Ein Pflegebedürtige im Rollstuhl und ihre Pflegerin sitzen im Grünen und schauen sich an.
Valeska Achenbach

, Vergleichsportal: Den richtigen Pflegeanbieter finden

Auf der Suche nach einem guten Pflegeheim oder -dienst trifft man bisher auf den "Pflege-TÜV" des medizinischen Dienstes der Krankenkassen. Die darauf basierenden Pflegenoten haben jedoch kaum Aussagekraft. Fast alle Anbieter schneiden sehr gut ab. Die Weisse Liste macht  nun Qualitätsunterschiede sichtbarer.

Welcher Pflegedienst passt zu mir, welches Pflegeheim ist gut für mich? Ab sofort bietet das unabhängige Vergleichsportal Weisse Liste, ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen, mehr Orientierung bei dieser schwierigen Entscheidung.

Neue Auswertung schafft mehr Transparenz

Für jede der rund 26.000 Einrichtungen in Deutschland zeigt das Portal an, inwieweit die fachlichen Mindestanforderungen an die Qualität der Pflege erfüllt sind. Die Weisse Liste wertet dazu die Ergebnisse aus dem "Pflege-TÜV" neu aus. Bei jeder Einrichtung wird angezeigt, wie viele der überprüften Fachkriterien voll erfüllt werden, sodass Suchende anhand eines Prozentwertes schnell einen Überblick über die Prüfergebnisse bekommen. Dieser Prozentwert wird zusätzlich ins Verhältnis zum Bundesdurchschnitt gesetzt.

Kritik an bisherigen Pflegenoten

Die Pflegenoten stehen seit langem in der Kritik. Durch das bisherige System werden die Qualitätsunterschiede der geprüften Pflegeeinrichtungen nicht deutlich. Der Grund: Die Werte werden über alle geprüften Kriterien und alle überprüften Pflegebedürftigen hinweg berechnet. Aufgrund dieser Berechnungsmethodik können Mängel in einem relevanten Bereich durch ein anderes – vielleicht weniger relevantes – Kriterium ausgeglichen werden. Das führt dazu, dass die Anbieter fast durchweg „sehr gut“ abschneiden.

Der bundesweite Durchschnitt liegt auf diese Weise für Pflegedienste und -heime bei jeweils 1,3. Gut ein Viertel der Heime und 40 Prozent der Dienste erhalten eine glatte 1,0. Nach der neuen Auswertungsmethode der Weissen Liste erfüllen nur 11 Prozent der Heime beziehungsweise 29 Prozent der Dienste die bei ihnen geprüften Kriterien zu 100 Prozent. Rund zwei Prozent der Pflegeheime und vier Prozent der Pflegedienste haben lediglich ein Drittel oder weniger der bewerteten Kriterien bei allen überprüften Pflegebedürftigen in der Stichprobe voll erfüllt.

„Pflege-TÜV“ wird überarbeitet

Die Politik hat inzwischen einen Qualitätsausschuss ins Leben gerufen, der ein neues Qualitätsprüfungs- und Veröffentlichungssystem für Pflegeeinrichtungen entwickeln soll. Dieser Ausschuss konstituiert sich aktuell. Aber frühestens 2019 ist mit den neuen Prüfergebnissen zu rechnen. Bis dahin werden die Pflegenoten weiter in der bisherigen Form veröffentlicht.

"In der Übergangszeit wollen wir mit der neuen Auswertungsmethode der Pflege-Prüfergebnisse den Verbrauchern mehr Orientierung bieten."
Uwe Schwenk, Programmleiter bei der Bertelsmann Stiftung

Parallel arbeitet die Stiftung derzeit an eigenen Vorschlägen für das neue Veröffentlichungssystem. Am Dienstag hat sie dazu ein erstes Eckpunktepapier herausgegeben.

Tipps für Verbraucher

Die Weisse Liste empfiehlt Verbrauchern, sich bei der Suche nach dem passenden Pflegeanbieter ein eigenes Bild über die Unterschiede und die Qualität der Einrichtungen zu machen und mit den Fachkräften vor Ort zu sprechen. Das Vergleichsportal bietet dafür auf seiner Website Checklisten an, anhand derer sich Verbraucher orientieren können. Zudem zeigt das Portal an, welche Pflegeberatungsstelle sich in der Nähe des jeweiligen Nutzers befindet.

Weblink

Projekte

Bild_Expertengespraech BMJV_WLPD_CW final_150611.jpg(© Reiner Habig, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz)

Expertengespräch: Pflege-Transparenz am Verbraucher orientieren

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Weisse Liste: Weisse Liste informiert über Palliativversorgung

Krankenhaus_Original_26669_1240x600px(© Veit Mette)

Aufruf: Für patientenorientierte Qualitätsdaten

Veer_AYP2802054_M_MPL.JPG_ST-VV(© Alloy Photography / Veer)

Zweitmeinungen: Patienten möchten sichergehen