Die Unternehmerfamilie Budnikowska steht auf einem Flachdach in Hamburg um Hintergrund ist das Firmenlogo zu sehen.

Jeden Tag Gutes tun

Eine Hamburger Familie hat es geschafft, verantwortungsvolles Unternehmertum über vier Generationen zu erhalten: Christoph Wöhlke setzt mit der Drogeriemarktkette Budnikowsky, die in der Hansestadt liebevoll „Budni“ genannt wird, diese Tradition fort und schafft ein ganz eigenes Lebensgefühl.

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Text von Tanja Breukelchen für change – das Magazin der Bertelsmann Stiftung. Ausgabe 2/2016.

Mit dem Skateboard ist Iwan Budnikowsky 1912 nicht vorgefahren. Damals, kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Als er, gerade mal 23 Jahre alt, im heute zu Hamburg gehörenden Harburg sein erstes Seifen-Geschäft eröffnete. Auch Menschen mit geringem Einkommen sollten Zugang zu Hygieneartikeln haben. Das war sein Ziel. Waschpulver und Seife für Hausmädchen und Hafenarbeiter. Und eine Geschäftsidee, die zu einem Lebensgefühl werden sollte: Budni! So nennen die Hamburger bis heute die Drogeriemarktkette, die in keinem Stadtteil der Hansestadt fehlt. Insgesamt 182 Filialen hat Budnikowsky in der Metropolregion, rund 1.900 Mitarbeiter und eine Philosophie, die bis heute auf unternehmerische Verantwortung setzt.

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Ziemlich cool: Auch wenn Christoph Wöhlke sonst eher mit dem Fahrrad zu seinen Budni-Filialen fährt, nimmt der 38-Jährige auch beim Skaten Fahrt auf. Die Zeiten des Patriarchats, der Anzugträger und der dicken Autos waren bei "Budni" nie besonders angesagt.

Ihr macht das schon

Und ja, Christoph Wöhlke fährt auch häufiger mit dem Fahrrad vor als mit dem Skateboard. Auf zwei Rädern ist die Tour zu den Filialen im Stadtgebiet einfach am praktischsten. Zusammen mit seiner Schwester Julia und seinem Vater Cord Wöhlke leitet der 38-Jährige heute das Unternehmen. Vollbart. Sympathischer Typ. Einer, der weiß, wo er steht, was er will und wie er den Menschen begegnet. Anja Münch zum Beispiel. Die 31-Jährige leitet eine Filiale mitten in der Hamburger City. 19 Mitarbeiter, vom Azubi bis zur Rentnerin. „Es macht einfach Spaß“, sagt die quirlige junge Frau. „Budni hat eine extreme Vielfalt – was sowohl die Standorte als auch die Kunden und Mitarbeiter betrifft, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten. Da ist alles dabei, von den kleinen Azubis, die frisch zuhause raus sind, bis zu den älteren Mitarbeitern, die sich zur Rente etwas dazuverdienen. Man braucht diese gesunde Mischung, erst dadurch lebt ein Team.“

Was typisch Budni sei? „Die Atmosphäre. Wärmer, menschlicher. Es gibt Eigenmarken, auch Naturkosmetik und Aktionen wie unsere Flüchtlingspakete – das war extrem.“ Aus einer Filiale kam der Impuls: Gleich mehrere Kunden fragten: „Kann ich hier auch etwas kaufen und direkt für die Flüchtlinge spenden?“ Und dann kamen sie: Massen von Menschen, die einkauften und Tüten für Flüchtlinge vor die Kassen stellten. Münch: „Wir hatten am Anfang noch gar keine Kisten, aber vorne stand schon die Ware. Die Kunden haben uns vertraut und gesagt: Hey, ihr macht das schon. Zuerst haben unsere Mitarbeiter die Sachen persönlich ins Erstaufnahmelager gebracht.

"Das Vorleben ist das Wichtigste. Aber natürlich bedeutet das auch, dass man der nächsten Generation hilft, indem man sie mit ins Boot holt. Und das früh."

Christoph Wöhlke, Geschäftsführer von Budniskowsky

Budnianer helfen

Später wurde das von der Zentrale koordiniert. Für uns war das toll – die Kunden haben gezeigt, wie sehr sie uns vertrauen.“ Bereits vor der Aktion der Kunden hatte das Unternehmen 1.800 Spendentüten mit Eigenmarken-Artikeln im Wert von 6.000 Euro an die Zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge  der Stadt Hamburg gespendet, nachdem bekannt wurde, dass es vor allem an Hygieneartikeln für Frauen und Kleinkinder fehlte. Typisch Budni eben. Genau wie die Energiesparmaßnahmen in den Filialen, die Wickeltische mit Gratis-Windeln, das Bekenntnis zu „Buy Local“, die Willkommenspakete für Babys, Traubenzucker-Lollis gratis, Liegestühle am Eingang, der Kundenbeirat und die vielen Aktionen, die unter anderem der Budnianer Hilfe e. V. zugutekommen. Bunte Federn sind deren Markenzeichen  – „das kam, weil wir mit den Kindern früher immer nach Bad Segeberg zu den Karl-May-Festspielen gefahren sind“, erinnert sich Gabriele Wöhlke. Die Mutter von Christoph Wöhlke hat den Vorsitz der Budnianer Hilfe e. V. inzwischen vertrauensvoll in die Hände ihrer Tochter Julia gelegt, ist aber auch weiterhin im Vorstand aktiv. Die eigenen Mitarbeiter waren es, die den Verein 1997 gründeten, um vor allem Kindern und Jugendlichen zu helfen. Bis heute hat jede Filiale ein eigenes Hilfsprojekt.

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Buchstart-Taschen packen. Das erinnert Christoph Wöhlke ein bisschen an seine Kindheit. Für seine Mutter Gabriele gehörte Vorlesen zum Alltag. Weil das heute in vielen Familien längst nicht mehr selbstverständlich ist, sollen die Taschen mit ihren Büchern und Broschüren schon den Kleinsten Spaß am Lesen vermitteln.

Die Buchstart-Taschen, die in Hamburg schon die Einjährigen bei den Vorsorgeuntersuchungen vom Kinderarzt überreicht bekommen, gehen auf die Budnianer Hilfe zurück. Dazu kommt seit 2003 der jährlich verliehene Budnianer-Hilfe-Preis, der an drei Projekte aus Hamburg und der Region geht, die sich besonders für Kinder und Jugendliche einsetzen. Jeden Tag Gutes tun – wie schafft man es, so einen Satz zu leben und diese unternehmerische Verantwortung dann auch noch an die nächste Generation weiterzugeben?

Sie wollen den gesamten Artikel lesen und wissen, warum Wöhlke sich für Jeans statt Anzug und Fahrrad statt Limousine entscheidet? Auf Seite 36 unseres kostenlosen change-Magazins geht´s weiter.