulen.

Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, besteht unmittelbar Handlungsbedarf. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes, fordert: "Von der Qualität des Fachunterrichts hängt letztlich auch die Qualität des dualen Ausbildungssystems und damit die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ab. Es bedarf dringend nachhaltiger Maßnahmen und gemeinsamer Anstrengungen von Ländern, Hochschulen, Verbänden, Schulen und Unternehmen, um mehr gut ausgebildete Lehrkräfte für die beruflichen Schulen zu gewinnen."

Berufsschullehrer als Quereinsteiger? Dann aber richtig!

Die Bildungsexperten des Monitor Lehrerbildung entwerfen in der Publikation "Attraktiv und zukunftsorientiert?! – Lehrerbildung in den gewerblich-technischen Fächern für die beruflichen Schulen" ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das die Lehrkräfteversorgung sicherstellen soll. Dazu gehört beispielsweise, dass die Zugangswege zum Lehramt in den gewerblich-technischen Fachrichtungen erweitert werden. So sollte der qualitätsgesicherte Quereinstieg zur gleichwertigen Alternative neben dem grundständigen Lehramtsstudium werden. 

"Wenn der Lehrkräftebedarf in den gewerblich-technischen Fächern ohnehin schon seit Jahren zu großen Teilen über Seiteneinsteiger aus der Industrie gedeckt wird, ist es an der Zeit, aus der Not eine Tugend zu machen und Möglichkeiten für einen qualitätsgesicherten Umstieg ins Lehramt dauerhaft zu etablieren."

Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE Centrum für Hochschulentwicklung

Die Publikation benenne attraktive Modelle für Quereinstiegs-Master, die unbedingt in die Breite getragen werden müssten, so Ziegele.

Wie die Situation zur beruflichen Bildung in den einzelnen Bundesländern aussieht, sehen Sie in unseren Faktenblättern:

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