Liz Mohn, stellevertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung steht in einem weiß-schwarzen Hosenanzug im Foyer der Stiftung.

Menschlichkeit gewinnt

Liz Mohn, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, fordert mehr Verantwortung von Unternehmern – und einen kritischen Blick auf die wichtigsten Herausforderungen in unserer Gesellschaft.

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Fast drei Viertel aller Unternehmen in Deutschland fehlt es an Fachkräften – ein Thema, mit dem sich derzeit auch die Bundesregierung befasst. Susanne U. Schultz, Expertin für Migrationspolitik der Bertelsmann Stiftung, erläutert die Ergebnisse des neuen Fachkräftemigrationsmonitors der Stiftung. Danach sucht noch nicht einmal jedes fünfte Unternehmen im Ausland nach Personal. Offenbar sind die Hindernisse für die Rekrutierung von Fachkräften v.a. aus Ländern außerhalb der EU nach wie vor zu hoch und es mangelt an Offenheit.

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Unsere Welt ist erschüttert durch eine Reihe von Krisen, die von Kriegen über eine anhaltende Pandemie bis hin zu wirtschaftlichen Turbulenzen und einem zunehmend bedrohlichen Szenario aufgrund des Klimawandels reichen. Es ist eine zerrissene Welt, mit angespannten oder zerrütteten Beziehungen und enormen hochkomplexen Herausforderungen. Wie soll es weitergehen?

Auf Einladung von Liz Mohn, der Initiatorin des Salzburger Trilogs, und Wolfgang Schüssel, dem ehemaligen Bundeskanzler der Republik Österreich, trafen sich 32 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zum offenen Austausch in der Mozartstadt.

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Dieses Video zeigt Impressionen des ersten Tages des Deutsch-Amerikanischen Zukunftsforums. Expert:innen aus Politik, Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und Medien entwickelten gemeinsame Positionen zum Thema: "Die Zukunft der Demokratie in einer digitalen Welt". Organisiert wurde die Konferenz vom US State Department, dem Auswärtigen Amt, der Bertelsmann Stiftung und dem American Institute for Contemporary German Studies (AICGS). Die Konferenz fand am 02. und 03. November am Rande des Treffens der G-7-Außenminister:innen in Münster statt.

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Bundesweit fehlt es an Kita-Plätzen: Um die Nachfrage zu decken, müsste es im kommenden Jahr 2023 über 380.000 zusätzliche Plätze geben. Dafür müssten mindestens 100.000 Fachkräfte zusätzlich eingestellt werden. Auch zehn Jahre nach Einführung des Rechtsanspruchs auf eine Betreuung für unter Dreijährige finden zahlreiche Eltern keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder. Der größte Mangel besteht in Nordrhein-Westfalen: Hier fehlen über 100.000 Kita-Plätze, das entspricht einer Unterversorgung von 14 Prozent bei Kindern unter drei Jahren.

Die größte Hürde auf dem Weg zu genügend Plätzen und mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung aber ist und bleibt der enorme Fachkräftemangel. Anette Stein, Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann Stiftung, erläutert im Video die aktuellen Zahlen und zeigt Lösungsansätze auf.

Infos zum Text

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Von Liz Mohn für change – das Magazin der Bertelsmann Stiftung. Ausgabe 2/2016.

Die Welt ist in Bewegung geraten – wir leben in einer Zeitenwende! So lassen sich wohl am besten die Umwälzungen und Entwicklungen umschreiben. Nicht nur, dass wir von vielen Kriegen und Konflikten betroffen sind, die wir vor Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Auch die Ausdehnung der internationalen Handelsbeziehungen wirft neue Fragen nach der Ausgestaltung der Arbeits- und auch Lebensbedingungen von Milliarden von Menschen auf. Dazu stellt die globale und digitale Vernetzung mit all ihren Chancen und Risiken unsere Gesellschaften und Wirtschaftssysteme vor große Herausforderungen und wird die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen verändern. Noch können wir nicht abschätzen, ob und wie viele Arbeitsplätze betroffen sind. Szenarien, die vom Verschwinden der Hälfte der Berufe in den nächsten zehn Jahren ausgehen, sind ein Alarmsignal.

Viele Menschen reagieren auf die Umbrüche mit Unsicherheit und Zukunftsängsten. Das jedoch sind Gefühle, die den Weg für innovative Lösungen und den Blick für Perspektiven verstellen. Wie kann es also gelingen, Zukunft so zu gestalten, dass sie Innovation und Teilhabe und damit Beschäftigung und Wohlstand in einer globalisierten Welt ermöglicht? „Wir müssen mehr Köpfe ans Denken bringen“ – diese Überzeugung meines Mannes Reinhard Mohn ist aktueller denn je. Denn es braucht die Kräfte aller gesellschaftlichen Gruppen, um den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Dazu braucht es Unternehmenskulturen, die durch die Delegation von Verantwortung sowie Mitsprache und Teilhabe an Arbeits-, Kommunikations- und Entscheidungsprozessen Menschen Sinnerfüllung und Eigenverantwortung in der Arbeit ermöglichen. Vor allen Dingen braucht es aber ein gemeinsames Ziel, auf das sich die beteiligten Interessenvertretungen verständigen und mit dem sie sich identifizieren.

Ein verantwortungsvolles Unternehmertum kann und soll einen wirkungsvollen Beitrag leisten, um gesellschaftlichen Fortschritt mitzugestalten. Viele Beispiele zeigen, dass Unternehmer Wirtschaft und Gesellschaft zusammen denken. Entweder mit innovativen Produkten und Dienstleistungen, die Menschen helfen, ihren Alltag besser zu gestalten. Oder indem sie mit ihren spezifischen unternehmerischen Kompetenzen und Ressourcen zu gesellschaftlichen Veränderungen beitragen. Oder einfach, indem sie Menschen durch Innovation und Wachstum Beschäftigung und Wohlstand und vielleicht in unruhigen Zeiten auch so etwas wie eine „Heimat“ bieten.

Wie wichtig dies ist, wird aktuell an vielfältigen Initiativen der Wirtschaft deutlich, den Menschen, die vor Krieg und Vertreibung geflüchtet sind, eine Perspektive zu bieten. Ob es uns gelingt, sie in unsere Gesellschaft zu integrieren, hängt entscheidend davon ab, ob sie eine Ausbildung machen können und einen Arbeitsplatz finden. Hier haben Unternehmen eine Schlüsselrolle, und die Fülle an bereits realisierten betrieblichen Integrationsprojekten zeigt, dass viele bereit sind, diese Rolle auszufüllen.

Aber auch in anderen Bereichen leisten Unternehmen ihren Beitrag für das Gemeinwohl. Denken wir nur an die vielen mittelständischen Unternehmen, die sich für Bildung und Ausbildung engagieren, für mehr Teilhabe benachteiligter Menschen oder für gute Bedingungen für Familien. Wir brauchen diese Kultur der Verantwortung, denn sie ist wichtig für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Diese mit Engagement und neuen Ideen mitzugestalten, ist gelebtes Unternehmertum.

Der Reinhard Mohn Preis 2016 soll hierzu wichtige Impulse geben. Denn bei aller globaler Wettbewerbsorientierung sollte auch für die Wirtschaft und das Unternehmen die Forderung Reinhard Mohns ein Leitmotiv bleiben: Menschlichkeit gewinnt!